100 km- Mission completed

Gerade erinner ich mich grinsend an die kraftzehrenden 1000m-Läufe im Sportunterricht mit so 13-14 Jahren, unmotiviert und mit Seitenstechen. Ich war immer die Langsamste. Beim 60m-Lauf musste ich jedes Mal zusammen mit einem viel schnelleren antreten. Das sollte mich wohl motivieren, bewirkte aber das Gegenteil. Rennen fand ich damals schrecklich. Vorgestern- 30 Jahre später- hab ich im Alter von 43 Jahren den 100km-Lauf von Biel gefinisht und bin dafür 14h und 33min gerannt. Wie konnte das passieren?

Die Vorgeschichte

Der Laufvirus

Naja mit 13 war ich wohl wahrhaft unsportlich und hab dann aber über die Jahre immer wieder etwas getan, was mich fit hielt: erst Karate, später (als ich schon 2 Kinder hatte) Jazz- und Tap-Dance. Die letzten Jahre hatte ich als Ballonverkauf-Lieferfahrer auch einen körperlich anstrengenden Job, der mich recht fit hielt. Naja und dann kam der Tag im Januar 2017, wo mir Valentin einfach mal den Link zu seinem Laufblog schickte und ich aus allen Wolken fiel vor Ehrfurcht. Laufanalysen, Marathone, Wettkämpfe- das klang alles hochwissenschaftlich und interessierte mich brennend. Das wollte ich auch probieren! Mit meiner ersten Teilnahme an einer Laufsportveranstaltung (Kerzerslauf  2017) war es dann gänzlich um mich geschehen. Soviel positive Energie! Ich (eine mässig schnelle Mama mit 42) wurde tatsächlich angefeuert! Jetzt gab es kein Zurück mehr…

Jo das machen wir

Ich hatte im Mai 2017 gerade an meinem 3. Lauf teilgenommen, als Valentin auf Whatsapp laut dachte, wenn er schon (bedingt durch eine Sportverletzung und dem damit verbundenen monatelangen Trainingsausfall) momentan nicht schnell sein kann, dann könne die neue Herausforderung doch sein, sehr weit und dafür langsam zu laufen. Er könnte doch mal für den 100km von Biel 2018 trainieren. Diese Idee fand ich so unglaublich, dass ich sofort mit dabei sein wollte. Valentin war (denke ich mal) erst skeptisch (ich hatte ja noch fast keine Lauferfahrung), die nächsten Monate blieb ich aber wirklich dran, die Kondition wurde besser und ab September 2017 trainierten wir beide nur noch für Biel 2018- nach einem von Valentin akribisch aufgestellten Trainingsplan.

Training für Biel 2018

Die ersten Wochen (September bis November 2017)

Von Anfang an war uns klar, dass die Aufgabe, die wir uns gestellt hatten, riesengross war. Wir versuchten deshalb, das Training sehr diszipliniert anzugehen. So schrieben wir wochenlang (bis Ende 2017) am Ende jeder Trainingswoche einen Bericht. Es war keineswegs egal, wenn jemand mal die Einheit Alternativsport weggelassen hatte. Ich kann mich erinnern, dass ich nur deswegen meine 20 Jahre lang eingemotteten Rollerblades wieder in Gang setzte und mehrmals schwimmen ging. Auch die Schlittschuhe mussten nicht nur einmal herhalten.

Nach 5 Wochen Training Anfang Oktober 2017 bekam ich dann eine schlimme Grippe und kurz darauf einen nicht weggehen wollenden Husten. Bisher war doch alles so gut gegangen und ich wollte doch nicht den Anschluss verlieren. Also lief ich trotz Husten an einem kalten Mittag Anfang November los und musste mich nach 1km übergeben. Mein Kopf schrie JA!!!! aber der Körper sagte ganz klar nein. Nun bin ich aber wirklich ein Dickkopf und wenn ich mir etwas vorgenommen habe, tu ich meistens alles dafür. Statt wegen dem Husten zu pausieren, bin ich deshalb dann einfach auf den in unserem Schlafzimmer stehenden Crosstrainer umgestiegen (durch die warme Luft hielten sich die Hustenanfälle in Grenzen) und konnte das Wochenpensum so erfüllen. Dass ich dann tatsächlich wieder gesund geworden bin, daran hab ich gar keinen Anteil. Das passierte, weil ich die Woche darauf tatsächlich pausierte und das kam, weil Valentin seinen Trainingsplan (er war auch krank geworden) angepasst hatte. Ja ich nahm den Trainingsplan sehr sehr ernst.

Ein anderes Problem, mit dem ich immer wieder zu kämpfen hatte, war der monatliche weibliche Zyklus. Egal, was darüber und die Vereinbarkeit mit sportlichen Aktivitäten geschrieben wird- man fühlt sich einfach Scheisse und undicht. Aber auch damit wollte ich mich nicht abfinden und rannte irgendwann im September gerade am schlimmsten Tag 9 km auf Schnelligkeit. Es wurden meine schnellsten 9 km bisher mit einer Pace von 5:18 min. Ich hatte Japan besiegt!!! Trotzdem war mir natürlich klar, dass ein langer Lauf mit diesem Problem sehr schwierig werden würde und ich hoffte seitdem inständig, dass ich davon am 8. und 9. Juni 2018 verschont bleiben würde.

Formtests und Splitruns

Anfang Dezember waren wir mit 50 Wochenkilometern theoretisch fit für eine erste Ultraerfahrung und tatsächlich konnte ich dann am 9. Dezember 2017 den 52km-Lauf von Jegensdorf nach Biel finishen (halbe Originalstrecke des 100km von Biel). Ich war kurz nach dem Lauf so erschöpft wie noch nie jemals zuvor, wahrscheinlich auch durch die starke Dehydrierung (es gab ja keine Verpflegungsposten und ich hatte nur 600ml Wasser dabei gehabt) aber auch sehr glücklich, dass ich die Ultra-Schallmauer durchbrochen hatte, ohne jemals zuvor einen Marathon gelaufen zu sein (im Training war ich bisher maximal 30km gelaufen).

Dieser Lauf hat im Kopf etwas wichtiges bei mir ausgelöst- plötzlich kamen mir 15 oder 20km nicht mehr weit vor. Und ich wusste nun, wie es ist, mental in der Krise zu sein. Ab km 45 kam mir jeder Kilometer endlos vor, ich schaute ständig aufs Handy, es war eine einzige Quälerei. Zum Glück war Niklaus an meiner Seite (Valentin hatte leider nach 37 km wegen schlimmer Rückenschmerzen abgebrochen). Ich lernte bei diesem Lauf auch, wie wichtig der Laufpartner ist. Niklaus hat mich durch seinen konstanzen Laufstil mitgezogen. Allein hätt ich mich auch irgendwie durchgebissen aber es wäre viel schlimmer gewesen. Gewappnet durch diese Erfahrung trat ich dann am 27. Januar 2018 an, um beim Ultra-Formtest Nr. 2 den Pfäffikersee sechsfach zu umrunden. Wieder war Niklaus mit dabei (was mich sehr freute), er verliess die Gruppe aber irgendwann, weil er einfach schneller war. Jedenfalls waren da zum Schluss nurnoch der Stefan, ein sehr erfahrener Ultraläufer und ich (das Ultraküken) unterwegs. Wieder war es einfach nur toll, in der Krise nicht allein zu sein. Wir unterhielten uns und die Kilometer verflogen einfach so. Dann machte ich eine ganz neue Erfahrung: nach einem schlimmen Tief gehts irgendwann wieder aufwärts. Mir gings nach 50 km so gut, dass ich Lust hatte zu singen und Witze zu erzählen. Genauso nach 58 km. Am liebsten hätt ich nochmal richtig Gas gegeben aber Stefan hat mich gebremst. Nur nicht übermütig werden. Jedenfalls kroch ich nicht auf allen Vieren ins Ziel sondern rannte im Ziel fröhlich nochmal um Valentins Auto. Ich war voll im Hoch.
Dann kam so von Ende Februar bis April die Phase der Splitruns. Valentin hatte recherchiert, dass es für den Trainingseffekt nicht sinnvoll ist, Longjoggs länger als Marathondistanz zu absolvieren. Effektiver wären sogenannte „Doppeldecker“ oder „Splitruns“ also 2 längere Läufe am gleichen Tag.

Diese neue Erkenntnis setzte ich die folgenden Wochen um und absolvierte Ende Februar 1x einen 55km Splitrun (30km +25km) und im März/ April 4x einen 60km Splitrun (35km + 25km). Ich war nach dem ersten Longjogg jeweils sehr ausgepowert und es kostete viel Überwindung, am Abend nochmal loszulaufen. Aber ich hab es geschafft und bin dadurch mental stärker geworden. Ich kann diese Art des Trainings als Vorbereitung für einen Ultra wirklich nur empfehlen.

So abgehärtet, rannte ich mit Valentin fast relaxt in Hamburg meinen ersten Marathon und wenige Tage später fiel mir der U.B.S. (Ultrabielersee) beinahe leicht. Es gab zwar ein Tief (während der zweiten Streckenhälfte in der Hitze auf Asphaltstrassen) aber zum Schluss war ich wieder in einem ausgeprägten Hoch und im Ziel spürte ich kaum Erschöpfung. Wahnsinn, wie ich mich schon entwickelt hatte! Es waren noch 4 Wochen bis zum 100km von Biel und ich wusste plötzlich einfach: ich war konditionell bereit.

Die letzten Wochen vor Biel

So liess ich wegen der Dichte der Laufsportveranstaltungen im April/ Mai (Wings for life, Hamburg-Marathon, Sihltaler Frühlingslauf, U.B.S., Helsinki-Marathon) die Splitruns mit gutem Gewissen weg und war was den Trainingsplan anging, sehr gelassen. Ich spürte einfach, es war gut. Jetzt nicht zuviel zu machen und dann am 08.06. in Biel mit voller Kraft da zu sein, schien mir ein guter Plan.

Dann war es soweit. Nurnoch 1 Woche. Relaxtes Laufen und Tapering war angesagt, nur keine Überbelastung. So lief ich am Montag in moderatem Tempo meine ganz normale 9km-Aarerunde und nahm mir für Mittwoch ein letztes Training vor: 16 flache Kilometer an der Aare, Start abends 22 Uhr also sozusagen Originalbedingungen.

Schon beim Loslaufen donnerte es, aber ich blieb immerhin 1h trocken. Nach 10km Lauf schüttete es dann plötzlich wie aus Eimern so richtig mit Druck und das für die nächsten 40min begleitet von einem heftigen Gewitter. Ich hab richtig gelitten, es irgendwie nach Hause geschafft und war verzweifelt bei dem Gedanken, dass uns genau so etwas am Freitag auf den ersten Kilometern passieren könnte und wir dann sehr lange nass und kalt durch die Nacht rennen würden.

Dieses Problem war aber uninteressant, als ich 3 Uhr Nachts nach diesem Lauf, weniger als 48h vorm Start in Biel, plötzlich Schmerzen in der linken Ferse spürte. Irgendwas war nicht gut, so ein Mist. Ich wollte diesen doofen Schmerz weghaben und mir fiel leider nix Gescheiteres ein als Gegenschmerz mit der Blackroll-Mini (hätten sie mir beim Sihltaler Frühlingslauf doch was anderes geschenkt…) zu erzeugen. Dadurch reizte ich es aber erst richtig an. Fazit: Am Donnerstagmorgen konnte ich nurnoch humpeln und war nervlich ziemlich am Ende. Valentin hat mich dann beruhigt und gemeint, es wär sicher eine Überlastung und würde schnell vergehen. Ich hab die Ferse dann einfach in Ruhe gelassen und immer mal mit wärmendem Gel eingerieben (das war sehr angenehm). Mit der Erkenntnis, dass ich ja auf dem Vorderfuss laufe und den Schmerzpunkt beim Joggen gar nicht berühre, gings mir dann etwas besser. Ich war seit der ersten Trainingswoche Anfang September 2017 insgesamt knapp über 2000 km gelaufen und fühlte mich konditionell absolut fit für Biel. Das Schicksal meinte es saugut und ich hatte NICHT meine Tage. Ferse hin oder her, das konnte mich jetzt nicht mehr bremsen!

Der grosse Tag

Die Nerven lagen blank

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am Wettkampftag richtig auszuschlafen, länger als 7:30 Uhr ging aber wirklich nicht! Ich war zu aufgeregt. Hatte ich auch nichts vergessen? Immer wieder fiel mir irgendetwas ein, was ich noch einpacken könnte. Ich schaute mir Tape-Anleitungen an (wer weiss…), verpackte die Wechselsachen wasserdicht, dachte an Verbandszeug. Irgendwann setzte ich mich dann nach Monaten wieder ans Klavier zur Nervenberuhigung. Eigentlich wollte ich erst so 18:30 Uhr in Biel sein. Als Valentin schrieb, er würde 16:45 Uhr ankommen, hielt mich aber nichts mehr zu Hause. Zusammen brachten wir die Stunden bis zum Start dann kurzweilig um. Es gab noch lecker Essen und dann haben wir einfach halb dösend in der Halle abgehangen bis kurz vorm Start. Niklaus stiess dort noch zu uns und das Laufteam war komplett. Jetzt gings los!

Nach 1km Seitenstechen

Den Start werd ich wohl nie vergessen. Sie spielten das perfekte Lied (Tote Hosen „An Tagen wie diesem“), hunderte Bieler waren auf den Beinen und schickten uns in die Nacht hinaus, es war trocken und angenehm warm. Aber während ich im dichten Pulk sehr auf die Mitläufer schauen und das Tempo anpassen musste, waren sie plötzlich da: starke Schmerzen in der linken Seite. Der ganze Bauchbereich verkrampft. Es tat schon nach 1km Lauf so weh, dass ich nicht mehr sprechen und nurnoch an diesen Schmerz denken konnte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Einfach tief atmen, nicht verzweifeln. Es wurde besser. Nach ca. 3 km gings mir wieder gut.

Sternenhimmel und Radio Blitz

Ab dann hatten wir es die nächsten 2 Stunden sehr lustig. Der Lauf strengte noch nicht an und wir waren guter Dinge. In Aarberg wurden wir sensationell begrüsst, ein richtiges Volksfest war dort im Gange. Gerade als es nach der Stadt dann richtig ruhig wurde, nahm Valentin dann seine mitgebrachte Bluetooth-Box in Betrieb und wir hörten Radio Blitz (das offizielle Radio des 100km). Das lenkte genial ab und die Kilometer vergingen wie im Fluge. Wir dachten nur von einem Verpflegungsstand zum nächsten. Auch hier wieder ein ganz grosses Dankeschön an Valentin: er hatte Abreisszettel vorbereitet, auf denen jeweils die Entfernung zum nächsten Verpflegungsposten stand, sowie wieviel Kilometer wir bei diesem dann schon geschafft hatten. Das teilte für jeden von uns die Strecke in überschaubare Abschnitte. Gegen 3:30 Uhr morgens hatten wir dann die halbe Strecke geschafft. Es war bis dahin eine wunderschöne sternenklare Nacht gewesen mit Grillenkonzert, zwischenzeitlich etwas angenehmen Nieselregen und Heuduft. Ich fühlte mich kein bischen müde. Die schweren Beine waren da aber es ging mir gut und nach einer Krise ca. bei km 35-40 hatte ich jetzt keinen Tunnelblick mehr und fieberte dem Sonnenaufgang entgegen. Wir erreichten kurz vor der Morgendämmerung Kirchberg (56km). Meine Sachen waren durchgeschwitzt und ich war froh, dass ich Wechselsachen dorthin hatte transportieren lassen. Unendlich schwer fiel mir dann das Umziehen, vor allem das Ausziehen der langen Laufhose. Ich war doch ziemlich erschöpft, alles tat weh. So fiel die Pause in Kirchberg leider für alle durch mich ungewollt lang aus. Frisch angekleidet fühlte ich mich aber gleich wieder fitter. Mein T-Shirt vom Helsinki-Marathon sollte mir im schweren zweiten Teil Kraft geben.
Kurze Zeit später verabschiedete sich Niklaus dann leider von Valentin und mir. Er hatte Probleme mit der Atmung und wollte lieber marschieren. Wir setzten den Run dann in langsamem und gleichmässigem Tempo ohne ihn fort und hoffen darauf, dass er wieder aufschliessen würde. Niklaus hat den Lauf dann allein zu Ende gebracht, die letzten 30km nurnoch marschierend in der prallen Mittagssonne. Er hat für diese Leistung meinen grössten Respekt.

Aber zurück zu Valentin und mir und Kilometertafel 65: Es wurde langsam hell und wir verfolgten mit Radio Blitz den Zieleinlauf der Schnellsten. 7h 43min, der erste war im Ziel und beim Interview kurz nach dem Finish nichtmal ausser Atem. Unvorstellbar diese Kondition. Uns gings jedenfalls noch gut, wir waren mittlerweile auf dem HCM-Pfad unterwegs und guter Dinge, das Ziel zu erreichen. Dass alles weh tat, damit kamen wir klar, das Übliche bei langen Strecken.

Team Love-Parade kämpft sich vorwärts

Radio Blitz stellte ca. 6:30 Uhr früh dann die Liveübertragung ein und ab dann hörten wir Goa-Trance von Valentins abonniertem 24h-Elektromusik-Radio. Es war der perfekte Sound für den Lauf-Flow, man fällt selbst wie in Trance und das Laufen ging von alleine. Bei mir jedenfalls. Valentin bekam ab km 70 leider schlimme Knieschmerzen, die für den Rest des Laufes nicht mehr weggingen und musste von da an oft marschieren. Bei mir stellten sich Schmerzen im Hüftgelenk ein, durch die mir gerade das Marschieren wehtat. Etwa bei km 85 war es bei uns beiden so schlimm, dass ich unbedingt joggen musste und er unbedingt marschieren und weil wir aber auch unbedingt zusammen ins Ziel kommen wollten (nein ich hätte Valentin niemals in dem Zustand zurückgelassen!) sah es dann so aus, dass er straff marschierte und ich extrem langsam nebenher jöggelte. Und wir hatten trotzdem immernoch Spass und machten Quatsch. Auch bei km 95 noch. Im Kopf hatte keiner von uns eine Krise. Ab km 98 waren dann meine Hüftschmerzen wie durch ein Wunder verschwunden und ich konnte neben Valentin marschieren. Mittlerweile war es warm geworden. Die kaum zu unterdrückende Freude darüber, dass das Ziel eines steinigen Weges, der für uns beide im September 2017 begonnen hatte, so nahe war, gab uns die letzten endlosen Kilometer Kraft. Und so konnten wir uns am Ende sogar noch für einen sportlichen Einlauf im Zielgelände motivieren. Was für eine Freude, als dort plötzlich meine Tochter Jessica mit dem Handy filmend neben uns herlief! Ich hatte die Rückfahrt eigentlich mit dem Zug geplant und nicht damit gerechnet, dass meine Familie kommen würde, um uns im Ziel zu empfangen. Pure Freude! Wir waren da. Wir waren angekommen. Als offizielle Finisher des 100km von Biel 2018 bekamen wir unsere Medaillen umgehängt. Ich war überglücklich und stolz, dass wir das zusammen geschafft hatten.

Unendlich müde

Was war ich froh über den Transportservice nach Hause. Plötzlich fiel alles von mir ab und ich war nurnoch unendlich erschöpft und müde. Das Treppensteigen, die Dusche nach dem Lauf- alles ging nur ganz langsam und kostete mich alle Kraft. Auf der Rückbank vom Auto konnt ich mich dann einfach hinlegen und dösen. Es war geschafft, die Mission erfüllt. Zu Hause angekommen, fiel ich 2 Stunden in tiefen Schlaf.

Den Rest des Wochenendes gönnte ich Körper und Geist viel Ruhe. Eine Bestandsaufnahme ergab: Die einzigen Schäden, die ich davongetragen hatte, war eine Blase an der rechten Ferse, ein schmerzender Streifen unterhalb der Brust durch die Reibung des Unterleibchens und ein schlimm ins Nagelbett gedrückter abgestorbener Zehennagel (ich musste ihn einen Tag nach dem Lauf ziehen).

Heute, 2 Tage nach Biel, ist der Zeh verbunden aber sonst alles wieder ok und ich schmiede Zukunftspläne. Einer davon ist ziemlich sicher Biel 2019.

 

42.195 km in Finnland

Schon im Herbst 2017 hatte ich mich, zuversichtlich, dass das Training für den 100 km von Biel mich bis dahin dafür fit machen würde und voller Tatendrang, ein neues Land zu entdecken, für den Helsinki-City-Marathon am 19.05.2018 angemeldet.

Die Reise nach Finnland trat ich dann 1 Tag vorm Start zusammen mit meinem Mann Ralf an (Flug mit Finnair) und sie sollte insgesamt 5 Tage dauern. Ich hatte ein günstiges und gut ausgestattetes Appartement (Citykoti, ca. 1 km vom Hauptbahnhof entfernt) gemietet mit Wlan, einem kleinen Herd und sogar einer Waschmaschine.
Durch die Strapazen der Anreise (unser Flieger startete erst mit 50min Verspätung und der Flug dauerte normal ja auch schon 2h 40min) hatte ich einen Tag vorm Lauf dann bis abends eigentlich viel zu wenig gegessen (Etwas Müsli zum Frühstück, dann über den ganzen Tag nur Kekse…)- beim Abendessen wollte ich wenigstens alles richtig machen und Pasta zu mir nehmen. Dass es so schwierig werden würde, in der Hauptstadt der Finnen einen (bezahlbaren) Italiener zu finden, der mindestens ein Nudelgericht im Angebot hat, hätt ich nicht gedacht… Fast 2 Stunden irrten wir hungrig in Helsinki umher, es gab jede Menge Bars, Sushi und Grills. Fündig wurden wir dann letztendlich dort, wo wir losgelaufen waren- direkt gegenüber des Hauptbahnhofes. Bei „Leonardo“ gabs dann richtig lecker Essen- für mich Tagiatelle mit Gulasch-Sosse und Ralf war mit seiner Pizza ebenso zufrieden.

Auch am nächsten Morgen ass ich ca. 10 Uhr dann nochmal ordentlich (1.5 Brötchen und einen Bagel). Um den Körper beim Lauf nicht unnötig zu belasten, gabs die nächsten Stunden bis zum Startschuss 15 Uhr dann aber nur noch Bananen.

Schon 12 Uhr stand ich jedenfalls voller Tatendrang und fertig angelegt auf dem Startgelände, wo gerade der City Run startete (ich glaube über eine Distanz von 15km, aber die Website vom Helsinki Runners Day ist derart kompliziert zu bedienen und unübersichtlich, dass ich das nicht herausbekommen konnte, ein Ablaufplan war dort für mich nicht zu finden).

Erster Eindruck: WOW, Klos haben sie genug 😀. Eine Reihe von etwa 50 mobilen Toiletten versprach, dass das von anderen Laufveranstaltungen gut bekannte Schlangestehen kurz vorm Start hier ausbleiben würde. Lauter fröhliche Menschen tummelten sich im Startbereich vorm Olympiastadion, das ja in den 50er Jahren erbaut wurde und derzeit aufwändig restauriert wird. Die Infrastruktur des Running Days befand sich in den Nachbargebäuden. Im Voraus hatte ich über die wie gesagt völlig verwirrende Webseite die wichtigen Infos nicht herausbekommen können (wo gibt es Startnummern, Garderoben, Duschen…), aber ich hatte ja jetzt vor Ort genug Zeit und fragte mich durch. Die Startnummern gab es in einer Turnhalle gleich neben dem Startbereich. Ich bekam auch ein schickes T-Shirt (ich wählte das rote für Herren weil rosa ging irgendwie gar nicht) und einen roten Plastiksack dazu und eine Nachfrage am Infostand ergab, dass man sich in der Turnhalle zwar umziehen, die Sachen dann aber im Plastiksack und ganz woanders deponieren konnte. 400m in die Richtung, die der Herr uns gezeigt hatte. Whatever, ich hatte meine Startnummer und das würden wir auch noch finden, wir liefen los. Der Weg führte an der Hauptstrasse entlang und uns kamen lauter glückliche, medaillientragende Läufer entgegen. Ah klar-wir näherten uns ja auch gerade dem Zielbereich in der Fussballarena und der Helsinki City Run wurde gerade gefinisht. Dort konnte man jubeln und sich mit den Läufern freuen aber keine Taschen deponieren- also fragte ich mich weiter durch und wir wurden in einen mit Kunstrasen ausgelegten Bereich gleich hinter der Arena geschickt und ich sah sofort den eingezäunten Bereich der Taschenaufbewahrung. Rote Taschen gab es allerdings noch fast keine (nur knallgelbe vom City-Run) aber es waren ja auch noch 2h bis zum Start.

Beim Taschen-Abgeben stellte sich dann noch die letzte brennende Frage: Wo kann man nach dem Lauf duschen? Die netten finnischen Damen zeigten dann auf den steinigen Hügel hinter der Taschenaufbewahrung: da drüber laufen und solange geradeaus, bis eine Schwimmhalle kommt, da kann man duschen… Oje nach 42 km noch über einen Hügel klettern um zu duschen klang nicht nett und als ich es mir vorab anschauen ging, fand ich zwar die Schwimmhalle, aber sie war geschlossen und kein Mensch war weit und breit zu sehen (obwohl doch gerade so viele ins Ziel gerannt waren und man doch denken sollte, die würden jetzt duschen gehen…). Naja egal, ich beschloss, zu beobachten, wo meine Mitläufer nach dem Marathon hingehen würden und auf die Weise die Dusche zu finden. Das war kein schlechter Plan, fand ich.

nur noch 1h bis zum Start

Nach noch etwas Relaxen im Finisherbereich (dort wo ich meine Sachen deponiert hatte), gings dann zum Start. Auf der Tribüne waren 2 Speaker schon mächtig am Stimmung machen. Die Sonne knallte (wolkenlos und 19 Grad) und nirgenswo gab es Wasser, um meine Stoffschlauch-Kopfbedeckung anzufeuchten. Ich beschloss, das dann gleich beim ersten Getränkeposten nach 3 km zu tun. Die Versorgung mit Getränken unterwegs war laut Streckenplan einzigartig- ca. aller 3 km ein Verpflegungsposten. Ich packte also 4 Sportlergele und eine Dose mit Datteln (aber keine Wasserflasche) in meinen Hüftgurt.

Gleich gehts los!

Dann ging es pünktlich 15 Uhr los, ca. 2 min langsam eine abgesperrte Strasse hinunter (es starteten immerhin 2500 Teilnehmer), dann schon bald immernoch dicht aber in annehmbaren Tempo. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, den Lauf mit einer Pace von 5:50min anzugehen. Aber jetzt, wo so niemand da war, mich daran zu erinnern, hatte ich plötzlich Bock zu schauen, was geht. Also lief ich einfach so schnell wie der Pulk, in dem ich mich befand und überholte ab und an und scherte mich nicht um die Pace. Dann kam auf der rechten Seite der erste Verpflegungsposten (es gab wie an allen anderen noch folgenden Posten Iso und Wasser) und ich war gerade ganz links und musste mich erstmal rüberkämpfen. Da war sie, die ersehnte Erfrischung, ich lief ab sofort mit nasser Kopfbedeckung und kühlem Kopf weiter. Das gab mir geschwindigkeitsmässig ziemlich Aufwind. Die Strecke war zum Glück oft schattig, es ging kurvenreich und mit einigen kleineren Steigungen durch Parks und über die Inseln rund um den Seurasaarenselkä-Fjord und während ich die schöne Aussicht wahrnahm und gleichmässig flott vorankam (ich hatte eine Zweiergruppe gefunden, bei der ich mich bis km 10 “ einklinkte“, kamen doch immer wieder Gedanken wie: Mist, diesen Hügel musst Du bei km 33 dann nochmal hoch…

Um den Seurasaarenselkä bin ich 2x herumgerannt

Der Helsinki-City-Marathon ist eben so aufgebaut, dass man nach einer um eine 6 km-Schlaufe am Hafen verlängerten ersten Runde die ersten 18km nochmal absolvieren muss (2. Runde).

Nach dem 10km Verpflegungsposten (die Pause dauerte etwas länger, da ich aufs WC musste), preschte ich nach vorn, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, was wegen der vielen Läufer recht schwer fiel. Als ich ca. bei km 12 wieder die 4:00 h Pacemaker erreichte, fiel mir etwas auf: dutzende Läufer liefen hinter ihnen her, vor ihnen gabs viel Freiraum. Also bremste ich nicht sondern rannte an ihnen vorbei. Freiheit!!! Es ging flach über Asphaltstrassen und ich war voll im Schwung und genoss es einfach.

im Lauf-Flow

Darüber, dass ich noch fast 30 km vor mir hatte, dachte ich schlicht nicht nach. Ich wollte wissen, was ich wirklich kann.

Selfie bei km 16

Dann bemerkte ich ca. bei km 16 vor mir 2 Franzosen (gross „France“ auf den orangenen T-Shirts und die nationalfarben auf die Wade gemalt), die sehr konstant in meinem Tempo liefen. Da lief ich dann einfach mit (Pace von ca. 5:30min). Das funktionierte wunderbar und ich rannte neben den Jungs bis km 22, also die ganze Strecke am Hafen und die westliche Schlaufe der ersten Runde. Die Atmung war ruhig und ich fühlte mich gut. Bei km 18 hatte ich mein erstes Gel zu mir genommen. An jedem Getränkeposten machte ich meine Kopfbedeckung nass und trank 1-2 Iso und dann gings sofort weiter.

Bei km 22 versuchte ich es wieder im Alleingang und war die nächsten 6-7 km etwa mit einer Pace von 5:25min unterwegs (plus die Verweilzeiten an den Getränkeposten). Das ging auf die Substanz und so schob ich bei km 24 das zweite Gel und noch 3 Datteln nach.

Dann ab km 28 merkte ich deutlich ein Tief. Tunnelblick, die Unfähigkeit den Kopf zu bewegen und sich nach rechts und links umzuschauen, jeder Gedanke strengte an, ich war nur noch fähig zu denken: noch 14km, noch 13km, noch 12… Die Restkilometer waren mein Mantra. Dieser Zustand wurde leider die verbleibende Strecke nicht besser. Ich war die letzten 3 Stunden ans Limit gegangen und bekam jetzt die Quittung von meinem Körper zurück. Unglaublich nett und hilfreich, dass bei km 30 kurz vorm Getränkeposten junge Frauen als Promotionsaktion Sportlergele verteilten! Es folgten langsamere Kilometer, während denen ich mit Übelkeit und Schwäche kämpfte. Jetzt einfach durchhalten, das Ende war ja absehbar. So hätte ich mich weiter dahingeschleppt, wenn… ja wenn ich nicht bei km 37 die 4:00h-Pacemaker direkt hinter mir bemerkt hätte. Das löste etwas in mir aus. Die wollte ich auf keinen Fall davonziehen lassen!

Also hab ich die Zähne zusammengebissen und bin an ihnen drangeblieben. Sie hatten soviel Energie, waren am Winken und gut gelaunt und sehr konstant unterwegs. Trotz Übelkeit liess ich mich mitziehen. Die nächsten 5 km war ich nicht nur 1x kurz davor, sie ziehenzulassen. Mir gings saudreckig. Aber das Ziel war so nah und wenn ich jetzt einfach mitlief, würde ich eine Zeit von 4 h schaffen. Also hab ich die Zähne zusammengebissen und gekämpft und blieb an den schnellen Pacemakern dran (die hatten scheinbar aufzuholen und waren km 37-40 eher mit einer Pace von unter 5:20min unterwegs). Die letzten 2 km liefen sie zum Glück etwas ruhiger (Pace 5:40min). Aber ich war auch am Anschlag. Schneller hätt ich nicht gekonnt. Ab km 40 war mir speiübel…

Jedenfalls hab ichs geschafft, zeitgleich mit den 4:00h Pacemakern im Stadion einzulaufen.

kurz vorm Ziel

 

Geschafft!

Offizielle Netto-Zeit 3:59,16 h! Nie hätt ich gedacht, dass ich noch dieses Jahr einen Marathon in unter 4h finishen würde. Ich hab mich mit dieser Leistung und einer durchschnittlichen Pace von 5:40 min über 42.195 km ehrlich selbst überrascht. Überglücklich und unbeschreiblich erschöpft stolperte ich durch den Finisherbereich und nahm alles nur noch wie in Trance wahr. Ich bekam eine sehr schöne Medaille, wurde fotografiert, 2 junge Frauen besprühten meine Beine mit Ice-Spray, es gab Stände mit Kaffee, Iso und sauren Gurken und ich wollte einfach nur trinken.

Finisher-Medaille

Beim Verlassen dieses Bereichs ging es dann durch das „Finisher-Bag-Spalier“. Mir wurde eine hellblaue Papiertasche in die Hand gedrückt, die auf den folgenden 20 Metern mit allerhand tollen Sachen gefüllt wurde: Wasserflaschen, Quarkspeise, alkoholfreies Bier, Recovery-Protein-Drinks, Rosinen, Müsliriegel, finnisches Speiseeis (das hab ich aber leider erst 1h später bemerkt, dass das Eis war…), Wasabi-Cracker…

Ich wollte mich mit Ralf 19:30 Uhr am Eingang zur Fussballarena treffen und dumnerweise war ich jetzt viel zu früh da und es war schattig am Treffpunkt. Ich war klitschnass geschwitzt und fing schnell an vor Kälte zu schlottern. Irgendwie kam mir dann noch der rettende Gedanke, lieber 20m entfernt in der Sonne zu warten aber da wars schon zu spät. Ich hörte nicht mehr auf zu zittern. Als Ralf dann 19:30 Uhr kam, hat mich seine Jacke plus trockene Wechselsachen aus meinem Rucksack, die ich einfach mitten im Getümmel ohne Garderobe (um zu der zu kommen, hätt ich ja wieder 400m laufen müssen…) über mein nasses Oberteil zog, vorm Tod durch Erfrieren gerettet. Nach Duschen war mir nicht mehr (aber ich hätt es auch nicht mehr über den Hügel geschafft) und auch die Gratis-Beinmassage im Finisherbereich hab ich wegen Frieren und Schwäche ausfallen lassen. Wir sind dann auf schnellstem Wege zur Ferienwohnung zurückgefahren und nach der heissen Dusche und 2 Proteindrinks gings mir schon wieder vieeel besser.

Heute, 24 h nach dem Lauf, lässt der Muskelkater langsam nach. Es war doch sehr anstrengend aber ich bin einfach nur glücklich, dass ich das geschafft habe. Der Helsinki-City-Marathon wird mir ganz sicher in guter Erinnerung bleiben.

 

 

12.05.2018 Ultrabielersee – der erste „offizielle“ Ultra

Nur noch 4 Wochen bis zum 100 km von Biel- der richtige Zeitpunkt für einen letzten Formtest. So traten die Crazy Runners geschlossen beim Ultrabielersee an, dieses Jahr erstmal „nur“ beim 50km-Lauf und nicht beim 160km-Ultrabielersee XXL (schliesslich sind wir ja noch „Ultra-Küken“).

Ultrabielersee 12.05.2018

Gegen 8 Uhr traf ich mit dem Zug in Biel ein. Zeitgleich stieg ein sportlich angelegtes junges Paar aus, wir hatten das gleiche Ziel und kamen ins Gespräch. Auch für die beiden die erste Teilnahme heute hier, die 100km wollten sie in 4 Wochen ebenfalls versuchen. Wir haben uns rege unterhalten, schön dass ich S. Und T. jetzt kenne und wieder ein bischen mehr das Gefühl habe, dass ich beim 100km-Lauf nicht allein sein werde.

Bis 9 Uhr hatten sich die etwas über 100 Teilnehmer dann an der Startlinie beim Strandbad eingefunden. Am Himmel keine Wolke, es versprach heiss zu werden. Die ganze Atmosphere war familiär, Startnummern ohne Chip, gleich zur Begrüssung ein tolles Finisher-Geschenk (eine Powerbank), bekannte Gesichter und ein allgemeines sich Begrüssen, alle fieberten dem Start entgegen. Als es dann losging, kamen Valentin und ich schnell in den für uns über weitere Strecken angenehmen Laufflow knapp unter Pace 6.00. Eigentlich wollten wir die 6:00 nicht unterschreiten, aber es ging ja so gut. Bald gesellte sich der Niklaus dazu und wir rannten in der Dreiergruppe weiter. Gut war wieder, dass ich die Pace mit meiner Polar-Uhr im Blick hatte. Gut war auch, dass ich als Kopfbedeckung einen Stoffschlauch trug, der nass wunderbar kühlte. Denn der Himmel war wolkenlos und es wurde immer wärmer. Zum Glück gings auf der linken Seeseite die ersten 20km auf abwechslungsreichen beschatteten Naturwegen entlang. Alle 5 km ein Verpflegungsposten, es gab Cola, Iso, Wasser, Riegel, Obst sogar Sportlergele. Mit soviel Luxus hatte ich nicht gerechnet! Trotzdem trug ich die 600ml Wasser an meinem Hüftgurt weiter mit mir herum, nichts schlimmer als ohne Wasser durstig in der Sonne rennen, das sollte heute nicht passieren.

Datteln hatte ich auch dabei und eigene Sportlergele. Hab ich alles nicht gebraucht!

 

Wir hielten das eigentlich zu hohe Tempo (Pace knapp unter 6:00), jedenfalls gut durch bis Km 35. Die Verpflegungsposten taten unglaublich gut, das „Wieder Loslaufen“ wurde aber ab km 25 erwartungsgemäss immer anstrengender.

Die rechte Seeseite (fast nur Asphaltwege) durchquerten wir dann in der vollen Mittagshitze. Öfters kleine kraftzehrende Steigungen, die Kilometer schienen mir ab km 38 immer länger zu werden. Ständig schaute ich auf meine Sportleruhr. Tunnelblick, das Laufen kostete alle Kraft, keiner sagte mehr ein Wort. Ein Tief was an den Verpflegungsposten (km 40 und 45) immer etwas besser wurde aber anhielt bis km 47. Dann lief ich einfach, es ging wieder wie von alleine und strengte fast nicht an. Wir hatten es fast geschafft! Ein Gefühl der Euphorie.

Dann 2 km vorm Ziel stürzte Niklaus auf dem Asphalt. Schmerzhafte Schürfwunde. Aber nach kurzer Pause war er fitter als vorher und holte uns schnell wieder ein. Da war ich schon voll im Hoch. Wir waren gleich da, das Ziel schon zu sehen. Ich konnte wieder erzählen, es lief wie am Schnürchen! Was ich mir bei km 40 nicht vorstellen konnte, war plötzlich kein Ding mehr. Ich hätt nach absolvierten 50 km gut weiterrennen können!

Zu dritt rannten wir dann nach ca.5h 30min über die Ziellinie. Ich war viel weniger erschöpft als nach dem 52km-Lauf im Dezember von Jegenstorf nach Biel, was wohl vor allem an der guten Verpflegung lag.

Für Valentin  und mich war das der erste offizielle Ultra. Wir dürfen uns jetzt rechtmässig Ultraläufer nennen 🙃

 

1. Mai 2018: Sihltaler Frühlingslauf


Der Hamburg-Marathon lag gerade 2 Tage zurück, als ich nach einer 15h-Fahrt mit Flixbus bis Zürich heute Morgen 8:40 Uhr am Bahnhof Langnau-Gattikon ankam, um am Sihltaler Frühlingslauf teilzunehmen. Die Nacht im Bus war grausam anstrengend gewesen, aber es ging mir kurz vorm Lauf doch wieder erstaunlich gut. Nach dem Startschuss konnte ich dann auch erstmal Gas geben, merkte aber schon nach 2 Kilometern, dass ich das nicht eine Stunde durchhalten konnte und schraubte das Tempo etwas zurück und lief so schnell, wie es meine geschwächten Kräfte zuliessen (dass ich stark meine Tage hatte, machte es nicht einfacher).

So gings dann auch trotz Müdigkeit recht gemächlich aber konstant die Steigung ab km 4.5 hinauf. Danach versuchte ich immer wieder zu beschleunigen, hielt es aber auch immer wieder nicht lange durch.

Ich hatte ständig das Gefühl, dass da mehr geht- nur eben nicht heute…

Anbetracht dessen kann ich mit der Zeit von 53.32,9 min und der Durchschnittspace von 5:21min voll und ganz zufrieden sein.

Richtig toll fand ich, dass wir als Finisher nach dem Lauf noch eine gratis Portion Risotto bekamen.

 

 

29. April 2018: Hamburgmarathon

Den Entschluss, am Hamburgmarathon teilzunehmen, fällte ich gleich Anfang Jahr, nachdem Valentin und ich den Neujahrsmarathon Zürich nach 30km abgebrochen hatten. Ich wollte meinen allerersten Marathon unbedingt zusammen mit Valentin laufen und wusste, dass er sich in Hamburg angemeldet hatte. Jetzt galt es nur noch, die Kosten möglichst niedrig zu halten. Also buchte ich einen Platz im Mehrbettzimmer im günstigsten Hostel sowie Hin-und Rückfahrt (je 14h) mit Flixbus und war mit mir sehr zufrieden. Leider fiel mir erst kurz vorher auf, dass ich ganz vergessen hatte, mich für den Lauf anzumelden, das trieb die Kosten dann wieder in die Höhe (Nachmeldegebühren…) 😐
Die Hinfahrt in der Nacht zum Samstag war jedenfalls wie erwartet sehr strapaziös. Zum Glück konnte ich mich im Hostel nach dem Einchecken nachmittags etwas ausruhen. Im Hostel lernte ich dann auch Sigrid Eichner kennen, mit mehr als 2000 Marathonteilnahmen wohl die aktivste Läuferin weltweit. Sigrid übernachtete zufällig im gleichen Mehrbettzimmer und wir haben uns gut verstanden. Es war sehr interessant, mit ihr über den Laufsport zu schwätzen. Eine Bekanntschaft, die mich sehr beeindruckt hat!

Valentin und ich haben am Samstag dann noch in der Nähe des Hauptbahnhofes bei „Yummies“ (das Restaurant machte seinem Namen alle Ehre) richtig lecker zu Abend gegessen (ich hatte Nudeln und Salat) und sind dann noch vor 23 Uhr schlafen gegangen- ich war auch totmüde…

Gut ausgeschlafen hab ich dann am nächsten Morgen 6:30 Uhr im Hostel anständig gefrühstückt (1.5 Honigbrötchen) und war 8 Uhr fertig umgezogen, mit einer handvoll Datteln, ein paar Tampons (ja leider…), und einer Powerbank in der Bauchtasche auf dem Messegelände und freute mich auf den Lauf. Valentin stiess gegen 9 Uhr ebenso motiviert dazu und wir begaben uns zum Startgelände. Ja und dann gings 9:32 Uhr wirklich offiziel los. Erstmal passierte allerdings nichts. Eine gefühlte Ewigkeit nach dem Start (ca. 10min) setzte sich unser Block dann doch in Bewegung. Allein daran war zu spüren, welche riesigen Dimensionen dieser Marathon hatte. So viele Menschen und Valentin und ich mittendrin. Dann erfuhren wir jede Menge Motivation und Ablenkung durch jubelnde Zuschauer, Menschen mit lustigen T-Shirt-Aufschriften und diverse Musikgruppen. Die Kilometer flogen nur so dahin. Wir zwei liefen sehr konstant knapp unter Pace 6:00 Uhr (meine Läuferuhr erwies sich als sehr praktisch zum Registrieren der aktuellen Pace), waren oft am Überholen und machten an den Verpflegungsposten jeweils kurze Pausen. Es war bewölkt und trocken bei ca. 20 Grad, ideales Laufwetter. Sehr schön war, dass es sehr oft (ca. aller 2.5km) Verpflegungsposten mit Wasser gab. So kamen wir nicht in eine Dehydrierung und es tat auch sehr gut, sich etwas kaltes Wasser einfach nur über den Kopf zu giessen.

Die grösseren Verpflegungsposten aller 5km versorgten uns zusätzlich mit Bananenstückchen, Isodrink, Cola und Sportgels. Ich als Gelfan nutzte das Angebot begeistert. Durch diese Top-Organisation waren wir optimal versorgt und konnten unser konstantes Tempo (unter Pace 6:00) bis ca. Km 35 halten. Dann merkte ich, dass Valentin etwas litt (der Fuss schmerzte, er hatte erst vor 2 Wochen eine Sehnenscheidenentzündung gehabt) und wir liefen etwas gemächlicher, aber immernoch unter 6:30min/km. Nach 4h 20min und 39 Sekunden überquerten wir dann zeitgleich und immernoch mit guter Laune die Ziellinie.

Alles vom Bauchnabel abwärts tat weh aber hey- ich hatte meinen ersten Marathon absolviert und wenn es einfach wäre, könnts ja jeder 😉

Ich bin mit dem Lauf und der Zeit (die exakt meiner vorherigen Schätzung entsprach) jedenfalls sehr zufrieden. Dass jeder Finisher dann noch eine tolle Medaille bekam, war genial 😀

Beeindruckt haben mich dann auch die vielen Angebote im Zielbereich. Als Läufer wurde man nach vollbrachter Leistung anständig verwöhnt. Es gab Früchte (Melonen, Apfelstückchen, Weintrauben), Riegel und Salzgebäck. Für langes Anstehen auch alkoholfreies Bier und Brühe, aber stattdessen haben wir uns lieber eine Beinmassage gegönnt. In einem Massagebereich waren ca. 50 Liegen aufgestellt. Valentin kannte das Angebot schon von seiner Teilnahme 2015. Gleich 2 Masseure kneteten 5 min lang meine geplagten Beine durch. Das tat sooo gut!

Der Hamburg Marathon hat auf mich insgesamt betrachtet einen durchweg positiven Eindruck gemacht und das war mit Sicherheit nicht meine letzte Teilnahme 🙂

 

 

17. März 2018: Kerzerslauf

Der Kerzerslauf wird für mich wohl immer etwas ganz Besonderes bleiben, weil es vor genau einem Jahr meine allererste Laufsportveranstaltung war. Damals zusammen mit Valentin ganz gemütlich mit einer Durchschnittspace von 6:25 min absolviert (er war nach einer Sportverletzung noch in der Schonphase), sollte es dieses Jahr aber eindeutig flotter Richtung Ziel gehen. An die von Valentin angestrebten 5:20 min pro Kilometer konnte ich für mich aber nicht recht glauben. Zumindest wollte ich so lange wie möglich verhindern, dass er mir davonrennt- das war mein Ziel für diesen Lauf.
Es ging dann den ersten Kilometer recht gemächlich im Pulk los mit vielen kraftzehrenden Überholmanövern und nach 2 schnellen Kilometern (Pace ca. 5:05 min) war ich dann schon am Anschlag und merkte, dass ich dieses Tempo nicht halten konnte. Für mich war klar, ich würde Valentin nur bremsen- also trennten sich unsere Wege nach schon etwas über 3 km und er war bald ausser Sichtweite, während ich versuchte, mich bei viel geringerem Tempo (Pace 6:00 von ca. km 3.5 bis 5) wieder zu fangen. Das funktionierte! Nach der Waldhütte hatte ich das Gefühl, ab jetzt wird alles besser. Es ging bergab und ich gab wieder Gas. Und plötzlich war nach 5 km Lauf die Idee geboren, dass ich es vielleicht sogar schaffen könnte, die verlorene Zeit bis zum Ziel wieder aufzuholen. Ich hatte ja noch ca. 10 km vor mir.
Und als Valentin nach ca. 7 km wieder in Sichtweite kam, hab ich dann auch den nächsten Getränkeposten ignoriert und weiter Gas gegeben (Pace bei km 6, 7, 8 und 9 unter 5:10 min) und ihn kurz vor Golaten eingeholt (gemeinsames Foto bei km 9 😀).

Kerzerslauf 2018

Entsprechend fix und fertig kam ich an der grössten Steigung des Kerzerslaufs an. 20 m versuchte ich noch hochzujoggen, dann wurde mir speiübel und ich musste marschieren. Valentin, der lief wie eine Maschine und Golgathen konstant im Laufschritt absolvierte, war bald wieder ausser Sichtweite…
Aber ich hatte es einmal geschafft und war fest entschlossen, auf den letzten 5 Kilometern alles zu geben. Ziel: gemeinsam aufs Finishervideo. Schon nach km 11 konnte ich ihn wieder sehen (jetzt weiss ich, dass wir laut Datasport-Messung zu dem Zeitpunkt 40 sec entfernt waren). Ich bin jedenfalls total stolz darauf, dass ich diesen immensen Abstand während der letzten 4 km wieder ausgleichen konnte. Was für ein Endspurt (km 12: 4:57 min, km 13: 5:04 min, km 14: 4:46 min) mit einem letzten Kilometer zusammen mit Valentin, der wahrscheinlich der schnellste meines Lebens war (Runtastic hat 4:39 min gemessen obwohl ich es sicher erst 15 sec nach dem Zieldurchlauf gestoppt habe und auch keine Autopause aktiviert hatte).
Mit dem Endresultat dieses verrückten Laufs bin ich jetzt mehr als zufrieden: Durchschnittspace trotz 2 schwachen Kilometern (km 5 und 10) von 5:19 min, Zielzeit 1h 19 min 45 sec.
Fazit: Mir hat irgendwie die Kraft gefehlt für einen gleichmässig schnellen Lauf, was vielleicht auch an zu wenig Regeneration nach der letzten grossen Trainingsanstrengung lag (3 Tage zuvor hatte ich im Rahmen des Ausdauertrainings für Biel 60km an einem Tag absolviert). Aber ich hab mich beim 40. Kerzerslauf trotzdem hochgepusht zu Leistungen, die ich nicht für möglich gehalten hatte und war echt bis an die Grenze gegangen (mir ist vor Erschöpfung immer wieder übel geworden).
Mein Ziel für nächstes Jahr wäre, meinen Körper vorab an solche Leistungen zu gewöhnen. Dass ich es kann, weiss ich ja nun. Mit dem richtigen Geschwindigkeitstraining liegt denk ich auch ein Lauf mit unter 5:15 min/km drin ohne ständige Übelkeit.

3. März 2018: Winterthurer Laufsporttag

Da wir die letzten 2 Wochen einen Kälteeinbruch mit bis zu -10 Grad erlebt hatten, empfand ich die +1 Grad am Wettkampftag (ohne Wind und Regen) als grosses Glück. Aber schon bei der Ankunft merkte ich schnell, wie spiegelglatt es stellenweise war und nach dem Start 14 Uhr ging es oft problemlos vorwärts, vor allem auf den abfallenden Streckenabschnitten der ersten Hälfte war es aber matschig und rutschig. Ich konnte nicht richtig Gas geben.

Mit den Steigungen der ersten 5 km hatte ich dagegen keine Probleme. Sie waren so kurz und unaufregend, dass ich eine Durchschnittspace unter 6min halten konnte ohne mich zu verausgaben. Der Atem blieb bis zum Verpflegungsposten bei km 5 ruhig, ich hatte auf jeden Fall noch Reserven.

Mein Problem war aber, dass ich 20min vorm Start parat gewesen war, es im Startgelände aber kein mobiles WC gab und prompt mit dieser Erkenntnis stellte sich das Gefühl ein, ein solches in der nächsten halben Stunde dringend zu brauchen…

Ich wollte aber nicht mehr zur Umkleide zurück und riskieren, den Start zu verpassen. Also bin ich trotzdem losgerannt und hab nach halber Strecke beim Getränkeposten einen kleinen Abstecher hinter einen nahegelegenen Stapel Holz gemacht. Ich muss diesen lustigen Schwank aus meinem Leben hier leider erwähnen, da er sich halt auch direkt auf die Pace auswirkte (die war dann bei km 5 immernoch bei 6:11min). Ohne dieses Problem wär ich insgesamt aber ca. 40sec schneller gewesen. 😂

Naja ab da konnte ich jedenfalls erstmal unbeschwert Gas geben: Pace 5:01min auf km 6 und 5:19 auf km 7. Aber ich merkte deutlich, dass ich wegen dem Frost ca. 1 Wo gar nicht gerannt war und bekam Seitenstechen und fing an zu schwächeln und die leichte Steigung bei km 8 wurde dann zur Härteprobe. Mir wurde übel, ich konnt irgendwie nicht mehr und war drauf und dran zu marschieren, hab aber die Zähne zusammengebissen und es irgendwie durchgestanden. An der Stelle war ich echt froh über die kühlen Temperaturen. Beim Winti Halbmarathon hatte ich letztes Jahr an einer Steigung eine ähnliche Krise aber da war es heiss und mir gings dadurch viel schlechter…

Ab km 9 war ich dann im wahrsten Sinne des Wortes „überm Berg“. Es ging nurnoch bergab! Das war wahrscheinlich saugefährlich aber ich bin dann trotz Glätte bergab recht unerschrocken so schnell gesprintet, wie ich mir konditionell zutraute (km 9 Pace 4:38min, km 10 Pace 4:39min). Dann wurde die Strecke wieder eben und ich merkte, obwohl es nurnoch ein einziger Kilometer ist, hab ich nicht genug Kraft, das Tempo zu halten.  Also entschloss ich mich, erst die letzten 200m zu pushen und vorher zwar möglichst flott zu sein aber auf meinen Körper zu hören und kam damit immerhin noch auf 5:12 sec pro km.

Insgesamt bin ich mit dem Lauf sehr zufrieden. Die Durchschnittspace lag trotz Pipi-Pause und mangelnder Vorbereitung bei 5:21min (Laufzeit für die 11km insgesamt 58min 52sec). Besonders gefreut hab ich mich darüber, dass mir die Steigungen der ersten Hälfte keine Probleme gemacht haben. Das muss wohl an den vielen Höhenmetern vom Januar liegen 😀.

 

27. Januar 2018: 60km Formtest

Die Idee, den Pfäffikersee mehrmals zu umrunden, hatte Valentin schon Anfang Dezember. Damals als unkomplizierte Alternative zum Lauf Jegenstorf-Biel gedacht, wurde daraus dann die erste Veranstaltung des Rikemer Lauftreffs: „Valentin und Conny laufen am 27.01.2018 sechsmal um den Pfäffikersee. Wer kommt mit?“ Was dann passierte, hat uns beide sehr überrascht und gefreut, es meldeten sich die nächsten Wochen nicht nur mehr als 100 Interessierte, die Veranstaltung hatte bis kurz vorm Termin auch ganze 13 Zusagen. Wir konnten also recht sicher damit rechnen, bei unserem Formtest Gesellschaft zu haben.

Auf den Lauf hab ich mich dann eigentlich nur durch konsequentes Nixtun vorbereitet, es gab in der Woche eine 13km Laufeinheit mit Höhenmetern am Dienstag (7x um den Weinberg), danach hab ich es auf mich zukommen lassen und einfach am Freitagabend genug Nudeln gegessen. Ab Donnerstag und besonders in der Nacht vorm Lauf hab ich dann viel gehustet. Nein, ich war mir am Samstag früh gar nicht mehr sicher, die 6 Seeumrundungen zu schaffen.

Aber dann kam alles gut! Die Hustentropfen wirkten und der Husten schien gänzlich verschwunden zu sein. Das Wetter war ideal (8 Grad, trocken, kein Wind) und das Laufen in der Gruppe angenehm und kurzweilig. Die ersten 20 Kilometer vergingen wie im Fluge, dann begannen die (bekannten) Verspannungen in Beinen und Bauch, bis Kilometer 30 hatte ich mich daran gewöhnt. Toll waren die mitgenommenen Datteln, ab Kilometer 20 trank ich auch regelmässig aus meinen Wasserflaschen. Es tat zwar weh, aber ich war guter Dinge. Nach 30 Kilometern waren wir dann noch zu viert und nach so 35 Kilometern kam ich in ein leichtes Tief. Die maximale Longjogg- Strecke der bisherigen Trainingseinheiten war für meinen Kopf irgendwie Anlass zu reklamieren. Jetzt könnte doch mal Schluss sein murrte irgendeine Stimme im Hintergrund. Eine andere Stimme machte diesen kleinen Mäkler aber platt: fast 2/3 geschafft, das Ziel war in greifbarer Nähe! Also immer weiter, noch 3 Datteln zwischendurch und das Tief ignorieren. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann nach 40km endlich wieder der Parkplatz und der Rikemer Lauftreff ääh Valentin empfing uns mit einem Verpflegungsposten im Autokofferraum (Cola, Gummibärli, Salzgebäck, Mandarinli). Das war einfach genial! Nur dauerte die Pause zu lange, 8 min sind verdammt lange wenn man völlig nassgeschwitzt mit schmerzenden Gliedern dasteht. Beim Laufen hab ich den Schmerz fast nicht mehr gespürt, sobald man steht, ist es grausam!

Sehr schmerzhaft war es dann, wieder in Bewegung zu kommen. Der erste Kilometer nach dieser Pause war der schlimmste des ganzen Laufes für mich! Aber es wurde besser und da mit Beatrice eine recht schnelle Läuferin zu uns gestossen war, die den Rest mitzog, ging es dann die nächsten 4km sogar recht flott vorwärts (Pace 6:10 – 6:30). Das Tempo konnte ich aber so nicht halten, deshalb beschloss ich ab km 45, nicht mehr overpaced zu laufen und versuchte nicht mehr, an der schnelleren Gruppe dranzubleiben. Das war die richtige Entscheidung gewesen, ich lief mit einer Pace knapp unter 7 und kam vom Zustand der beginnenden Erschöpfung durchs Overpacen direkt in ein Hoch, das (auch dank eines 2. Gels, das ich nach 50km zu mir nahm) anhielt bis km 60. Ich war nicht ausser Atem, hatte genug Energie und Lust mit meinem Laufpartner Stefan zu reden und hatte eine wichtige Erkenntnis: es wird ab einem bestimmten Punkt alles wieder besser, der Körper blökt ein bischen vor sich hin aber es tut beim Laufen fast nicht mehr weh. Die Aufnerksamkeit liess ab km 55 nach und manche Sachen (z.B. Kopf nach hinten drehen) gingen nicht mehr. Es gab nur noch den gleichmässigen Lauf. Der war machbar und gut. Nur nichts anderes machen. Immer weiter, das Ziel war ja schon so nah!

Auf der letzten Runde erlebte ich dann ein ausgeprägtes Hoch: ich hätte singen können, Stefan und ich waren in bester Laune, km 57 wurd ich etwas übermütig und Stefan musste mich bremsen (Pace 6:19 min). Ich lief nach 60km im Ziel ein mit dem Gefühl, es tut zwar alles weh aber Scheiss drauf, da geht noch was 😀 Das böse Erwachen kam dann nach dem Stehenbleiben.

AAAAUUUA.

Jede kleine Bewegung eine Tortur, Schwäche, Konzentrationsprobleme. Gleich Autofahren wär nicht gegangen. Zum Glück gab es eine Duschmöglichkeit plus Abendessen im Hauptsitz vom Rikemer Lauftreff 😂

2h später gings mir jedenfalls wieder gut und heute Morgen zog es noch ein bischen in den Beinen. Aber das geht auch bald weg.

Was bleibt, ist die Gewissheit, dass ich in der Lage bin, 60km am Stück zu laufen und die zu haben, macht mich gerade sehr glücklich.