100 km- Mission completed

Gerade erinner ich mich grinsend an die kraftzehrenden 1000m-Läufe im Sportunterricht mit so 13-14 Jahren, unmotiviert und mit Seitenstechen. Ich war immer die Langsamste. Beim 60m-Lauf musste ich jedes Mal zusammen mit einem viel schnelleren antreten. Das sollte mich wohl motivieren, bewirkte aber das Gegenteil. Rennen fand ich damals schrecklich. Vorgestern- 30 Jahre später- hab ich im Alter von 43 Jahren den 100km-Lauf von Biel gefinisht und bin dafür 14h und 33min gerannt. Wie konnte das passieren?

Die Vorgeschichte

Der Laufvirus

Naja mit 13 war ich wohl wahrhaft unsportlich und hab dann aber über die Jahre immer wieder etwas getan, was mich fit hielt: erst Karate, später (als ich schon 2 Kinder hatte) Jazz- und Tap-Dance. Die letzten Jahre hatte ich als Ballonverkauf-Lieferfahrer auch einen körperlich anstrengenden Job, der mich recht fit hielt. Naja und dann kam der Tag im Januar 2017, wo mir Valentin einfach mal den Link zu seinem Laufblog schickte und ich aus allen Wolken fiel vor Ehrfurcht. Laufanalysen, Marathone, Wettkämpfe- das klang alles hochwissenschaftlich und interessierte mich brennend. Das wollte ich auch probieren! Mit meiner ersten Teilnahme an einer Laufsportveranstaltung (Kerzerslauf  2017) war es dann gänzlich um mich geschehen. Soviel positive Energie! Ich (eine mässig schnelle Mama mit 42) wurde tatsächlich angefeuert! Jetzt gab es kein Zurück mehr…

Jo das machen wir

Ich hatte im Mai 2017 gerade an meinem 3. Lauf teilgenommen, als Valentin auf Whatsapp laut dachte, wenn er schon (bedingt durch eine Sportverletzung und dem damit verbundenen monatelangen Trainingsausfall) momentan nicht schnell sein kann, dann könne die neue Herausforderung doch sein, sehr weit und dafür langsam zu laufen. Er könnte doch mal für den 100km von Biel 2018 trainieren. Diese Idee fand ich so unglaublich, dass ich sofort mit dabei sein wollte. Valentin war (denke ich mal) erst skeptisch (ich hatte ja noch fast keine Lauferfahrung), die nächsten Monate blieb ich aber wirklich dran, die Kondition wurde besser und ab September 2017 trainierten wir beide nur noch für Biel 2018- nach einem von Valentin akribisch aufgestellten Trainingsplan.

Training für Biel 2018

Die ersten Wochen (September bis November 2017)

Von Anfang an war uns klar, dass die Aufgabe, die wir uns gestellt hatten, riesengross war. Wir versuchten deshalb, das Training sehr diszipliniert anzugehen. So schrieben wir wochenlang (bis Ende 2017) am Ende jeder Trainingswoche einen Bericht. Es war keineswegs egal, wenn jemand mal die Einheit Alternativsport weggelassen hatte. Ich kann mich erinnern, dass ich nur deswegen meine 20 Jahre lang eingemotteten Rollerblades wieder in Gang setzte und mehrmals schwimmen ging. Auch die Schlittschuhe mussten nicht nur einmal herhalten.

Nach 5 Wochen Training Anfang Oktober 2017 bekam ich dann eine schlimme Grippe und kurz darauf einen nicht weggehen wollenden Husten. Bisher war doch alles so gut gegangen und ich wollte doch nicht den Anschluss verlieren. Also lief ich trotz Husten an einem kalten Mittag Anfang November los und musste mich nach 1km übergeben. Mein Kopf schrie JA!!!! aber der Körper sagte ganz klar nein. Nun bin ich aber wirklich ein Dickkopf und wenn ich mir etwas vorgenommen habe, tu ich meistens alles dafür. Statt wegen dem Husten zu pausieren, bin ich deshalb dann einfach auf den in unserem Schlafzimmer stehenden Crosstrainer umgestiegen (durch die warme Luft hielten sich die Hustenanfälle in Grenzen) und konnte das Wochenpensum so erfüllen. Dass ich dann tatsächlich wieder gesund geworden bin, daran hab ich gar keinen Anteil. Das passierte, weil ich die Woche darauf tatsächlich pausierte und das kam, weil Valentin seinen Trainingsplan (er war auch krank geworden) angepasst hatte. Ja ich nahm den Trainingsplan sehr sehr ernst.

Ein anderes Problem, mit dem ich immer wieder zu kämpfen hatte, war der monatliche weibliche Zyklus. Egal, was darüber und die Vereinbarkeit mit sportlichen Aktivitäten geschrieben wird- man fühlt sich einfach Scheisse und undicht. Aber auch damit wollte ich mich nicht abfinden und rannte irgendwann im September gerade am schlimmsten Tag 9 km auf Schnelligkeit. Es wurden meine schnellsten 9 km bisher mit einer Pace von 5:18 min. Ich hatte Japan besiegt!!! Trotzdem war mir natürlich klar, dass ein langer Lauf mit diesem Problem sehr schwierig werden würde und ich hoffte seitdem inständig, dass ich davon am 8. und 9. Juni 2018 verschont bleiben würde.

Formtests und Splitruns

Anfang Dezember waren wir mit 50 Wochenkilometern theoretisch fit für eine erste Ultraerfahrung und tatsächlich konnte ich dann am 9. Dezember 2017 den 52km-Lauf von Jegensdorf nach Biel finishen (halbe Originalstrecke des 100km von Biel). Ich war kurz nach dem Lauf so erschöpft wie noch nie jemals zuvor, wahrscheinlich auch durch die starke Dehydrierung (es gab ja keine Verpflegungsposten und ich hatte nur 600ml Wasser dabei gehabt) aber auch sehr glücklich, dass ich die Ultra-Schallmauer durchbrochen hatte, ohne jemals zuvor einen Marathon gelaufen zu sein (im Training war ich bisher maximal 30km gelaufen).

Dieser Lauf hat im Kopf etwas wichtiges bei mir ausgelöst- plötzlich kamen mir 15 oder 20km nicht mehr weit vor. Und ich wusste nun, wie es ist, mental in der Krise zu sein. Ab km 45 kam mir jeder Kilometer endlos vor, ich schaute ständig aufs Handy, es war eine einzige Quälerei. Zum Glück war Niklaus an meiner Seite (Valentin hatte leider nach 37 km wegen schlimmer Rückenschmerzen abgebrochen). Ich lernte bei diesem Lauf auch, wie wichtig der Laufpartner ist. Niklaus hat mich durch seinen konstanzen Laufstil mitgezogen. Allein hätt ich mich auch irgendwie durchgebissen aber es wäre viel schlimmer gewesen. Gewappnet durch diese Erfahrung trat ich dann am 27. Januar 2018 an, um beim Ultra-Formtest Nr. 2 den Pfäffikersee sechsfach zu umrunden. Wieder war Niklaus mit dabei (was mich sehr freute), er verliess die Gruppe aber irgendwann, weil er einfach schneller war. Jedenfalls waren da zum Schluss nurnoch der Stefan, ein sehr erfahrener Ultraläufer und ich (das Ultraküken) unterwegs. Wieder war es einfach nur toll, in der Krise nicht allein zu sein. Wir unterhielten uns und die Kilometer verflogen einfach so. Dann machte ich eine ganz neue Erfahrung: nach einem schlimmen Tief gehts irgendwann wieder aufwärts. Mir gings nach 50 km so gut, dass ich Lust hatte zu singen und Witze zu erzählen. Genauso nach 58 km. Am liebsten hätt ich nochmal richtig Gas gegeben aber Stefan hat mich gebremst. Nur nicht übermütig werden. Jedenfalls kroch ich nicht auf allen Vieren ins Ziel sondern rannte im Ziel fröhlich nochmal um Valentins Auto. Ich war voll im Hoch.
Dann kam so von Ende Februar bis April die Phase der Splitruns. Valentin hatte recherchiert, dass es für den Trainingseffekt nicht sinnvoll ist, Longjoggs länger als Marathondistanz zu absolvieren. Effektiver wären sogenannte „Doppeldecker“ oder „Splitruns“ also 2 längere Läufe am gleichen Tag.

Diese neue Erkenntnis setzte ich die folgenden Wochen um und absolvierte Ende Februar 1x einen 55km Splitrun (30km +25km) und im März/ April 4x einen 60km Splitrun (35km + 25km). Ich war nach dem ersten Longjogg jeweils sehr ausgepowert und es kostete viel Überwindung, am Abend nochmal loszulaufen. Aber ich hab es geschafft und bin dadurch mental stärker geworden. Ich kann diese Art des Trainings als Vorbereitung für einen Ultra wirklich nur empfehlen.

So abgehärtet, rannte ich mit Valentin fast relaxt in Hamburg meinen ersten Marathon und wenige Tage später fiel mir der U.B.S. (Ultrabielersee) beinahe leicht. Es gab zwar ein Tief (während der zweiten Streckenhälfte in der Hitze auf Asphaltstrassen) aber zum Schluss war ich wieder in einem ausgeprägten Hoch und im Ziel spürte ich kaum Erschöpfung. Wahnsinn, wie ich mich schon entwickelt hatte! Es waren noch 4 Wochen bis zum 100km von Biel und ich wusste plötzlich einfach: ich war konditionell bereit.

Die letzten Wochen vor Biel

So liess ich wegen der Dichte der Laufsportveranstaltungen im April/ Mai (Wings for life, Hamburg-Marathon, Sihltaler Frühlingslauf, U.B.S., Helsinki-Marathon) die Splitruns mit gutem Gewissen weg und war was den Trainingsplan anging, sehr gelassen. Ich spürte einfach, es war gut. Jetzt nicht zuviel zu machen und dann am 08.06. in Biel mit voller Kraft da zu sein, schien mir ein guter Plan.

Dann war es soweit. Nurnoch 1 Woche. Relaxtes Laufen und Tapering war angesagt, nur keine Überbelastung. So lief ich am Montag in moderatem Tempo meine ganz normale 9km-Aarerunde und nahm mir für Mittwoch ein letztes Training vor: 16 flache Kilometer an der Aare, Start abends 22 Uhr also sozusagen Originalbedingungen.

Schon beim Loslaufen donnerte es, aber ich blieb immerhin 1h trocken. Nach 10km Lauf schüttete es dann plötzlich wie aus Eimern so richtig mit Druck und das für die nächsten 40min begleitet von einem heftigen Gewitter. Ich hab richtig gelitten, es irgendwie nach Hause geschafft und war verzweifelt bei dem Gedanken, dass uns genau so etwas am Freitag auf den ersten Kilometern passieren könnte und wir dann sehr lange nass und kalt durch die Nacht rennen würden.

Dieses Problem war aber uninteressant, als ich 3 Uhr Nachts nach diesem Lauf, weniger als 48h vorm Start in Biel, plötzlich Schmerzen in der linken Ferse spürte. Irgendwas war nicht gut, so ein Mist. Ich wollte diesen doofen Schmerz weghaben und mir fiel leider nix Gescheiteres ein als Gegenschmerz mit der Blackroll-Mini (hätten sie mir beim Sihltaler Frühlingslauf doch was anderes geschenkt…) zu erzeugen. Dadurch reizte ich es aber erst richtig an. Fazit: Am Donnerstagmorgen konnte ich nurnoch humpeln und war nervlich ziemlich am Ende. Valentin hat mich dann beruhigt und gemeint, es wär sicher eine Überlastung und würde schnell vergehen. Ich hab die Ferse dann einfach in Ruhe gelassen und immer mal mit wärmendem Gel eingerieben (das war sehr angenehm). Mit der Erkenntnis, dass ich ja auf dem Vorderfuss laufe und den Schmerzpunkt beim Joggen gar nicht berühre, gings mir dann etwas besser. Ich war seit der ersten Trainingswoche Anfang September 2017 insgesamt knapp über 2000 km gelaufen und fühlte mich konditionell absolut fit für Biel. Das Schicksal meinte es saugut und ich hatte NICHT meine Tage. Ferse hin oder her, das konnte mich jetzt nicht mehr bremsen!

Der grosse Tag

Die Nerven lagen blank

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am Wettkampftag richtig auszuschlafen, länger als 7:30 Uhr ging aber wirklich nicht! Ich war zu aufgeregt. Hatte ich auch nichts vergessen? Immer wieder fiel mir irgendetwas ein, was ich noch einpacken könnte. Ich schaute mir Tape-Anleitungen an (wer weiss…), verpackte die Wechselsachen wasserdicht, dachte an Verbandszeug. Irgendwann setzte ich mich dann nach Monaten wieder ans Klavier zur Nervenberuhigung. Eigentlich wollte ich erst so 18:30 Uhr in Biel sein. Als Valentin schrieb, er würde 16:45 Uhr ankommen, hielt mich aber nichts mehr zu Hause. Zusammen brachten wir die Stunden bis zum Start dann kurzweilig um. Es gab noch lecker Essen und dann haben wir einfach halb dösend in der Halle abgehangen bis kurz vorm Start. Niklaus stiess dort noch zu uns und das Laufteam war komplett. Jetzt gings los!

Nach 1km Seitenstechen

Den Start werd ich wohl nie vergessen. Sie spielten das perfekte Lied (Tote Hosen „An Tagen wie diesem“), hunderte Bieler waren auf den Beinen und schickten uns in die Nacht hinaus, es war trocken und angenehm warm. Aber während ich im dichten Pulk sehr auf die Mitläufer schauen und das Tempo anpassen musste, waren sie plötzlich da: starke Schmerzen in der linken Seite. Der ganze Bauchbereich verkrampft. Es tat schon nach 1km Lauf so weh, dass ich nicht mehr sprechen und nurnoch an diesen Schmerz denken konnte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Einfach tief atmen, nicht verzweifeln. Es wurde besser. Nach ca. 3 km gings mir wieder gut.

Sternenhimmel und Radio Blitz

Ab dann hatten wir es die nächsten 2 Stunden sehr lustig. Der Lauf strengte noch nicht an und wir waren guter Dinge. In Aarberg wurden wir sensationell begrüsst, ein richtiges Volksfest war dort im Gange. Gerade als es nach der Stadt dann richtig ruhig wurde, nahm Valentin dann seine mitgebrachte Bluetooth-Box in Betrieb und wir hörten Radio Blitz (das offizielle Radio des 100km). Das lenkte genial ab und die Kilometer vergingen wie im Fluge. Wir dachten nur von einem Verpflegungsstand zum nächsten. Auch hier wieder ein ganz grosses Dankeschön an Valentin: er hatte Abreisszettel vorbereitet, auf denen jeweils die Entfernung zum nächsten Verpflegungsposten stand, sowie wieviel Kilometer wir bei diesem dann schon geschafft hatten. Das teilte für jeden von uns die Strecke in überschaubare Abschnitte. Gegen 3:30 Uhr morgens hatten wir dann die halbe Strecke geschafft. Es war bis dahin eine wunderschöne sternenklare Nacht gewesen mit Grillenkonzert, zwischenzeitlich etwas angenehmen Nieselregen und Heuduft. Ich fühlte mich kein bischen müde. Die schweren Beine waren da aber es ging mir gut und nach einer Krise ca. bei km 35-40 hatte ich jetzt keinen Tunnelblick mehr und fieberte dem Sonnenaufgang entgegen. Wir erreichten kurz vor der Morgendämmerung Kirchberg (56km). Meine Sachen waren durchgeschwitzt und ich war froh, dass ich Wechselsachen dorthin hatte transportieren lassen. Unendlich schwer fiel mir dann das Umziehen, vor allem das Ausziehen der langen Laufhose. Ich war doch ziemlich erschöpft, alles tat weh. So fiel die Pause in Kirchberg leider für alle durch mich ungewollt lang aus. Frisch angekleidet fühlte ich mich aber gleich wieder fitter. Mein T-Shirt vom Helsinki-Marathon sollte mir im schweren zweiten Teil Kraft geben.
Kurze Zeit später verabschiedete sich Niklaus dann leider von Valentin und mir. Er hatte Probleme mit der Atmung und wollte lieber marschieren. Wir setzten den Run dann in langsamem und gleichmässigem Tempo ohne ihn fort und hoffen darauf, dass er wieder aufschliessen würde. Niklaus hat den Lauf dann allein zu Ende gebracht, die letzten 30km nurnoch marschierend in der prallen Mittagssonne. Er hat für diese Leistung meinen grössten Respekt.

Aber zurück zu Valentin und mir und Kilometertafel 65: Es wurde langsam hell und wir verfolgten mit Radio Blitz den Zieleinlauf der Schnellsten. 7h 43min, der erste war im Ziel und beim Interview kurz nach dem Finish nichtmal ausser Atem. Unvorstellbar diese Kondition. Uns gings jedenfalls noch gut, wir waren mittlerweile auf dem HCM-Pfad unterwegs und guter Dinge, das Ziel zu erreichen. Dass alles weh tat, damit kamen wir klar, das Übliche bei langen Strecken.

Team Love-Parade kämpft sich vorwärts

Radio Blitz stellte ca. 6:30 Uhr früh dann die Liveübertragung ein und ab dann hörten wir Goa-Trance von Valentins abonniertem 24h-Elektromusik-Radio. Es war der perfekte Sound für den Lauf-Flow, man fällt selbst wie in Trance und das Laufen ging von alleine. Bei mir jedenfalls. Valentin bekam ab km 70 leider schlimme Knieschmerzen, die für den Rest des Laufes nicht mehr weggingen und musste von da an oft marschieren. Bei mir stellten sich Schmerzen im Hüftgelenk ein, durch die mir gerade das Marschieren wehtat. Etwa bei km 85 war es bei uns beiden so schlimm, dass ich unbedingt joggen musste und er unbedingt marschieren und weil wir aber auch unbedingt zusammen ins Ziel kommen wollten (nein ich hätte Valentin niemals in dem Zustand zurückgelassen!) sah es dann so aus, dass er straff marschierte und ich extrem langsam nebenher jöggelte. Und wir hatten trotzdem immernoch Spass und machten Quatsch. Auch bei km 95 noch. Im Kopf hatte keiner von uns eine Krise. Ab km 98 waren dann meine Hüftschmerzen wie durch ein Wunder verschwunden und ich konnte neben Valentin marschieren. Mittlerweile war es warm geworden. Die kaum zu unterdrückende Freude darüber, dass das Ziel eines steinigen Weges, der für uns beide im September 2017 begonnen hatte, so nahe war, gab uns die letzten endlosen Kilometer Kraft. Und so konnten wir uns am Ende sogar noch für einen sportlichen Einlauf im Zielgelände motivieren. Was für eine Freude, als dort plötzlich meine Tochter Jessica mit dem Handy filmend neben uns herlief! Ich hatte die Rückfahrt eigentlich mit dem Zug geplant und nicht damit gerechnet, dass meine Familie kommen würde, um uns im Ziel zu empfangen. Pure Freude! Wir waren da. Wir waren angekommen. Als offizielle Finisher des 100km von Biel 2018 bekamen wir unsere Medaillen umgehängt. Ich war überglücklich und stolz, dass wir das zusammen geschafft hatten.

Unendlich müde

Was war ich froh über den Transportservice nach Hause. Plötzlich fiel alles von mir ab und ich war nurnoch unendlich erschöpft und müde. Das Treppensteigen, die Dusche nach dem Lauf- alles ging nur ganz langsam und kostete mich alle Kraft. Auf der Rückbank vom Auto konnt ich mich dann einfach hinlegen und dösen. Es war geschafft, die Mission erfüllt. Zu Hause angekommen, fiel ich 2 Stunden in tiefen Schlaf.

Den Rest des Wochenendes gönnte ich Körper und Geist viel Ruhe. Eine Bestandsaufnahme ergab: Die einzigen Schäden, die ich davongetragen hatte, war eine Blase an der rechten Ferse, ein schmerzender Streifen unterhalb der Brust durch die Reibung des Unterleibchens und ein schlimm ins Nagelbett gedrückter abgestorbener Zehennagel (ich musste ihn einen Tag nach dem Lauf ziehen).

Heute, 2 Tage nach Biel, ist der Zeh verbunden aber sonst alles wieder ok und ich schmiede Zukunftspläne. Einer davon ist ziemlich sicher Biel 2019.

 

Meine erste Splitrun-Erfahrung

Der aktuelle Wochenumfang von 80km hätte ja diese Woche einen Longjog von 50km bedeutet und ich beschloss, diesen erstmals auf 2 längere Läufe an einem Tag aufzuteilen: einmal 30km und einen zweiten Lauf von mindestens 20km.

Da es momentan voll kalt und und ungemütlich draussen ist, wollte ich nicht riskieren, plötzlich 15km von zu Hause weg fröstelnd in der Pampa zu stehen und lief am Vormittag 8:30 Uhr bis ca. 11:45 Uhr einfach 3x meine Trainingsrunde bis zur grossen Aarebrücke bei Biberstein und deponierte eine Flasche Wasser unterwegs in einem Blumenkasten, an dem ich dann 2x vorbeikam. Ich hab während des Laufes am Vormittag dann 2 kurze Verpflegungspausen gemacht (bei 10km und 19km) und jeweils genug Datteln eingeworfen. Das hat gut funktioniert.

Mir war bei diesem Longjog einfach ein bissel langweilig aber konditionell hatte ich keine Probleme. Ich lief recht konstant eine für mich auf der flachen Strecke angenehme Pace von ca. 6:10min. Ab ca. km 15 stellten sich die wohlbekannten Symptome eines längeren Laufs ein (Ziehen in Oberschenkel und Bauchmuskulatur) aber damit kam ich sehr gut klar und freute mich sogar darüber. Das Training ist ja letztendlich erst ab dann sinnvoll, wenn es sich so anfühlt, die ersten 15km sind also nur Vorgeschichte.

Wieder zu Hause angekommen, war ich dann aber doch recht erschöpft. Zum Glück hatte ich vorgekocht. Nach dem Duschen und mit etwas Nahrung im Bauch hing (lag) ich nurnoch kraftlos mit schweren Beinen rum. Nur nicht bewegen. Totaler Zusammenbruch, an einen zweiten Longjog war 13 Uhr nicht zu denken. 14 Uhr hatte ich aber ausgeschlafen, 15 Uhr lief ich wieder rum, 16 Uhr hab ich geschaut, ob meine Klamotten schon trocken sind (ich hätte wieder losrennen können!). Da ich meine Tochter noch zum Schlagzeugunterricht fahren musste, wurde es dann aber doch nach 18 Uhr, ehe ich wieder Freiraum hatte für den zweiten Longjog.

Aber ich fühlte mich wieder gut! Ein bissel Ziehen in den Oberschenkeln, aber das war in etwa so, als wäre ich vor 1 Tag 10km gelaufen und spürte es noch ein klein wenig. Ich lief also völlig regeneriert los und dachte mir sofort, dass ich das nächste Mal kürzer als 6h Pause zwischen den beiden Splitläufen machen muss, damit es wirklich ein „Running with tired legs“ wird.

Ich bin mit Trinkflaschen im Hüftgurt, Datteln im Rucksack und Stirnlampe dann 18:30 Uhr jedenfalls voll motiviert erstmal die 8km bis Villnachern gerannt (Pace wieder so bei 6:10min). Laufen im Dunkeln find ich sowieso toll und das Bewusstsein, dass ab jetzt jeder Kilometer eine Glanzleistung ist (ich hatte ja schon 30 geschafft), gab mir echt Auftrieb. Nach 16km dann kurze Dattelpause auf Höhe Auenstein und dann gings direkt weiter auf meine 9km Trainingsrunde Richtung Biberstein. Das Laufen machte mir gar keine Beschwerden, es ging wie von selbst. Kurz vorm Wendepunkt ab km 19 hatte ich dann ein ausgeprägtes Hoch und hätte die ganze Zeit Witze erzählen und singen können (ich bin dann auch mal 3km eher so Pace 6:00 min gerannt). Die letzten Kilometer gingen wie von alleine, es tat alles gleichmässig weh aber vom Kopf her war ich fit und hatte am Schluss auf jeden Fall noch Reserven.

Erkenntnisse (manche davon hatte ich schon am 27.01. am Pfäffikersee, aber sie haben sich bestätigt:

  1. Es wurde irgendwann unangenehm aber dann auch wieder besser bis hin zu einer Hochphase nach insgesamt 50km, während der ich hätte richtig schnell sprinten können.
  2. Ich regeneriere sehr gut und schnell.
  3. Datteln sind toll  🙂

Beim nächsten Splitrun muss ich dann wahrscheinlich früher (nach höchstens 4 Stunden Pause) zum zweiten Lauf starten, damit es für mich eine Grenzerfahrung wird. „Meine erste Splitrun-Erfahrung“ weiterlesen

27. Januar 2018: 60km Formtest

Die Idee, den Pfäffikersee mehrmals zu umrunden, hatte Valentin schon Anfang Dezember. Damals als unkomplizierte Alternative zum Lauf Jegenstorf-Biel gedacht, wurde daraus dann die erste Veranstaltung des Rikemer Lauftreffs: „Valentin und Conny laufen am 27.01.2018 sechsmal um den Pfäffikersee. Wer kommt mit?“ Was dann passierte, hat uns beide sehr überrascht und gefreut, es meldeten sich die nächsten Wochen nicht nur mehr als 100 Interessierte, die Veranstaltung hatte bis kurz vorm Termin auch ganze 13 Zusagen. Wir konnten also recht sicher damit rechnen, bei unserem Formtest Gesellschaft zu haben.

Auf den Lauf hab ich mich dann eigentlich nur durch konsequentes Nixtun vorbereitet, es gab in der Woche eine 13km Laufeinheit mit Höhenmetern am Dienstag (7x um den Weinberg), danach hab ich es auf mich zukommen lassen und einfach am Freitagabend genug Nudeln gegessen. Ab Donnerstag und besonders in der Nacht vorm Lauf hab ich dann viel gehustet. Nein, ich war mir am Samstag früh gar nicht mehr sicher, die 6 Seeumrundungen zu schaffen.

Aber dann kam alles gut! Die Hustentropfen wirkten und der Husten schien gänzlich verschwunden zu sein. Das Wetter war ideal (8 Grad, trocken, kein Wind) und das Laufen in der Gruppe angenehm und kurzweilig. Die ersten 20 Kilometer vergingen wie im Fluge, dann begannen die (bekannten) Verspannungen in Beinen und Bauch, bis Kilometer 30 hatte ich mich daran gewöhnt. Toll waren die mitgenommenen Datteln, ab Kilometer 20 trank ich auch regelmässig aus meinen Wasserflaschen. Es tat zwar weh, aber ich war guter Dinge. Nach 30 Kilometern waren wir dann noch zu viert und nach so 35 Kilometern kam ich in ein leichtes Tief. Die maximale Longjogg- Strecke der bisherigen Trainingseinheiten war für meinen Kopf irgendwie Anlass zu reklamieren. Jetzt könnte doch mal Schluss sein murrte irgendeine Stimme im Hintergrund. Eine andere Stimme machte diesen kleinen Mäkler aber platt: fast 2/3 geschafft, das Ziel war in greifbarer Nähe! Also immer weiter, noch 3 Datteln zwischendurch und das Tief ignorieren. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann nach 40km endlich wieder der Parkplatz und der Rikemer Lauftreff ääh Valentin empfing uns mit einem Verpflegungsposten im Autokofferraum (Cola, Gummibärli, Salzgebäck, Mandarinli). Das war einfach genial! Nur dauerte die Pause zu lange, 8 min sind verdammt lange wenn man völlig nassgeschwitzt mit schmerzenden Gliedern dasteht. Beim Laufen hab ich den Schmerz fast nicht mehr gespürt, sobald man steht, ist es grausam!

Sehr schmerzhaft war es dann, wieder in Bewegung zu kommen. Der erste Kilometer nach dieser Pause war der schlimmste des ganzen Laufes für mich! Aber es wurde besser und da mit Beatrice eine recht schnelle Läuferin zu uns gestossen war, die den Rest mitzog, ging es dann die nächsten 4km sogar recht flott vorwärts (Pace 6:10 – 6:30). Das Tempo konnte ich aber so nicht halten, deshalb beschloss ich ab km 45, nicht mehr overpaced zu laufen und versuchte nicht mehr, an der schnelleren Gruppe dranzubleiben. Das war die richtige Entscheidung gewesen, ich lief mit einer Pace knapp unter 7 und kam vom Zustand der beginnenden Erschöpfung durchs Overpacen direkt in ein Hoch, das (auch dank eines 2. Gels, das ich nach 50km zu mir nahm) anhielt bis km 60. Ich war nicht ausser Atem, hatte genug Energie und Lust mit meinem Laufpartner Stefan zu reden und hatte eine wichtige Erkenntnis: es wird ab einem bestimmten Punkt alles wieder besser, der Körper blökt ein bischen vor sich hin aber es tut beim Laufen fast nicht mehr weh. Die Aufnerksamkeit liess ab km 55 nach und manche Sachen (z.B. Kopf nach hinten drehen) gingen nicht mehr. Es gab nur noch den gleichmässigen Lauf. Der war machbar und gut. Nur nichts anderes machen. Immer weiter, das Ziel war ja schon so nah!

Auf der letzten Runde erlebte ich dann ein ausgeprägtes Hoch: ich hätte singen können, Stefan und ich waren in bester Laune, km 57 wurd ich etwas übermütig und Stefan musste mich bremsen (Pace 6:19 min). Ich lief nach 60km im Ziel ein mit dem Gefühl, es tut zwar alles weh aber Scheiss drauf, da geht noch was 😀 Das böse Erwachen kam dann nach dem Stehenbleiben.

AAAAUUUA.

Jede kleine Bewegung eine Tortur, Schwäche, Konzentrationsprobleme. Gleich Autofahren wär nicht gegangen. Zum Glück gab es eine Duschmöglichkeit plus Abendessen im Hauptsitz vom Rikemer Lauftreff 😂

2h später gings mir jedenfalls wieder gut und heute Morgen zog es noch ein bischen in den Beinen. Aber das geht auch bald weg.

Was bleibt, ist die Gewissheit, dass ich in der Lage bin, 60km am Stück zu laufen und die zu haben, macht mich gerade sehr glücklich.

 

Halbzeit erreicht: 20 Wochen bis Biel (Rückblick 15.01. – 21.01.2018)

Regen, Schnee und viel Wind- das Wetter wurde unangenehm diese Woche. So wurde für mich vor allem der 35km Longrun (Auenstein-Villnachern-Aarau) am Donnerstag zu einem Testlauf, was ich imstande bin zu ertragen. Meine Läuferkleidung war nach 1h im Dauerregen völlig durchnässt, eine Windjacke wäre toll gewesen, besitze ich nur eben noch nicht, aber durch die Bewegung blieb es auch bei nur 4 Grad und Sturm erträglich. Hätte ich wirklich gefroren, hätte ich nach 16km, als ich nach dem Trip nach Villnachern an Auenstein vorbei kam, abbrechen können (ganz so verrückt bin ich nicht)- aber ich hatte nach dem Einwerfen von 5 Datteln das Gefühl, da geht noch was 😁. Zurück blieb nach all der Quälerei dann nur tiefe Zufriedenheit, den Kopf besiegt und gut durchgehalten zu haben und nicht mal ein Schnupfen. Wie oft hab ich als Kind gehört: „bloss nicht im Regen raus und kalt werden dann wirst Du krank!“. Klar- es ist eine Gratwanderung aber unglaublich, was wirklich geht.

Am Tag zuvor lief ich über den Vormittag schon 20km und 2 Tage zuvor 13km- ganz bewusst 3 Tage hintereinander Laufeinheiten. Ergebnis: Ich regeneriere schnell, den 20km-Lauf hatte ich am nächsten morgen „vergessen“. Keine schweren Beine.

Nach diesen Erfahrungen glaube ich fit zu sein für die 6 Runden um den Pfäffikersee nächste Woche und hab mir vorgenommen, am 3. März beim Crux Ultra  (ob 54 oder 28 km möchte ich erst kurz vorher entscheiden) mitzulaufen.

 

Rückblick Tainingswoche 19 für den 100km-Lauf von Biel, 08.01. – 14.01.2018

Da ich im Laufe der Woche wieder mit meinen periodisch auftretenden weiblichen Problemen rechnete und es am Montag trocken sein sollte, begann ich gleich mit voller Kraft und einem 31 km Longjog. Ich lag bei der Uphill-Challenge ja fast 500 Hm zurück, also ging es ganz klar in die Höhe und das gleich viermal. Sehr anstrengend, aber die Strecke über Gisliflue, Thalheimer Weinberg, Bözberg und dann hoch zur Linde von Linn war wunderschön und ich brachte es an einem einzigen Tag auf ganze 887 Hm.

Linde von Linn

Bei diesem Lauf habe ich zwischendurch ca. 10 Datteln gegessen und das hat gut gereicht. Nicht gereicht hat aber das im Beckengurt mitgenommene Wasser (660 ml) und leider habe ich nach der halben Strecke, als dann Bedarf zum Nachfüllen bestand, keine Brunnen mehr gesehen. Nach dem Longjog war ich jedenfalls recht k.o. und hatte bläuliche Fingernägel. Dank einem Teller Backkartoffeln mit Quark (hatte ich vorm Lauf für die ganze Familie vorgekocht) und ca. 1l Apfelschorle (ich war voll dehydriert) gings mir aber schnell besser. 

Am Dienstag hab ich mir dann neue Laufschuhe gekauft (die alten hatten nach 1100 km ausgedient), da sie gerade besonders günstig waren gleich 2 Paar.

neue Schuhe – alte Schuhe

Wenigstens eines davon musste ich natürlich auch gleich zeitnah ausprobieren. Abends hatte ich Gelegenheit und mir war nach Höhenmetern, also gings mit Stirnlampe in den Auensteiner Wald bis zum Weinberg und dort hab ich dann 750m- Runden (immer 35m Steigung) gedreht. Nach 6 Runden bemerkte ich jedenfalls nicht weit entfernt ein grösseres Tier (wahrscheinlich ein Wildschwein) und brach die Übung dann etwas verschreckt lieber ab (geplant waren 10 Runden!). Aber trotzdem ganze 300 Hm mehr auf dem Konto – ich war zufrieden. Jetzt hatte ich mir doch wirklich für den Rest der Woche für die noch fehlenden 22km meine geliebten Aareläufe verdient. Mittwoch war mir nach einem Vormittag im Auto (Fahrt nach Zug zu einem Arzttermin mit meinem Sohn) aber erstmal nicht nach Laufen. Stattdessen hab ich am Nachmittag Stabilisations-und Kraftübungen gemacht, ist ja auch mal wichtig.

Weil das Wochenende wegen meiner Comedy-Ausbildung in Konstanz für den Laufsport nicht zur Verfügung stand, hatte ich also noch genau 2 Tage, um die fehlenden 22 Km zu absolvieren. Das hab ich dann Donnerstagvormittag (13km) und Freitagnachmittag (9 km) gut geschafft und konnte ohne Laufschuhe nach Konstanz fahren. Im Rahmen der Ausbildung gabs dann am Sa auch noch 1.5h Tanztraining- damit war das Wochenpensum wirklich perfekt. Mit der Woche bin ich insgesamt absolut zufrieden, alles erfüllt. Ich hab aber schon gespürt, dass das Training schon recht zeitintensiv ist und man die Woche gut planen muss, um alles unterzubringen. 

Rückblick Tainingswoche 18 für den 100km-Lauf von Biel, 01.01. – 07.01.2018

Kurz nach dem Neujahrsmarathon-Erlebnis kam ich nur mit Mühe Treppen herunter (was wohl sehr lustig aussah), am ersten Tag des neuen Jahres konnte ich mich aber bis zum Nachmittag sehr gut regenerieren. Mittags halb 12 war ich komplett ausgeschlafen (6 Stunden) und als ich 15:30 Uhr zu einer Klinik-Karaoke-Veranstaltung abgefahren bin, war ich ohne dass ich etwas dafür gemacht hätte wieder völlig fit. Keine Muskel- oder Gelenkschmerzen, alles gut.
Diese Woche sollte laut Trainingsplan ja eine Regenerationswoche sein, also nur mit halbem Wochenpensum (immernoch 30km). Und Uphill-Challenge mit Valentin hin oder her, Regeneration bedeutet für mich nicht zwingend Berglaufen :))
Also bin ich Dienstagnachmittag locker an der Aare losgesäckelt und hab dabei sogar noch 2 Geocaches (so oft bin ich 2017 daran vorbeigerannt!) geloggt. Ging doch gut los die Woche und an der Aare langrennen ist voll easy. Mittwoch hats dann schlimm gestürmt und geregnet und das hab ich mir lieber von drinnen angeschaut und an meinem Laufblog gebastelt, aber meine Teenager fragten mich scheinheilig an, ob ich nicht Lust hätte, am Donnerstag in Basel (!!) Schlittschuh zu laufen. Missbrauch als Fahrdienst! (Sie wollten da Freunde treffen) Aber was solls, ich hatte wirklich Lust, mit ihnen etwas zu unternehmen und dann eben in Basel. Ja und so bin ich dann 40min lang in Basel im Regen 4,2 km auf dem Eis herumgesäckelt. Ende leider mit einem Sturz, ich bin doch ziemlich unsicher auf den Beinen und konnte einen abrupten Stopp (ein kleiner Hockeyspieler schoss mir seinen Puc direkt vor die Schuhe) dann nicht ausgleichen. Ist aber zum Glück nichts schlimmes passiert aber in dem Moment fing es auch richtig an zu schütten und ich hatte genug.

Freitagmorgen wurde mir dann bewusst, dass ich ja noch diese Woche eine Buchhaltung fertig haben musste und ab Mittag war ich für den Rest des Tages dann tatsächlich unter einem Haufen Akten begraben, durch die ich mich irgendwie durchbuchte. Meine Fitness-Uhr nervte auch ziemlich (Brummbrumm -„Zeit für Bewegung!“). Die war ja völlig weltfremd!! Gegen 23 Uhr war ich dann soweit vorangekommen, dass ich für den Tag zufrieden war und das Gefühl hatte, alles andere schaffe ich am Samstag. Und ich spürte krass den Bewegungsmangel und wollte nurnoch raus. Und dann bin ich wieder die gewohnte 9km-Aare-Strecke gelaufen, aber etwas flotter. Nach 2 etwas schnelleren Kilometern (Pace 5:13 und 5:15) dann erstmal 1km langsamer und dann hab ich nochmal Gas gegeben: 4:47 auf den letzten Kilometer!!! Da ging noch was! Ich war stolz!!

Jetzt fehlten mir also noch 12 Laufkilometer zum Wochenziel. Der Samstag fiel dafür komplett weg. Buchhaltung!!! Und abends bis früh um 4 hab ich dann ja beim Karaoke in Gossau durchgefeiert aber das ist eine andere Geschichte. Jaja, es gibt sicher Stimmen, die jetzt sagen, man muss um ehrgeizige sportliche Ziele zu erreichen ein geregeltes Leben führen mit vor allem genug Schlaf aber ich seh das ein wenig anders. Für mich sind 5-6 Stunden Schlaf durchaus ausreichend und die schaff ich auch, wenn ich 4:30 Uhr ins Bett gehe. Naja, so richtig hat das trotzdem diesmal nicht funktioniert- erst konnte ich nicht gleich einschlafen und 8:30 Uhr war ich plötzlich wach. Klar ich hätte versuchen können, weiterzupennen, aber ich hatte auch die Option auf Frühsport und später nochmal schlafen. Und so hab ichs dann gemacht: 12 km lockerer Nüchternlauf ab 9 Uhr und meine Wochenkilometer waren komplett. Beim Laufen dachte ich mir so, nicht dass der Valentin noch glaubt, ich Flussläufer geb mir gar keine Mühe (unsere Uphill-Challenge!), also bin ich in Biberstein nochmal den Hügel hoch bis zum höchsten Haus des Dorfes. Das ergab unterm Strich dann doch noch gut 160 Höhenmeter und ich hatte nach halber Strecke eine tolle Aussicht auf Aarau.
Das neue Jahr hat für mich super angefangen, ich fühl mich gut in Schuss und werd ab kommender Woche dann auf das nächste grössere Laufprojekt hinarbeiten (57km Ultra zusammen mit Valentin- 6 Umrundungen des Pfäffikersees am 27.01.).

Rückblick Trainingswoche 17 für den 100km-Lauf von Biel, 25.12. – Silvesternacht

Der Neujahrsmarathon stand auf dem Plan und Valentin und ich wollten ihn als Long-Jog im Trainingstempo angehen und als Vorbereitung maximal insgesamt 20km rennen. Bei mir verteilten sich diese auf eine recht flotte 11km-Einheit an der Aare am Dienstag und einen langsamen 10km-Lauf am Donnerstag mit einigen Höhenmetern vom IKEA Spreitenbach zum Heitersberg und zurück.


Eine der Herausforderungen des Neujahrsmarathons für mich war auch das lange Wachbleiben. Es entpuppte sich als glückliche Fügung, dass ich gerade die Nacht davor auch schon „durchgemacht“ habe (Karaokeparty in Winterthur, ich war erst 5 Uhr zu Hause…). Mittags war ich ausgeschlafen und hab mich ab dann mit Pasta vollgestopft (ein Teller 14 Uhr, einer 18 Uhr) und alles für den Lauf parat gelegt. Unter anderem auch 2 Heliumballons (ein grosser Mignion und eine Schnecke), die Valentin und ich beim Marathon mit uns führen wollten. Eine super Idee, die Ballons! Zwar stellenweise etwas nervig aber hey, auch eine lustige Ablenkung von den Strapazen des Laufes. Die nahmen ab ca. km 10 durch Dauerregen und Wind bei fehlender Sonne dann leider ungesunde Ausmasse an. Eine längere Gehpause ab km 30 liess uns dann richtig frieren und wir brachen den Lauf nach ca. 3.5h und 31.5 absolvierten Kilometern ab. Als ich nach einer heissen Dusche zu Hause immernoch fror, war ich ganz sicher, dass das die richtige Entscheidung gewesen war. So hatten wir die geplanten 60 Wochenkilometer zwar nicht ganz geschafft, sind aber beide wieder wohlauf und gesund geblieben.

Rückblick Trainingswoche 16 für den 100km-Lauf von Biel, 18.12. – 24.12.2017

Die Woche begann mit recht ungemütlichen Wetterverhältnissen, deshalb blieben die Laufschuhe erstmal in der Ecke stehen und ich startete am Montag mit einer Einheit Krafttraining. Am nächsten Tag gabs aber keine Ausreden mehr und ich wollte Kilometer machen und dem Wochenziel von 55 km merklich näher kommen. Schliesslich musste ich damit rechnen, dass wegen Weihnachtsbesuch und diversen Terminen von Fr-So so gut wie keine Zeit zum Laufen bleiben würde. So führte mich der Longjogg am Dienstagmorgen (26 km)  bis nach Brugg! Vorher hatte ich noch ein Schälchen Müsli gegessen und das hielt vor bis Kilometer 15, ab da fühlte ich mich ziemlich unterzuckert, ein paar mitgenommene Datteln brachten aber schnell Besserung. Ab dem 20. Kilometer verhärteten sich einige Muskeln (Oberschenkel, Bauch). Beim 53 km-Lauf hatte ich diesen Zustand erst nach 30km. Es war jedenfalls kein Problem für mich weiterzurennen, einfach etwas unangenehm.


Mittwoch lag mir der Longjogg noch in den Knochen, ich hab mich aber trotzdem überwunden (weil es ja ab Donnerstag regnen sollte und mir noch 29km zum Glück fehlten und ich ja auch noch so viel zu tun hatte wegen Weihnachten…) und bin 9km Aareuferweg gerannt. Aber ich war voll schlapp und kam nur langsam vorwärts, keine Energie…

Die kam dann durch abendliches Karaokesingen (Valentin ist schuld) zurück und zwar so immens, dass ich kurzentschlossen statt Schlafen um Mitternacht bis 1 Uhr (noch war es trocken!) nochmal mit Stirnlampe die Biberstein-Strecke lief mit einer durchschnittlichen Pace von 5:45 min und einem Schluss-Spurt von 5:10min/km.


Donnerstag hab ich mich dann verdient ausgeruht und hab die noch fehlenden Kilometer dann Samstagmittag absolviert. Am Aareufer war ich ja nun schon genug unterwegs gewesen, deshalb gings diesmal direkt hoch zur Gislifluh. Die 440 Höhenmeter auf den ersten 6 Kilometern waren recht anstrengend. Die nächsten paar hundert Meter bin ich auf matschigen, steinigen Wegen sehr langsam und vorsichtig den Gipfelgrat entlangmarschiert bis zum Aussichtspunkt, der völlig im Nebel lag, also nix Aussicht… Damit begann dann auch gleich der flotte Teil der Tour- 440m auf 3km wieder nach unten und dann ab Biberstein den gewohnten Aareweg nach Hause. Am Ende hatte ich noch Kraft genug für einen Schluss-Spurt (Pace 5:01min) und kam dabei kaum ausser Atem.

 
Fazit: Mit 58km habe ich das Lauf-Wochenziel erfüllt und diesmal auch Kraftsport gemacht. Der Alternativsport blieb leider wieder auf der Strecke…

Rückblick Trainingswoche 14 für den 100km-Lauf von Biel, 04.12. – 10.12.2017

Die Woche begann für mich körperlich im Tief mit starken Unterleibskrämpfen. Es war so schlimm, dass ich den Sonntagabend mit Wärmflasche auf der Couch verbrachte. Das war zwar recht unangenehm, ich war aber absolut glücklich über das Timing, lieber jetzt durchhängen als am Samstag beim geplanten 52km-Lauf.

In der Hoffnung auf Besserung hab ich dann Montag trotzdem einen kurzen Run von 5km gemacht und mich einfach nur gequält. Der ganze Bauch war verkrampft und verhärtet. Dienstag fühlte ich mich dann schon wesentlich besser und hab den Chlausabend bei den Lindberjoggern mit 45min Schlittschuhlaufen in der Zielbau-Arena Winterthur verbunden. Hat richtig Spass gemacht und war mal was anderes und für mich pure Regeneration ☺


Da ich mich ab Mittwoch wieder recht fit fühlte, wollte ich eigentlich als Vorbereitung für den Lauf am Sa täglich mindestens 4km joggen, die guten Vorsätze blieben dann aber Mi und Do wegen ganz vielen Erledigungen und einer Karaoke-Veranstaltung am Donnerstag auf der Strecke.

Freitag hätt ich dann Zeit zum Rennen gehabt, fand es aber für mich sinnvoller, nach dem Stress und wenigen Schlaf der letzten 2 Tage einfach mal in Vorbereitung auf meinen ersten Mini-Ultra gar nichts zu machen ausser mich zu erholen, genug zu essen und früh ins Bett zu gehen.

Samstag beim Lauf zeigte sich dann, dass das die richtige Entscheidung gewesen war. Ich war ausgeschlafen, erholt und fühlte mich absolut fit für die 52km.
Wir rannten in moderatem Tempo (Pace zwischen 6:30min und 7min) und ich spürte die ersten 15km rein gar keine Anstrengung, die nächsten 15km merkte ich ein wenig meine Beine und ab ca. 30km verhärteten sich die Muskeln beider Beine und sogar der Bauch und es wurde unangenehm, ich hab das aber ganz gut geschafft zu ignorieren. Vom Kopf her gings mir bis Kilometer 38 gut. Ab dann bis zum Ziel fühlte ich mich ständig unterzuckert und die Kilometer gingen viel langsamer vorbei. Das mitgenomme Gel (4 Packungen) half aber ganz gut und moralisch hat mich die letzten Kilometer mein Mitläufer Nikolaus aufgebaut. Er lief wie eine Maschine und die hat mich irgendwie mitgezogen und so hab ich auch die letzten schrecklichen 5km geschafft (es war kalt und dunkel ich fühlte mich schrecklich und mir kam ein Kilometer noch nie so lang vor). Nach 53.7km am Ziel angekommen war ich einfach nur fix und fertig. Und mir wurde schlecht bei dem Gedanken, dass das ja nur die halbe Strecke gewesen war. Alles tat einfach nur noch weh und ich kam kaum noch eine Treppe runter und war sogar zu schwach zum Pizzaessen. Ich weiss nicht, wann ich vorher schonmal so erledigt gewesen war, ich glaub noch nie. Aber schon knapp 2 Stunden später nach einer Dusche und einem Teller Pasta, kehrten die ersten Lebensgeister zurück. Wieder zu Hause war ich dann schon wieder recht gut zwäg und absolut überrascht hat mich dann, dass ich mich praktisch über Nacht vollständig regenerieren konnte. Am Sonntag spürte ich praktisch nichts mehr vom Lauf, alles war wieder locker, nichts tat weh und ich hätt eigentlich wieder rennen können.
Der Lauf war für mich auf jeden Fall eine sehr wichtige Erfahrung. Ich bin ja vorher nie weiter als 22km gerannt und jetzt erst hab ich ein Gefühl für die Grösse der Aufgabe und eine angemessene Ehrfurcht vor den ganzen 100 Kilometern. Ich weiss jetzt, wie es sich anfühlt, an die Grenze zu kommen und weiss, dass ich noch viel mehr Kondition brauche, um mehr als diese 53km zu bewältigen.
Diesen Zustand der ständigen Unterzuckerung hatte ich vorher noch nie kennengelernt und er hat mir ziemlich zu schaffen gemacht- daran muss ich sicher noch arbeiten.
Für den jetzigen Trainingszustand kann ich aber glaub ich zufrieden sein. Da mir am So rein gar nichts mehr weh tat, scheint mit meinem Laufstil und der Rumpfstabilität alles in Ordnung zu sein.
Momentan bin ich einfach nur glücklich, den Lauf geschafft zu haben und freu mich aufs weitere Training mit neuen Herausforderungen.

Rückblick Trainingswoche 13 für den 100km-Lauf von Biel, 27.11. – 03.12.2017

Diesmal hatte ich mich am Sonntag ja ausgeruht und war Montag nach viel Organisieren und Büroarbeit voll fit und motiviert für einen nachmittäglichen Lauf nach Biberstein. Hat wirklich gut getan, es waren milde Temperaturen, ich war die ganze Zeit sehr relaxt und am Ende positiv überrascht, dass die Durchschnittspace sogar unter 6min lag.
Kurz nach dem Lauf erfuhr ich, dass meinen Ballonverkäufen durch den Wegfall des besten Standplatzes eine Krise bevorsteht. Das Thema hat mich die darauffolgenden Tage dann sehr beschäftigt und ich hab mich am Dienstag fast ausschliesslich nur darum gekümmert, Mails geschrieben und recherchiert und einen Sport-Ruhetag eingelegt.
Am Mittwochmorgen hatte ich den Kopf dann zum Glück wieder frei genug für den Longjogg. Ich bin einfach mal losgelaufen ohne genauen Plan, erst an Veltheim vorbei und dann hinter der Gislisfluh nach Westen bis Küttingen mitten durch den Jurapark. Es war landschaftlich sehr schön aber teilweise gings nur extrem langsam vorwärts. Der eisige und steile Jurapark-Weg (ab ca. Kilometer 12) war ohne Stöcke fast nicht machbar. Ich hatte echt Angst auszurutschen und mir was zu brechen aber musste in dem Moment halt irgendwie weiterkommen. Hab sogar 2 Bergziegen gesehen (die sich sehr gewundert haben was ein Mensch um die Jahreszeit da oben im Schnee rumkraucht) und 2 km weiter gabs dann auch wieder einen anständigen Weg. Mittag war ich dann wieder zu Hause und unter der wohlverdienten heissen Dusche voll stolz auf die absolvierten 22 km mit 860 Höhenmetern.

Für mich war dann auch irgendwie klar, dass der Donnerstag im Zeichen der Regeneration stehen sollte. Nachdem meine Kinder aus dem Haus waren, bin ich aber anderweitig aktiv geworden: erst 25min Kräftigungsübungen, gleich im Anschluss (ich war ja dann warm) eine Einheit Karate. Nach 20min Karate bei uns im Wohnzimmer war ich jedenfalls völlig fertig. Wenn sich wie beim Kampfsport Leistungsphasen mit ruhigeren Phasen abwechseln, ist bei mir konditionsmässig wohl noch viel Luft nach oben.

Freitag bin ich dann trotz Frost (-2 Grad!) gleich früh nochmal losgerannt an der Aare lang bis zum Wasserwerk Villnachern. Gleich die ersten Meter in Auenstein den Hügel runter hab ich gemerkt, wie saugefährlich Laufsport sein kann. Es war spiegelglatt! Mit der nötigen Vorsicht hab ich aber auch die folgenden 16km vereisten Weg mit reduziertem Tempo gut geschafft. Die Thermounterwäsche hat jedenfalls bei -2 Grad gute Dienste geleistet (viel kälter sollte es aber nicht werden…), die Lauf-Handschuhe entpuppten sich als etwas dünn.

Die Nacht zum Samstag war dann sehr kurz (ich war beim Karaoke und erst 3:30 Uhr im Bett und bin 6:30 Uhr noch vorm Weckerklingeln wieder aufgestanden). Am Samstag hatte ich dann soviel zu tun (Ballonverkauf beliefern und nachmittagsfüllender Auftritt meiner Steelband), dass ich den Schlaf nicht nachholen konnte und ich hing am Abend ziemlich durch. Eine Nacht gut und genug schlafen und alles war am Sonntag aber wieder gut. Bin dann zwischen Frühstück und Mittagessen einfach nochmal gemütlich eine kleine Aarerunde gelaufen und das Wochenziel von 50km war erfüllt.

Mit der Woche und dem was ich gemacht hab (besonders cool war der Longjogg) bin ich insgesamt voll zufrieden. Wir haben beide den Plan erfüllt und wenn wir jetzt nicht krank werden, haben wir gute Chancen, den 52 km-Lauf am Ende von Woche 14 zu schaffen.