Runching 2019

Nach dem Spass der Runching-Tour 2018, bei der wir aus Zeitmangel zum Schluss die letzten 11 Caches des Powertrails Echt Entlebuch: Emmenuferweg liegen lassen mussten, sollte es 2019 genau dort weitergehen, wo wir letztes Jahr aufgehört hatten: in Sörenberg. Voller Elan plante Valentin eine Runching-Tour, die uns danach erst zum Gipfel des Rothorns, dann über den Brienzergrat nach Interlaken und schliesslich nach Spiez führen sollte, von wo wir am Morgen des 27. Juli mit dem Zug zum nahe gelegenen Stockhorn-Halbmarathon aufbrechen wollten, einem Berglauf mit 1700 Höhenmetern. Mit dem „Berennen“ des Brienzergrats, der wohl gefährlichsten Trailrunningstrecke der Schweiz und dem Berglauf am 4. Tag wollten wir neben dem Cachen sportlich alles geben.

Leider machte Valentin sein Körper dann Anfang Juni 2019 einen Strich durch die Rechnung. Durch immer wiederkehrende schlimme Schmerzen in den Beinen beim Rennen langer Distanzen musste er zwei Ultraläufe abbrechen und beschloss, bis zum Herbst kürzer zu treten und die Muskulatur gezielt aufzubauen. So nahmen wir uns vor, den Stockhorn-Halbmarathon 100% durchzuziehen aber ansonsten sollte aus dem Runching für dieses Jahr eher ein Wanderching werden.

Runching Tag 1, Mittwoch der 24.07.2019

Valentin und ich fuhren jeder für sich mit dem Zug nach Schüpfheim und stiegen dort gemeinsam in den Bus nach Sörenberg. Bekannte Orte zogen vorüber, der letzte Tag vom Runching 2018 war wieder present. Schön, so nahtlos an die geniale Tour 2018 anzuknüpfen und einfach phantastisch, dass das Wetter hielt und die Zeichen für die Grat-Tour am Donnerstag gut standen.

Die Wanderung am schattigen Emmenuferweg war angenehm. Fast problemlos fanden wir die Hälfte der restlichen Caches vom „Emnenuferweg“ und bogen dann auf den Rossweid-Trail ein, der uns in der heissen Mittagssonne an einem kleinen, glasklaren, tiefen Bergsee vorbeiführte. Ich wollte da sofort drin baden! Gesagt, getan- schwups, Badekleider an und schon war ich im Wasser. Es war herrlich! Valentin hatte keine Badehose dabei aber FKK ging auch. So liefen wir nach halber Rossweid-Tour happy und erfrischt weiter bis zur Schwarzenegg. Dort gabs den Sonnentau-Sinnes-Parcour, den wir anhand des dazugehörigen Multis absolvierten. Genial das Ende bei den runden Sessel-Schaukeln. Valentin rechnete das Final aus und ich genoss das relaxte Abhängen in der Schwerelosigkeit.

Im Anschluss gings sportlich joggend den Hügel wieder hinunter bis nach Sörenberg. Im Volg haben wir dann noch Getränke eingekauft und Glace gegessen und so gestärkt den Rest der Emmenuferweg-Caches abgearbeitet. Dabei kamen wir bis zum Quellbereich der Emme und füllten dort unsere Wasservorräte auf. So gerüstet gings dann am frühen Nachmittag auf den Weg zum Gipfel des Rothorns.

Erstmal war die Steigung noch nicht so schlimm aber mit der Zeit wurds dann doch recht anstrengend. Und das bei 28 Grad! Irgendwann kamen wir am Eisee vorbei und um Valentin zu einem weiteren Bad zu ermutigen, kletterte ich da zum Schrecken einer etwas entfernt stehenden Anglerin spontan ohne Sachen rein. Aber nützte nichts, der See war halt auch nicht so schön wie der erste- Valentin ist diesmal dann doch lieber trocken geblieben. Im nahegelegenen Restaurant gabs dann noch eine Trinkpause.

Gegen 18:30 Uhr kamen wir nach einem recht anstrengenden Aufstieg dann jedenfalls etwas erschöpft aber glücklich auf dem Rothorn an und waren fasziniert von der Aussicht.

Wir checkten im Hotel ein und kamen gerade noch rechtzeitig zum Abendessen à la Carte. Trinken!!! Valentin bestellte eine 1l-Karaffe Orangina, für mich die nächsten Tage der Inbegriff von Luxus, und wir hatten ein feines Menu. Danach wars ca. 21 Uhr und hell genug, nochmal loszuwandern und nach den zwei hier oben erreichbaren Caches zu suchen. Der erste war wegen Bauarbeiten umplatziert und am Abend nicht zugänglich. Bei der Suche kamen wir aber an einer abhangnahen Schneebank vorbei- ⛄ klar ham wir uns erstmal beballert. Ich hab sogar getroffen 😂 Und weiter gings im Eindunkeln einem schmalen Weg entlang zum Schongütsch für den letzten Cache des Tages.

auf dem Schongütsch

Auf dem Rückweg (der war noch recht gut zu erkennen, so dass wir die mitgenommene Stirnlampe kaum brauchten) sahen wir am Hang kurz vorm Hotel in der Dunkelheit dann noch eine Gruppe Steinböcke.

Steinböcke auf dem Rothorn

Runching Tag 2, Donnerstag der 25.07.2019

Obwohl keiner von uns in dieser Nacht Schlaf fand (das harte Bett und wohl zumindest bei mir auch die Aufregung durch die bevorstehende Brienzergrat-Wanderung), war Punkt 6:30 Uhr Aufstehen, Zusammenpacken und Frühstücken angesagt, um 8 Uhr verliessen wir Rothorn Kulm. Wir waren voller Tatendrang und freuten uns auf das Abenteuer.

Meine Freude wurde dann erstmal durch einen nicht enden wollenden rutschigen Abstieg gebremst, meine Schuhe gaben trotz Trailrunning-Profil nur wenig Halt auf der steilen Kieshalde, dann kam zum Glück eine Treppe. Die war dann nicht mehr so rutschig aber trotzdem anstrengend. Doch die Mühe zahlte sich aus, wenig später fanden wir uns dann wirklich auf dem Grat wieder. Er war das erste Stück recht breit, easy, das wird schon, ich war zuversichtlich. Und die Tiefblicke fand ich eigentlich nur schön, sie machten mir keine Angst. Trotzdem war bei jedem Schritt Vorsicht angesagt, ein paarmal rutschten wir leicht aus, das sollten wir heute wohl lieber bleiben lassen, es ging tief herunter.

Es folgte auf dem Weg zum Tannhorn eine herausfordernde Kletterpartie, noch nicht die mit Drahtseilen gesicherte an der Schlüsselstelle aber ich hing frei am Fels direkt über einer tiefen Schlucht, immer über den nächsten Schritt nachgrübelnd. Oje, das war nicht ohne gewesen. Dann kam ein so 50 cm schmaler sehr ausgesetzter Abschnitt, Ausrutschen ging gar nicht und Valentin dachte, das wär jetzt schon die gefürchtete Stelle gewesen. War aber nicht so, die liess noch auf sich warten. Dann endlich gegen 11 Uhr die mit Seilen gesicherte Kletterpartie an der Schlüsselstelle. Mir kams hier nicht schlimm vor. Und dann der letzte Halt oben direkt vor dem gefürchteten schmalen Grat, der allseits als T5 beschrieben wird. Der einzige Weg hoch zum Tannhorn. Valentin war bei der Kletterpartie vorneweg gegangen und versuchte jetzt eine Entscheidung zu treffen. Hatten wir uns doch zuviel vorgenommen?

Ich fühlte, dass uns der Mut verlassen würde, wenn wir das Ding noch lange von der Seite angucken würden (es sah aus dieser Perspektive wirklich gefährlich aus) und mehr im Affekt als überlegt zog ich mich nach oben und richtete mich vor Valentin auf dem Grat auf. Wow. Ich hatte den kritischen Moment geschafft. Keine weichen Knie. Focus auf den schmalen Weg vor mir, nein ich wollte nicht zurück, ich war hergekommen um das hier zu rocken. Blödes Tannhorn, ich komme! Vorwärts gings. Valentin folgte mir (wohl etwas verblüfft, wer hätte das gedacht 😅).

So liefen wir langsam und besonnen über dieses herausfordernde Stück und fanden uns nach einiger Kletterei dann neben dem Gipfelkreuz wieder. Verschnaufen und sich freuen war aber kaum möglich. Tausende Fliegen! So trugen wir uns ins Gipfelbuch ein, loggten noch schnell den Tannhorn-Cache und weiter gings.

Mit dem Gefühl, es geschafft zu haben und mit freier Sicht auf den weiteren Gratverlauf gings also weiter. Der Abstieg war für mich noch recht beschwerlich, meine Schuhe gaben einfach zu wenig Halt. Ich war froh über die mitgenommenen Trekkingstöcker, doch auch die halfen nur begrenzt. Valentin musste immer wieder auf mich warten, ich kam leicht ins Rutschen und musste jeden Schritt abwägen. Nach längeren gut machbaren Gratpassagen tauchte vor uns am Mittag eine Gruppe steiniger Hügel auf, die nur am Hang kletternd zu bewältigen waren. Es war eine gute Entscheidung gewesen, die Stöcker vorher einzupacken. Während Valentin schon oben sass und wartete, tastete ich am Abgrund hängend nach festen Steinen, manchmal waren da aber nur Grasbüschel zum festhalten. Ich geriet immer wieder in die Krise, schaffte es aber irgendwie nach oben. Der Abstieg war dann noch schlimmer. Ein einziges Tasten und Rutschen. Ein Kieshang ging geradewegs ins 1000m tiefe Tal runter. Kaum Möglichkeiten, sich festzuhalten. Valentin ist da mit seinen Oasics einfach runtermarschiert und ich hing auf allen Vieren am Weg und hätte heulen können.

Kaum war das geschafft, gings wieder auf eine ähnliche Kuppe und in einer lebensgefährlichen Rutschpartie wieder runter. Ich hatte genug. Meine Salomon Speedcross 4 sind superbequeme Trekkingschuhe aber wohl nicht tauglich für alpine Strecken. Es war 13 Uhr und wir hatten für die letzten 7 km 5 Stunden gebraucht. Die Wasservorräte waren fast aufgebraucht (wir hatten insgesamt 5 Liter mitgenommen). Wir taten das einzig Vernünftige und nahmen den nächsten Abzweig Richtung Tal, Ziel: Oberried.

Dieser Abstieg zog sich dann über fast 3 Stunden, nach 2 Stunden hatten wir nichts mehr zum Trinken. Es ging steil bergab, für Valentin nach einer Weile eine schmerzliche Tortour, da er in seinen Schuhen nicht genügend Halt hatte und mit den Zehen vorne anstiess. Es ging bestimmt zwei Stunden lang durch einen Wald. Keine Brunnen, wir halfen uns mit Walderdbeeren. Nicht auszudenken, wie es uns ohne Wasser und Schatten auf dem Grat ergangen wäre, hätten wir uns zum Weiterlaufen entschieden.

Irgendwann waren dann die ersten Häuser in Sicht und Valentin entdeckte einen Brunnen. Wie sehr man sich doch einfach nur über etwas kaltes Wasser freuen kann! Ich war durch meine Vierfüssler-Kletterei wahnsinnig dreckig und konnte mich etwas sauberspülen. Alles war gut. Wir machten uns auf den Weg zum Dorfladen. 16:15 Uhr waren wir da, der Laden machte aber erst 16:30 Uhr auf. Zum Glück gabs am Bahnhof daneben nen Selecta-Automaten. 2x die 54 (grosses Redbull), wir hatten es uns verdient. Dann rüber zum See und einfach in Klamotten gebadet, das tat so gut. Mit dem Zug sind wir dann nach Interlaken und trafen gegen 18 Uhr erschöpft vom langen Tag im Balmers Hostel ein. Dort der Schock: wir hatten am falschen Datum (einen Tag zu früh) gebucht, heute hätten sie kein einziges Bett mehr frei. Wir bezahlten schockiert die nicht genutzte Buchung, ich ging erstmal duschen und Valentin suchte nach Lösungen. Leider vergeblich. Interlaken in der Hauptsaison. Hoffnungslos, mal schnell eine Bleibe zu finden. Etwas ratlos schilderten wir an der Rezeption unsere missliche Lage, die Damen wollten helfen und machten uns ein unerwartetes und sehr gutes Angebot. Es gäbe oben einen Aufenthaltsraum mit Hängematten, dort könnten wir kostenfrei übernachten. Früher hätten sie die Hängematten wohl als günstige Übernachtungsmöglichkeiten mit angeboten und es hätte wohl immer wieder Missverständnisse gegeben, so dass sie sie jetzt nur noch als Notbetten verwenden.

Das war die Rettung! Der Aufenthaltsraum entpuppte sich als luftiges, unverkleidetes Dachgeschoss mit viel Holz. Ein Feeling wie in ner Scheune, so cool! Glücklich richteten wir uns also ein (es gab sogar ein Hängeregal und Steckdosen an jeder Hängematte) und gingen erst noch zum Coop (Valentin brauchte Kontaktlinsen-Behälter und Pflaster für seine Blasen), kauften dort noch 2 Stück Melone weiter gings zum Italiener Essen fassen. Hat geschmeckt! Später lieferten wir uns im Balmers lustige Tischtennis-Duelle, assen unsere Melonenschnitze, spielten in der Hängemattenscheune noch ne Runde Race for Galaxy (Valentin hat gewonnen 😬), und fielen gegen 23 Uhr totmüde ins Be… ähm die Hängematte. Ja, gar ned so einfach, da ne bequeme Lage zu finden. Aber irgendwie gings. Während wir noch lustig rumschaukelten, begann es draussen heftig zu regnen, dann kam ein Gewitter. Es war einfach herrlich, das geschützt in einer Hängematte in einem halboffenen Dachboden zu erleben! So schliefen wir zufrieden ein und träumten von den wahnsinnig geilen Eindrücken dieses unvergesslichen Tages.

Runching Tag 3, Freitag der 26.07.2019

Wir begannen den Tag mit fröhlichem Geschaukel und einem Potpourri der schlechtesten Youtube-Cover, Valentin inspizierte seine 2 beim Abstieg eingefangenen fetten Blasen an den grossen Zehen, versuchte vergeblich, sie aufzustechen und versorgte sie notdürftig mit Pflastern. Es sah nicht gut aus für den Berghalbmarathon, jeder Schritt schmerzte. Wir hofften auf Besserung an diesem Brückentag (heute wollten wir nur wenige Kilometer am Thuner See entlang laufen und Kraft für Tag 4 tanken) und frühstückten ersteinmal gemütlich im Balmers.

Nach einem Einkauf im Coop haben wir die „Brunnenrunde Matten“ absolviert und entkamen dann dem Getümmel der überfüllten Tourismushochburg entlang einer Schnellstrasse Richtung Spiez. Nein, das war kein schöner Weg zum Wandern. Rennen ging auch nicht wegen den Blasen, es zog sich. Ich ergriff die Gelegenheit und liess mich in Thurgauer Mundart coachen, schliesslich hatte mein fähiger Coach sonst gerad nix vor. Sagen wir mal so, es gab Lichtblicke beim 5. Versuch oder so, aber da fehlt echt noch das Sprachgefühl. Aba lustig wors gliech!

So konnten wir ein paar Tradis loggen und kamen am Mittag nach ca. 6 km Wanderung in Därligen am Thunersee an. Dort wartete eine ganz besondere Herausforderung auf uns: ein Tauchcache. Man sollte eine mit dem eigenen Namen versehene Metall- „Postkarte“ in einem ca. 3 m tief liegenden Briefkasten versorgen.

Der Tunersee hatte 21 Grad und das kam mir schrecklich kalt vor. Trotzdem unternahm ich tapfer Tauchgänge. Auch Valentin versuchte sein Glück. Man konnte unter Wasser aber nicht besonders weit sehen, der Briefkasten zeigte sich leider nicht und so wanderten wir weiter Richtung Spiez auf einer gleichbleibend unattraktiven aber dafür ebenen Strecke. Eine Stunde später in Leissigen beschlossen wir, die Reise nach Lattigen zu unserer Unterkunft mit dem Zug fortzusetzen, nur fuhr der nur stündlich und war gerade abgefahren.

Für Geocacher ist so etwas aber gar kein Problem, wir überbrückten souverän mit einer kleinen Multi-Dorfrunde und kurz bevor unser Zug kam, kratzte ich noch meine Adresse auf die Metallpostkarte und warf sie in nen richtigen Briefkasten. Ob die Post den wohl zustellt? Die Wette steht.

In Lattigen angekommen, machten wirs uns im Zimmer gemütlich und wollten eigentlich wieder los, Spiez unsicher machen, doch dann fing es an, stark zu regnen. Keiner hatte wirklich Lust, da sofort wieder rauszugehen. Also relaxten wir einfach den Rest des Nachmittags und machten uns dann auf Nahrungssuche nach 19 Uhr im strömenden Regen auf den Weg zum Bahnhof. Schon nach 100m hielt ein Auto neben uns, der nette Vermieter fuhr zufällig gerade nach Spiez und nahm uns mit und empfahl uns sogar noch ein Restaurant. Wir Glückspilze wurden also kaum nass und haben dann ganz toll und zu anbehmbaren Preisen italienisch gegessen im Restaurant Riviera by Elio. Später hatte der Regen aufgehört, wir kauften noch schnell im Migros Blasenpflaster und andere schöne Sachen ein (der hatte bis 21 Uhr geöffnet!), dann noch schnell 2 Caches gesucht und ab gings gerade noch rechtzeitig zum Zug.

Runching Tag 4, Samstag der 27.07.2019

7 Uhr war Aufstehen angesagt und alle Aufmerksamkeit spätestens nach dem Frühstück bei Valentins lädierten Zehen. Es war nach dem Öffnen der Blasen (ja Valentin hatte ziemlich rumgefleischert…) besser, tat aber immernoch weh. Und die Blasenpflaster brachten auch keine Linderung, es war sogar besser ohne. Gehen ging irgendwie aber 21 km das Stockhorn hochrennen war dann doch noch ein anderes Kaliber. Valentin entschied sich schweren Herzens, nicht am Berglauf teilzunehmen.

So fuhren wir mit der Bahn nach Oberwil im Simmental. Kurz vorher, in Erlenbach, stiegen viele Läufer zu. Ich holte meine Startnummer und gab alle meine Sachen inklusive dem Startergeschenk, einem Simmentaler Chäs, zum Shuttle nach Erlenbach. In einem Beutel hätte ich noch Sachen direkt zum Ziel bringen lassen können, den Service liess ich aber ungenutzt.

Von einer Bank vor einem Restaurant konnten wir gut überblicken, wie sich der Startbereich allmählich füllte. Es war ein kleiner Lauf mit insgesamt 356 Teilnehmern dieses Jahr.

Dann gings los. Ich wollte es gemütlich angehen und hatte mich weit hinten aufgestellt. Da blieb ich auch und joggte der Meute gemütlich hinterher. Ich wollte meine Kräfte sparen für die bevorstehenden 1700 Höhenmeter.

Die liessen erstmal auf sich warten. Die ersten 11 km merkte ich keine Steigungen, die ich als anstrengend empfand. Km 3.5 bis 5 verliefen auf einem schattigen, steinigen Trailweg direkt an der Simme entlang und am Verpflegungsposten bei km 5 wurden die Läufer vom Geschelle riesiger Kuhglocken begrüsst.

Dann gings auf einer Asphaltstrasse recht deutlich bergauf. Viele marschierten aber ich versuchte so lang wie möglich ohne Pause locker zu joggen, was ich mit kleineren Marschierpausen gut durchhielt. Dann gings ab km 16 steil einen Bergweg hoch. Nein, das ging jetzt wirklich nur marschierend und selbst das war schwer. Gut dass es zwischendrin, als der Weg die Strasse kreuzte, einen Getränkestand gab.

Bei km 18 hörte ich schon von weitem einen Speaker, man wurde namentlich begrüsst und konnte am nahen Verpflegungsstand nochmal auftanken. Rechts auf der Anhöhe stand eine Gruppe Alphornbläser.

Es ging jetzt auf einem gut laufbaren, steinigen Weg bergab zu einem Bergsee. Unten angekommen, lief ich an müde herumliegenden Kühen vorbei und konnte den Speaker im Ziel hören. Der steinige Gipfel des Stockhorns lag deutlich vor mir und ich konnte den erschreckend steilen Routenverlauf erkennen. Ojeminee… Das war ja noch ein rechter Aufstieg auf die letzten 2 km…

der letzte Kilometer war steil

Rennen ging bei der Steigung gar nicht und ich hab auch nicht einen Läufer gesehen, der das versucht hätte. Powerwalken war angesagt. Ich nahm alle meine Kraft zusammen und überholte marschierend noch mindestens 5 Läufer.

Sportlicher Zieleinlauf

Im Ziel wartete Valentin, ich war happy, dass er da war. So wurde mein Zieleinlauf nach 3h 30min 29s gefilmt und er lieh mir beim endlosen Anstehen an der Seilbahn dann gentlemanlike seine Jacke. Es war nämlich kühl geworden und regnete. Jetzt wusste ich dann auch, wozu der Dropbag-Service zum Stockhorn hoch gut war. Das nächste Mal lass ich mir sicher ein trockenes Shirt und eine Jacke hochbringen 🙂

Nach diesem Lauferlebnis fuhren wir dann mit dem Zug nach Bern und beendeten das Runching 2019 mit einem lässigen Karaokeabend im Delfino. Wir hatten noch ein Zimmer in Bern gebucht und am nächsten Morgen fuhren wir etwas müde aber glücklich nach Hause.

Stockhorn Halbmarathon 2019

Zu Fuss in 4 Tagen von Genf nach Solothurn

Eigentlich wollte ich von Genf bis nach Hause laufen aber das hat mein Körper dann leider nicht ganz mitgemacht. Statt nach 5 Tagen in Auenstein AG endete meine Tour durch schlimme Schwerzen am linken Knie am Abend des 18.07.2019 nach 4 Tagen und 195 km in Solothurn. Erst war ich enttäuscht, aber wenn ich es jetzt so auf der Karte ansehe, bin ich geflasht, wie weit ich ganz alleine mit allem nötigen Gepäck im Rucksack gekommen bin.

Die Planung des Gepäcks war eine grosse Herausforderung, es durfte nur das Nötigste mit aber es musste alles dabei sein, um im Zelt irgendwo im Wald übernachten zu können und zusätzlich viele nötige Dinge wie ein Handtuch, Wechselsachen, Verbandszeug, ein Taschenmesser, ein improvisierter Kochtopf, um selbst am Lagerfeuer Nudeln kochen zu können, eine Stirnlampe, eine grosse Powerbank und und und…

Alles in allem wog mein Running-Rucksack inklusive 2 gefüllten 750ml-Wasserflaschen dann 6.7 kg. Meine Bauchtasche inklusive angebundenem Schlafsack und 2 Wasserflaschen à 330 ml brachte 1.2 kg auf die Wage.

So bepackt stieg ich am Montag, dem 15.07.2019 in den Zug nach Genf.

Einfahrt des Zuges nach Genf am 15.07.2019 um 6:30 Uhr in Aarau

Tag 1, 15.07.2019 (Montag), 42 km:

Angekommen in Genf hab ich mir erstmal noch eine 150g Dose Penaten-Creme in der Apotheke gekauft. Was gut ist für wunde Baby-Popos, heilt nämlich auch aufgeriebene Hautstellen. Sehr gute Entscheidung- das nächste Mal würde ich mir die Creme aber in geringerer Menge vorher abfüllen.

Noch schnell was gegessen und aufs Klo und dann gings los Richtung See. Es war windig. Der Anblick des aufgewühlten Genfersees war für mich an dem Tag immer wieder überwältigend- ein richtiges Meer.

Blick auf Genf

Die ersten 4 Kilometer führten über begrünte Strandpromenade, einfach wunderschön dort zu laufen. Später ging`s dann lange Zeit einer Hauptstrasse entlang vorbei an Konsulaten und Villen, dann durch kleine Ortschaften. Alles Asphalt, ich war mit meinen Trailrunningschuhen etwas unpassend angezogen, die sind für Naturwege gemacht. Immerhin musste ich nicht auf den Strassen laufen, die Gegend am Genfersee ist für Fussgänger und Velotourismus gut erschlossen. Als ich (auf Geocache-Suche) die Hauptstrasse gegen 11 Uhr am Bellevue einmal Richtung See verliess, wurd ich auf dem Steg unfreiwillig von oben bis unten geduscht. Ja, wie gesagt, es war windig und der See war wild. War nach dem ersten Schreck aber nicht unangenehm und trocknete viel zu schnell wieder.


Am Nachmittag liess der Wind dann nach und es wurde immer wärmer. Bei der Rast kurz vor Nyon (km 24) wars recht heiss. Ich sass am Strassenrand auf einer Mauer im Schatten und hab noch ein Milchbrötchen gegessen, das ich früh am Bahnhof gekauft hatte und vor allem viel getrunken. In Nyon gabs dann Glacé und Redbull, neben Aprikosen meine Hauptenergiespender der ganzen Tour, und ich hab noch einen Geocache gefunden. Weiter gings bis zum Denner in Gland (km 30). Während ich jetzt schreibe und nachrecherchiere, fällt mir auf, dass hier Michael Schuhmacher seine Villa hat. Egal, bin ich nicht direkt vorbeigekommen, der Denner war interessanter 🙂

Es war ca. 16 Uhr und die Sonne brannte. Immer wieder machte ich meinen Sonnenschutz (einen über den Kopf gezogenen Stoffschlauch) in Brunnen nass und erreichte so gegen 18 Uhr das hübsche historische Städchen Rolle an der nördlichen Spitze des Genfersees.

Le château de Rolle
Ile de la Harpe (Rolle, Genfersee)

Ich füllte an einem Brunnen am Schloss an der Strandpromenade meine Wasservorräte auf, duschte auf dem Campingplatz und wusch dort auch noch schnell (mit einer mitgenommenen Schüssel und Handwaschmittel) meine durchgeschwitzten Laufklamotten, kaufte ein paar Lebensmittel ein und badete 19 Uhr in der letzten Abendsonne noch einmal kurz im Genfersee.

Des Genfersees bei Rolle in der Abendsonne

Dann wanderte ich die ca. 2 km hoch zum Weinbaudorf Perroy. Die über Google-Earth als Übernachtungsmöglichkeit ausgemachte Baumgruppe entpuppte sich als idealer Platz zum campen mit wunderbarer Aussicht auf den See. Dort schlug ich mein Zelt auf und verdrückte in der Abendsonne das gekaufte Birchermüsli.

Perroy VD: idyllisches Dörfchen mit herrlicher Aussicht auf den Genfersee
mein Schlafplatz am Ende des ersten Trailtages

Dann gings in die Heia. Durch die vielen Geräusche der Natur (überall raschelte irgendwas…) und weil ich keine Matte dabeihatte, konnte ich lange nicht einschlafen. Es zog in den Beinen (ich war seit Wochen nicht weiter als 9 km gerannt, die Belastung war doch ungewohnt) und es war halt unbequem. Aber ich hatte noch Glück, da der Boden mit einer Schicht getrockneter Gräser bedeckt war. So war es nicht ganz so hart. In dieser unruhigen Nacht gegen 3:30 Uhr hat mich dann noch ein Igel besucht.

nächtlicher Besucher

Tag 2, 16.07.2019 (Dienstag), 54 km:

Erster Eindruck beim Aufwachen 7 Uhr: den Beinen gings wieder viel besser als am Abend zuvor, aber der Rücken tat weh vom auf dem harten Boden Liegen und es war kalt (nur 12 Grad) und der Schlafsack war so schön warm. Also hab ich erstmal noch ne halbe Stunde rumgelegen und die Füsse massiert und versucht, in die Gänge zu kommen. 7:30 Uhr fühlte ich mich wieder einigermassen beweglich und gut und war bereit für die Fortsetzung des Abenteuers. Also hab ich Schlafsack und Zelt zusammengepackt und all meine Sachen auf die von der Morgensonne erwärmte Wiese gelegt. Kurz nach 8 Uhr war alles soweit zusammengepackt und ich hab auf der Wiese sitzend die am Abend zuvor gekauften Zitronenküchlein verdrückt und Orangensaft getrunken. Dann Zähneputzen, Kontaktlinsen einsetzen und noch ein Gang aufs Natur-WC und ich startete 9 Uhr in Richtung Neuenburgersee.

Die ersten 3 km über Féchy nach Aubonne waren beschwerlich, da es nur eine gut befahrene Hauptstrasse ohne Fussweg gab. Also nutzte ich jede kurze Gelegenheit, um auf der Strasse zu joggen, um mich dann gleich wieder an den Rand zu stellen und die nächsten 3 Autos durchzulassen.

Weinbau in Féchy

In Aubonne wich ich dann auf eine unbefahrenere Nebenstrasse aus und kam gegen 12 Uhr Mittags sehr überhitzt und erschöpft am Bahnhof Yens an. Ein kleiner Dorfbahnhof, aber es gab einen Selecta-Automaten und unter der Nr. 54 gabs ein grosses Redbull. Ich also 5 CHF reingesteckt und die 54 gedrückt aber statt die Erfrischung auszuspucken meldete das Ding, dass Platz 54 leer wäre. Nächster Versuch: 53 (kleines Redbull): Maschine meldete wieder Fehler. 52 gedrückt (auch voll mit 250ml Redbull): doofes Ding meinte: is leer. Ich war so frustriert, dass ich unter Fluchen dann irgendwas gedrückt hab. Maschine rappelte fröhlich und unten raus kam ein hässliches Bifi für 3.50 CHF. Ich hätte heulen können! Nun gut, also letzter Versuch, nochmal ein paar Taler nachgeworfen und die 51 gedrückt und welch Wunder: kurze Zeit später kaute ich auf einer Bank im schattigen Wartehäuschen lustlos auf dem doofen Bifi rum und hatte immerhin ein Redbull zuckerfrei. Besser als nix und es gab mir wieder etwas Kraft. Ich war erst bei km 12 von über 50 an dem Tag.

Blick zurück zum Genfersee

Weiter gings über in der Mittagssonne glühende Asphaltwege an Roggen- und Maisfeldern entlang. An jeder Steigung (und es gab viele) bin ich marschiert. Ich hab an dem Tag immerzu getrunken und das Wasser mit Salzkapseln präpariert. Immer wieder kleine menschleere Dörfer.


Äcker soweit man schauen kann
Aussichtspunkt bei Vuillierens Kanton Waadt

An jedem Brunnen hab ich mein Kopftuch nass gemacht und zählte die Kilometer bis zum nächsten grösseren Ort Cossonay (bei km 26). Gegen 15 Uhr kam ich dort völlig erschöpft und ausgelaugt an und die Aussicht, noch 28 km bis Yverdon vor mir zu haben, machte die Stimmung nicht besser. Ich war echt fertig und frustriert. Durch die Hitze und das Gepäck kam ich im Schnitt nur mit 5 km/h vorwärts, da ich zwar so oft es ging joggte (mit einer Pace von 8 bis 8.30 min) aber auch viele Pause brauchte.

Ich hab dann wirklich erstmal eine halbe Stunde ausgeruht, mir Orangensaft, Bananen und Eis gekauft und das zeigte Wirkung. 15:30 Uhr gings weiter mit neuer Energie und ich merkte bald, dass das Laufen angenehmer wurde. Die Sonne stand nicht mehr so hoch und die Krise im Kopf war vorerst überwunden, ich hatte ja schon mehr als die Hälfte der Tagesstrecke geschafft.

Verpflegung in Cossonay

Die nächste Krise kam aber schon wenig später beim Überwinden des 200m-Hügels nördlich von Eclépens. Wenigstens konnte ich dort an einem Trinkwasserbrunnen am Wanderweg bei km 33 meine Trinkwasservorräte auffüllen und mich selbst erfrischen. Die elende Kletterei führte mich an einem riesigen Steinbruch vorbei. Der Abstieg war dann mühsam, weil der Pfad zugewachsen und kaum sichtbar war. 17:30 Uhr hatte ich den Hügel jedenfalls geschafft, noch 17 km! Das eigentliche Tagesziel Yvonand war durch das langsame Vorwärtskommen und einige Irrwege an dem Tag unrealistisch geworden, ich wollte nur noch am Neuenburgersee ankommen und dann auf den nächstbesten Campingplatz.

Eine Stunde später in Chavornay bei km 42 waren meine Wasservorräte fast aufgebraucht und in dem Dorf gabs keine brauchbaren Läden, um Getränke zu kaufen und nur Brunnen mit der Aufschrift „Eau non potable!“. Also bin ich in meiner Verzweiflung in einen Feinkostladen (dort gabs Käse und andere Spezialitäten) und fragte nach Wasser. Die nette Inhaberin füllte meine beiden Flaschen auf und dann hab ich kurzerhand auch noch ein Fussbad in einem der Dorfbrunnen mit nichttrinkbarem Wasser genommen. Es war 18:45 Uhr und ich war gewappnet für die letzten 12 km.

Fussbad in Chavornay

Ab jetzt ging es nur noch geradeaus die Bahngleise entlang aber es zog sich. Ich folgte einem endlosen Betonweg an einem Acker entlang. Traktoren waren unterwegs, ein paar Autos und Velofahrer. Ich zählte die Kilometer rückwärts. 20 Uhr und ich sah das noch ca. 5 km entfernte Yverdon!

Kurz vor 21 Uhr erreichte ich nach 54 gelaufenen Kilometern mit letzter Kraft den Campingplatz Yverdon-Plage und checkte dort unter den neugierigen Blicken der anderen Camper ein (so ein Zelt hatten sie wohl noch nie gesehen…).

Auf dem Campingplatz Yverdon-Plage

Ich fühlte mich so schwach, dass ich beschloss, den nächsten Tag Pause zu machen und einen Tag länger in Yverdon zu bleiben und fand nach dem Duschen noch ein naheliegendes Restaurant, in dem ich 21:45 Uhr noch eine grosse Portion Spaghetti Arabbinata bekam.

Das war lecker!

Dann versuchte ich zu schlafen. Es war Vollmond und ich beobachtete durch mein durchsichtiges Zelt das Schauspiel der partiellen Mondfinsternis. Es war hart (warum hatte ich Dubbel nur keine Matte mitgenommen?) und um mich rum schnarchten alle. Wieder eine erholsame Nacht…

Tag 3, 17.07.2019 (Mittwoch), 42 km:

Ich erwachte 6 Uhr aus dem Halbschlaf einer schrecklich nervigen Nacht, alles tat einfach nur weh und um mich herum schnarchte es immernoch. Boah, war der Weg zum Klo lang und anstrengend. Ich konnte nur humpeln, an Rennen war heute wirklich nicht zu denken. Wieder zurück beschloss ich, diesen nervigen lauten Ort zu verlassen. Die nächste Nacht wollte ich wie eigentlich geplant im Wald bei der ca. 5 km entfernten Waldhütte bei Yvonand verbringen. Also packte ich zusammen, wusch meine stinkigen Sachen vom Vortag und meldete mich 8 Uhr an der Rezeption, um die eine kurze Nacht zu bezahlen. 27.40 CHF fand ich dann doch echt viel für die Nutzung von 2 m2 Wiese ohne Frühstück…

Ab dann machte ich jedenfalls Sideseeing in Yverdon, verspeiste ein Pain au Chocolat und ein Choco-Croissant zum Frühstück und ging geocachen. Meine nassen Rennersachen hingen derweil zum Trocknen am Rucksack. Ich merkte an dem Tag sofort, dass der Rucksack rieb, die Haut war vom stundenlangen Tragen wund geworden. Kurzerhand fand ich aber eine wirksame und praktische Lösung: ich cremte die wunden Stellen dick mit Penaten-Creme ein und stopfte meine noch nasse gefaltete Unterhose sowie die gewaschenen Laufsocken unter die Gurte. So gepolstert, tat nichts mehr weg. Ja und auch das Laufen ging wieder. So 10:30 Uhr fühlte ich mich gestärkt und recht fit und mir gingen die Ideen aus, den Tag herumzubringen, aber für über 60 km wars ja irgendwie auch zu spät und eigentlich ists ja auch gar nicht so unangenehm, einfach mal nix zu tun. Dann meinte jedenfalls plötzlich Valentin über Whatsapp, meine um 7 Uhr gewaschenen Sachen wären ja jetzt sicher trocken und ich könnt mir ja gut ein neues Ziel stecken, z.B. 40 km. Hmmm. Ja dann. Na gut. Also ein realistisches Tagesziel gesucht (der 42 km entfernte Campingplatz Culdrefin), umgezogen und los. Ich fühlte mich wirklich wieder fit, die leckeren Spaghetti vom Vorabend hatten mir Kraft gegeben.

Nach 90 min auf Asphalt in der prallen Sonne (45min davon einer Hauptstrasse ohne Radweg entlang) erreichte ich den Coop Yvonand. Nein, das Laufen machte gerade keinen Spass, die Strecke war hässlich, die Sonne nervig, es konnte nur besser werden. Ich füllte meine Trinkflaschen in Yvonand mit 2l billigem Multivitaminsaft auf, trank ein Redbull und ass eine Banane und ein paar Aprikosen. Weiter gings. Immerhin jetzt auf einem Radweg und es gab immermal wieder kurze schattige Abschnitte. Vom Neuenburgersee war aber nichts zu sehen, der lag irgendwo hinter vielen Bäumen, Sträuchern und Schilf. 3 km weiter an einem Trinkwasserbrunnen vor einem Sportplatz hab ich dann mein Laufshirt ins Wasser gelegt (ich hatte ein Bikinioberteil drunter) und nass wieder angezogen. Die Abkühlung tat gut! So erfrischt lief ich dann ca. eine Stunde durch ein Naturschutzgebiet mit sumpfiger Schilflandschaft und erreichte ca. 15 Uhr nach 22 gelaufenen Kiometern Estavayer-Le-Lac, ein wirklich schönes Städtchen mit alten Häusern, Brunnen und Gassen am Neuenburger See.

Estavayer-Le-Lac

Ich hab dort wieder mein Laufshirt mit Wasser getränkt und meine Wasservorräte aufgefüllt. Aprikosen hatte ich noch genug und auch noch eine Banane war im Proviantbeutel, den ich beim Laufen in einer Hand hielt (er passte einfach nicht mehr in den Rucksack…). Also schaute ich mich ein wenig um (das Städtchen war echt schön) und rannte dann aber weiter, ohne den etwas ausserhalb liegenden Migros anzusteuern.

Chateau von Estavayer-le-Lac

Die nächsten 9 km gings schattige Wege im Naturschutzgebiet entlang und ich konnte das Laufen wieder geniessen. Manchmal blinkte hinter dem ganzen Schilf sogar der See auf, auf jeden Fall war es ein schöner Weg in der Natur.

Kiesweg durchs Narurschutzgebiet

Als ich dann nach 32 km Gletterens erreichte, war ich dann doch sehr froh über das Glacé aus dem Denner. Nur noch 10 km bis Culdrefin! Es ging noch ein Stück auf einem Holzplanklenweg durchs Naturreservat, ehe der Weg nach links direkt zum Seeufer abbog.

Holzplankenweg durchs Naturschutzgebiet
Sumpfidylle am Neuenburgersee

Wow der war jetzt aber wunderschön! Nach dem nächsten Ort (Portalban) entdeckte ich neben einzelnen Ferienhäuschen dann eine unglaublich schöne allgemein zugängliche Badestelle.

die allerschönste See-Badestelle ever

Es war kurz nach 18 Uhr, die Sonne schien, eine bessere Gelegenheit zum baden würde sich heute wohl nicht mehr bieten. Also hab ich bei km 37 nur 5 km vorm Tagesziel meine Tour nochmals unterbrochen für 100 Schwimmstösse im Neuenburgersee. Der Strand war ganz flach und sandig, das Wasser glasklar. Hier wohnten viele kleine Fische. Es war herrlich.

Als ich mich immernoch beeindruckt von der schönsten Badestelle ever abtrocknete, kam plötzlich ein Opa vorbei und grinste mich an. „Uneinheimische“ gingen hier wohl nicht so oft baden und ich war mit meinem 100km-Biel-Finisher-Shirt und dem an der Bauchtasche fixierten Schlafsack sowieso ein ganz besonders interessantes Exemplar. Jedenfalls hab ich ihm mit meinem eingerosteten Französisch erklärt, dass ich auf einem Trail unterwegs bin und das nächsten Tagesziel heute Culdrefin wäre. Auf die Weise hab ich dann auch gleich noch erfahren, dass Culdrefin einen FKK-Strand hat 🙂

Erfrischt und glücklich kam ich 19:30 Uhr jedenfalls in Culdrefin an und entdeckte neben dem öffentlichen Dorfstrand mit Grillstelle einen idealen Winkel zum Campen. Schnell stand das Zelt, ich zog mich um, wusch meine Sachen und brach auf Richtung Campingplatz, um noch etwas zum Essen zu suchen.

wild Campen in Culdrefin

Der Denner hatte ja nun leider schon zu, ich war also verzweifelt auf der Suche nach einem Restaurant. In Culdrefin fand ich zum Glück ein Bistro und ass Käseschnitte. Nicht so toll wie die Spaghetti am Vorabend aber was besseres hatten sie nicht und es machte immerhin satt.

Mein Nachtessen am 3. Tag

Duschen musste ich an dem Abend nicht mehr, das Bad im See hatte gereicht. Aber ich war natürlich froh über das Campingplatz-WC und lud meine leere Powerbank über Nacht im Damen-Waschraum auf. Manchmal muss man einfach Vertrauen haben, sie war am nächsten Morgen jedernfalls noch da, aber leider nur partiell aufgeladen, da das Kabel kaputt war (Wackelkontakt…).

22 Uhr machte ich mich auf den Rückweg zum Zelt.

Abendstimmung am Hafen von Culdrefin

Als ich dann eine Stunde später an meiner „privaten“ Badestelle am See sass und die Zähne putzte, war das wieder so ein Moment, den ich nicht vergessen werde. Die Wellen plätscherten, ich war ganz allein, es war dunkel und es war so ruhig und friedlich. Man sah am anderen Seeufer die Lichter von Neuchâtel.

Wieder im Zelt machte ich schnell das Licht aus, weil es kamen Einheimische mit Hunden vorbei. Dann war es ganz still, nur der monotone Klang der Wellen. Das hätte jetzt eine wundervoll entspannende Nacht werden können. Hätte. Wenn Conny eine Matte dabei gehabt hätte. So war es einfach nur verdammt hart. Härter als die Nächte davor, weil der Untergrund war einfach Erde und die Strandwiese nebenan sehr gepflegt, so dass ich auch kein Material zum Polstern beschaffen konnte. So lag ich wach, bis die Sonne aufging und zählte die ab Mitternacht lautstark quakenden Frösche.

Tag 4, 18.07.2019 (Donnerstag), 58 km:

Am nächsten Tag 6 Uhr erwachte ich totmüde und zerschlagen aus einer Art schlafähnlicher Benommenheit und wusste, ich musste los. Heute wollte ich 58 km schaffen bis Solothurn, dafür musste ich spätestens 8 Uhr loslaufen, besser schon vorher.

Beim Zusammenpacken merkte ich, dass das Zelt innen und aussen pottdreckig war. Die Laufschuhe hingen voll Dreck und ich hatte sie zum Schutz vor Schnecken in der Nacht ins Zelt genommen und die Zeltunterseite war auch braun durch den erdigen Untergrund. Also war früh halb 7 erstmal Zeltwaschen angesagt, dann Zusammenpacken und kurz nach 7 Uhr lief ich los Richtung Camping Culdrefin. Da lag ja auch noch meine Powerbank im Waschraum, ich putzte Zähne und setzte die Kontaktlinsen ein. 7:40 Uhr war ich wirklich parat und hatte einfach keine Lust, noch die Viertelstunde bis zum Öffnen des Denners abzuwarten. Ich wollte meine restlichen Datteln frühstücken und hatte totmüde irgendwie übersehen, dass der nächste mögliche Verpflegungspunkt in Lüscherz nicht 6 km sondern ganze 16 km entfernt war… So machte ich mich zerschlagen und hungrig früh 7:45 Uhr auf den Weg nach Solothurn.

Auf zum Bielersee!

Es ging dann kilometerweit einfach an Äckern entlang, ich kam aber noch einigigermassen zügig voran, sah 9:40 Uhr zum ersten Mal den Bielersee und erreichte kurz nach 10 Uhr den Landi in Lüscherz. Das war einfach eine mit zu verkaufenden Sachen vollgepackte Scheune. Erst nachdem ich dort zwei warme Energydrinks (den Rest der Grosspackung liess ich stehen) und 2l Orangensaft gekauft hatte, verriet mir die Verkäuferin, dass es um die Ecke auch noch einen Denner mit gekühlten Drinks und fester Nahrung gab. Also trank ich auf nüchternen Magen das eklige warme Landi-Gesöff (ich hatte es ja nunmal gekauft, die 2. Dose hab ich später dann aber weggeworfen) und mir wurde noch schlechter. Der Puddingplunder aus dem Denner machte es auch nicht viel besser. Die Sonne brannte erbarmungslos und ich war schlapp und mir war speiübel. Dann verwechselte ich den Abzweig und lief auf einer Hauptstrasse ohne Fussgängerstreifen einen unangenehmen Umweg bergauf. Irgendwann endlich der Radweg am See, den ich vom Ultrabielersee kannte.

Wasserwerk Hagneck

Noch 42 km bis Solothurn und ich schleppte mich nur langsam vorwärts und musste ständig Pausen machen… 11:30 Uhr dachte ich an Aufgeben. Oder an irgendwie bis Biel kommen und dort dann spätestens aufgeben. Aber irgendwie biss ich die Zähne zusammen und es ging weiter. 12:30 Uhr sah ich vor mir eine Badestelle und wollte erst einfach das Shirt nassmachen. Weil es aber soo anstrengend ist, das nasse langärmelige Shirt wieder anzuziehen und mir soo schlecht war, ging ich kurzerhand einfach mit Sachen baden. Das tat sehr gut.

Hier bin ich mit Shirt an im Bielersee baden gegangen


erschöpft aber erfrischt

14 Uhr erreichte ich Biel und mir war zu diesem Zeitpunkt seit ganzen 4 Stunden übel. Ich hatte mich bis hierher gekämpft, das Tagesziel war aber noch weitere 27 km entfernt.

Biel: Brücke über den Nidau-Büren-Kanal

Ich hab nicht viel nachgedacht, als ich dann am Bahnhof vorbei weitergelaufen bin. Es wär einfach zu schäbig gewesen, aufzugeben. Schliesslich war mir „nur“ schlecht und ich war müde, die Beine funktionierten aber immernoch einwandfrei.

Es folgten 6 endlose Stunden Quälerei. Ich war übermüdet und am Ende aber es ging trotzdem immer irgendwie weiter, meistens marschierend. Ab Pieterlen hätte ich jederzeit in irgendeinen Zug steigen können (die Strecke führte an Bahngleisen und Bahnhöfen entlang), ich wollte aber nicht aufgeben. Also nutzte ich einfach jede Gelegenheit zum Pause machen, hielt mein Kopftuch nass und kam dem Ziel unheimlich langsam aber stetig immer näher. Einige Passanten schauten mich erschrocken an, ich bot mit meiner ganzen Erschöpfung wohl ein schlimmes Bild. 19 Uhr waren es dann nur noch so 3 km bis zum TCS Campingplatz, Solothurn war in Sichtweite und ich bog rechts zur Aare ab. Ich wusste, dass ich es nicht weiter als bis zum Campingplatz schaffen würde (eigentlich hatte ich geplant, dort nur zu duschen und dann irgendwo im Wald mein Zelt aufzubauen), also suchte ich nach einem Stecken zum Stabilisieren des Zeltes, fand ihn auch und schnitt ihn zurecht. Da hab ich mich dann an der Säge meines Taschenmessers leicht geschnitten, es hat etwas geblutet und ich hab erstmals mein Verbandszeug gebraucht. Den Stecken benutzte ich dann als Wanderstab und lief wieder los und merkte ab dann ein Stechen im linken Knie. Joggen war plötzlich nicht mehr möglich. Zum Glück warens nur noch 20 min bis zum Ziel, die sich durch die Schmerzen sehr zogen. Am Ziel angekommen, testete ich die Funktion des Knies. Einknicken war nur unter schlimmen Schmerzen möglich. Ich hab noch kurz überlegt, ob es Sinn macht, im Campingplatz einzuchecken und den nächsten Tag abzuwarten, dann hab ich aber doch die nächste Verbindung nach Hause genommen. Zum Glück war vor dem Campingplatz eine Bushaltestelle.

Heimreise mit schmerzendem Knie

Im Nachhinein kann ich sagen: Es war eine gute Entscheidung gewesen. Am nächsten Tag gings dem Knie zwar besser aber es war noch nicht wirklich komplett wieder gut, ein weiterer Ultra hätte mit Sicherheit zu Schäden geführt.

So endete mein Weg am Tag 4 in Solothurn statt nach 5 Tagen in Auenstein (eigentlich hatte ich ja vor gehabt, von Genf nach Hause zu laufen). Aber hey: es sind ganze 195 km geworden und ich habe so schöne Dinge gesehen und so wertvolle Erfahrungen gesammelt. Ich weiss jetzt, dass ich einen Ultra-Trail schaffen kann und was ich dazu mitnehmen muss.

Das nächste Mal auf jeden Fall auch eine Matte 🙂



100km Biel 2019

Vor diesem Lauf wollte sich bei mir keine Vorfreude einstellen, ich hatte einfach viel zu wenig trainiert. Ich war wochenlang angeschlagen (nach den 79 km beim SUT war mein rechtes Fussgelenk zum Beispiel tagelang geschwollen und tat noch eine weitere Woche weh…) und habs aber auch schleifen lassen und war ziemlich sicher, jetzt beim Bieler die Abrechnung dafür zu bekommen. Ausserdem zeichnete sich ab, dass Valentin den 100er wegen regelmässig nach höchstens 20 km auftretenden Schmerzen an der rechten Achillessehne nicht würde finishen können.

Trotzdem standen wir beide am 6. Juni kurz vor 22 Uhr motiviert an der Startlinie. Es nieselte, war aber noch einigermassen warm. Wir beide trugen Regenjacken und stellten uns auf eine verregnete Nacht mit Wind und knapp über 10 Grad ein.

Dann gings los, die ersten Momente waren wieder Hühnerhaut pur, die perfekte Musik und der Jubel in den Strassen, wir wurden wie Helden in die Nacht verabschiedet.

Bald holten uns aber ganz triviale Probleme ein. Die Toiletten am Start waren kurz vor vorm Losrennen überfüllt und wir beide hofften auf den ersten Verpflegungsposten bei 3.5 km. Dort hatten die Veranstalter aber keine mobile Toilette aufgestellt. Die Rettung war dann irgendwo am Stadtrand von Biel eine kleine Bar am Strassenrand…

Gegen 23 Uhr nahm Valentin seinen im Laufrucksack platzierten mobilen Lautsprecher in Betrieb und wir hörten die Live-Berichterstattung von Radio Blitz, bei der auch Musikwünsche der Läufer erfüllt wurden. Valentin hatte DJ Bonsai, der ab 23 Uhr on air war, ja ein paar Tage zuvor eine ganze Liste spannender Songs geschickt und war dann irgendwie der Musicstar der Nacht 😂

Bis ca. Km 20 waren wir recht flott unterwegs und fühlten uns gut, alles schien möglich zu sein. Es regnete immernoch und war zudem noch recht windig. Wir waren beide froh über die Regenjacken, die hielten warm und schützten vorm Wind. So gegen Mitternacht sagte mir Valentin dann, dass ihm das Laufen alles andere als leicht fallen würde. Eine halbe Stunde später (nach ca. 20 km) meldete sich die Achillessehne am rechten Bein, wir marschierten und hatten die Hoffnung, dass es durch die geringere Belastung besser werden würde. Leider wurden die Schmerzen schlimmer und kurz nach 1 Uhr stand fest, dass Valentin den Lauf am nächsten Verpflegungsposten bei 26 km abbrechen würde. Ich war traurig. Ich wusste, was ihm der Lauf bedeutete und hatte mir so gewünscht, dass er es schaffen würde.

Er schaute mich an und sagte „Du schaffst das.“ und ich hätte heulen können. Es war halb 2 Uhr nachts, es war kalt, es regnete und zwischen mir und dem Ziel lagen 74 km… Aber ja, ich muss ja auch mal alleine was in die Reihe kriegen. Nun gut, ich konnte ja erstmal ein Stück weiterlaufen und schaun, was passiert. Also hab ich ihn, nachdem klar war, dass er mit den Sanitätern bald zurück nach Biel fahren konnte, schweren Herzens zurückgelassen. Ab jetzt war ich allein allein 😐

Valentin übergab mir aber noch seinen Lautsprecher und machte mein Handy Radio-Blitz-tauglich, und so vergingen die 4 km bis zum nächsten Verpflegungsposten trotz schwerer Beine recht schnell, stolz schickte ich ihm ein Foto vom 30 km Verpflegungsposten.

Nein ich wollte nicht einfach aufgeben, es war gerade alles doof aber jetzt war ich schonmal da und wollte soviele der 18 Verpflegungsposten wie möglich mitnehmen. Ich hatte nämlich schon 2 Wochen vorm Lauf eine geniale Abreissliste von Valentin geschenkt bekommen- auf jeder der 18 Seiten standen 3 Zahlen: Nummer des Verpflegungsposten, Kilometer bis zum nächsten Verpflegungsposten, Gesamtkilometer. So dachte ich immer nur bis zum nächsten Posten und riss immer, wenn ich einen erreichte, stolz ein Zetteli ab. Das half mir die nächsten Stunden enorm. Ein weiterer Aufsteller kam kurz nach 2 Uhr via Whatsapp: Valentin schrieb mir, dass er jetzt zurück in Biel wäre aber statt nach Hause zu fahren gleich den nächsten Shuttle nach Kirchberg nehmen würde um mich dort zu begrüssen bei km 56. Das hat mich total gefreut! Von dem Moment an hiess es: auf und die 24 km bis nach Kirchberg schaffen. Mir gings wirklich nicht gut und diese Motivation und die Ablenkung durchs Radio haben mir über die nächsten 3h geholfen.

Bei km 35 wurd mir am Verpflegungsposten dann übel. Ich erkannte aber zum Glück schnell den Grund, zog die Regenjacke aus (es war ca. 3 Uhr und hatte aufgehört zu regnen) und beseitigte den Hitzestau. Nur mit 2 Schichten (langärmeliges T-Shirt und darüber ein normales T-Shirt, statt mit eng anliegender Unterwäsche hatte ich die Brust diesmal mit Tape-Band vorm Wundwerden geschützt- grandiose Idee) ging die Übelkeit dann bald weg. Schon kurze Zeit später fror ich aber (obwohl ich zügig und ohne Marschierpausen unterwegs war) und zog mir die zum Glück im Rucksack noch mitgeführte Laufjacke über. Die war atmungsaktiv und hielt warm genug, um bis zum Sonnenaufgang nicht zu frieren. Ich kam die nächsten Stunden an vielen Läufern vorbei, die in sehr sommerlichen Sachen unterwegs waren und bei nur 10 Grad und Wind sicher kalt hatten. Es war so frisch, dass meine Hände sich eisig anfühlten und ich sie im Stoff der Jacke versteckten musste. Immer wieder wurden bei Radio Blitz Songs aus der Wunschliste von Valentin gespielt. Ich freute mich an der Musik und sang manchmal mit. Diese Ablenkung half mir über die schwerste Zeit.

km 47.5: Jegenstorf geschafft!

4:50 Uhr, nach fast 7 h Lauf, erreichte ich dann das 50 km-Schild und machte stolz einen Selfie.

Das am letzten Verpflegungsposten bei 47.5 km konsumierte Coffeingel wirkte, ich fühlte mich wach, es tat nichts mehr weh und ich war guter Dinge es noch weit zu bringen. Kurz nachdem ich die halbe Strecke geschafft hatte, meldete dann Radio Blitz den Zieleinlauf des Spitzenläufers. Krass, 100 km gefinisht in nur 7h und 1min… Die Berichterstattung war dann nicht mehr so spannend und ich stellte das Radio ab. Das Vogelgezwitscher im wunderschönen Waldstück kurz vor Kirchberg war viel schöner. Die feuchte Morgenluft roch so gut und ich erinnerte mich, dass ich an genau dieser Stelle bei ca. Km 53 auch letztes Jahr voll im Hoch gewesen war. Gegen 5:15 Uhr fühlte ich mich wunderbar und war immernoch hellwach. Was jetzt vor mir lag, war nichts Neues, ich war ja schon ein paar Mal nach Karaoke-Veranstaltungen 5 Uhr morgens 22 km nach Hause gejoggt, die nächsten 3 Stunden würd ich also auf jeden Fall schaffen.

Gegen halb 6 (es war hell geworden und ich brauchte die Stirnlampe nicht mehr), lief ich dann fröhlich in das Areal der Mehrzweckhalle Kirchberg ein und wurde von Valentin begrüsst. Kurz nach dem Abstoppen kam dann aber gleich wieder ein Übelkeitsanfall. Ich war sehr froh, im Dropbag 2 Redbull stationiert zu haben, eines trank ich sofort halb aus, das zweite nahm ich als Geheimwaffe gegen eine weitere Übelkeitsattacke mit. Und weiter gings mit leichterem Gepäck (ich gab Valentin seinen Lautsprecher zurück und konnte die Laufjacke und einigen unnötigen Ballast wie die mitgeführte Thermowäsche und eine 1. Hilfe-Tasche im Dropbag zurücklassen), es lagen ja noch 44 km vor mir.

Ab jetzt konnte ich die Kilometer rückwärts zählen, ich war „überm Berg“.

Ich war in der zweiten Hälfte und kam an vielen bekannten Stellen vorbei (durch den Lauf Jegenstorf-Biel schon 3x abgelaufen). Ein Highlight war kurz hinter Geralfingen der „lachende“ Hahn (im Dezember war er wohl im Stall aber beim letzten Bieler haben wir durch ihn ziemlich Spass gehabt).


Ab dem Selfie bei km 70 wusste ich dann irgendwie, ich konnte es schaffen. Es tat nichts mehr weh (nicht mal die rechte Ferse), ich war wach und fit und musste einfach nur immer mal wieder gegen Übelkeit ankämpfen. In Bibern (km 78) war mir schlecht und ich fühlte mich entkräftet.

Verpflegungsposten Bibern, km 78
nach Bibern gings steil bergauf

Da kam die längere Marschierpause am Anstieg gerade recht. Abwärts bin ich flott gerannt, es ging deutlich besser.

Beim Verpflegungsposten 81 km (Lyss) hab ich dann auf dem WC (kein mobiles WC sondern ein richtiges) meine Schlauchmütze nass gemacht und als Sonnenschutz und zur Abkühlung aufgesetzt. Das und das konsumierte Gel half sofort gegen die Übelkeit.

Ab jetzt war die Reststrecke wirklich machbar aber ich hatte durch die Übermüdung auch Probleme, aufmerksam zu sein. Über das letzte „langweilige“ Stück des Laufes war ich deshalb wirklich froh. Immer an der Aare lang, einfach geradeaus zum Ziel auf einem lauffreundlichen Kiesweg, genau wie die letzten 15 km meiner am meisten gelaufenen 35km-Trainingsstrecke (von Brugg nach Auenstein).

Die Sonne und die Wärme erschwerten diese letzten Kilometer. Es zog sich und mir war immer wieder leicht übel, aber hey, mir tat nichts weh! Was mich bisher kein Stück interessiert hatte, war die Zeit. Jetzt so kurz vorm Ziel, zeichnete sich aber ab, dass sie besser werden würde als 2018, ich konnte sogar unter 14 h finishen. Obwohl ich um das zu schaffen nur 40 min Puffer für die letzten 5 km hatte, machte ich am letzten Verpflegungsposten dann nochmal 5 min Pause: nochmal aufs Klo, umziehen (es war halb 12 und pralle Sonne und zu warm mit 2 Schichten und langem Laufshirt), dann hab ich noch meine Kopfbedeckung nass gemacht und das mitgenommene Redbull halb ausgetrunken. Und dann fühlte ich mich fit und rannte los. Noch 4.5 km bis zum Ziel! So kurz vor Biel standen am Wegrand immer wieder Menschen, die mir applaudierten und mir gute Wünsche zuriefen. Ich überholte dutzende Läufer, die nur noch marschieren konnten und auf diesen letzten Kilometern von Velobegleitern motiviert wurden. Mir gings super. Die Beine waren locker, der letzte Boxenstopp hatte mir Kraft gegeben. Der letzte Kilometer dann schnell, ich konnte die 14 h noch knapp unterbieten! Ca. 300 m vorm Ziel wartete dann tatsächlich Valentin am Strassenrand und rannte die nächsten 100 m neben mir. Freude pur!!! Alleine bog ich dann in den Finisherbereich ein und gab nochmal alles!

mein Zieleinlauf

Nein, die 100 km hatten mich nicht totgekriegt, da ging noch was! Alle jubelten, mein Name wurde durchgesagt ich hatte es nach 13h 59min und 24 sec geschafft! Und völlig unerwartet stand dann auch noch im Ziel mein Mann vor mir. Damit hatte ich nicht gerechnet. Sooo lieb!! Jetzt hatte ich einen Taxi-Service nach Hause. Ich war einfach nur wahnsinnig glücklich über diesen Moment und glücklich, es ganz alleine geschafft zu haben.

79 km durchs Fränkische Seenland- der SUT am 27.04.2019

Der 146 km Seeländer Ultra Trail 2019 sollte mein erste Lauf über 100 km werden. Ich war entsprechend hoch motiviert und habe mich wochenlang darauf vorbereitet. Am Wettkampftag kam ich nach 79 km dann aber an einen Punkt mentaler und körperlicher Erschöpfung, den ich aus eigener Kraft nicht überwinden konnte und musste aus dem Wettkampf ausscheiden.

Das wäre die grobe Bilanz eines Tages, der es auf jeden Fall verdient, detailliert beschrieben zu werden, was ich im Folgenden tun möchte.

Alles begann am Abend des 11. Januar 2019. Die Tage vorher hatten Valentin und ich schon hin-und herüberlegt, an welchem längeren Lauf wir als Vorbereitung auf Biel am letzten Aprilwochenende teilnehmen könnten (da hatte Valentin sturmfrei und ein paar Tage Zeit). Es hat aber alles nicht so richtig gerockt oder war zu teuer oder nicht mit dem Auto erreichbar, ja und dann schneite plötzlich sein Kommentar via Whatsapp herein: Oh gugge mol das isch doch moln schicker Ultra un die hen gerad no zwöi Plätz frei! Ups sorry der is jo 146km…

10min und viele Lachsmilies später waren wir beide angemeldet, noch am gleichen Abend zahlten wir die Startgebühr ein und ich buchte eine günstige Ferienwohnung in Gunzenhausen. Das grosse Abenteuer hatte begonnen.

Gut 3 Monate nach diesem schicksalsträchtigen Abend fuhren wir beide gut gelaunt bei strömendem Regen im Auto Richtung Nürnberg. Wir wussten, dass unsere Vorbreitung diesmal nicht ideal gewesen war. Ich hatte es trotz Trainingsplan manchmal schleifen lassen. Den ganzen April war ich dann sogar fast gar nicht mehr gerannt wegen Schmerzen in der rechten Ferse (ja genau, nicht mehr in der linken…). Bei Valentin sahs in Sachen Vorbereitung sogar noch schlimmer aus und ich machte mir ernsthaft Sorgen, dass seine Kondition mangels Trainingskilometern für diese extreme Strecke nicht ausreichen würde.

Aber egal, wir gingen es trotzdem an. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Am 27.04.2019 früh um 7 Uhr stellten wir uns nach einer kurzen Nacht mit wenig Schlaf und einem für die Läufer bereitgestellten köstlichen und reichhaltigen Frühstück im Seehotel Langlau fröhlich und motiviert an den Start des 1. Seenländer Ultra Trails und los gings.

kurz vorm Start des SUT 2019

Im Pulk recht flott erstmal flach am Brombachsee entlang und immer den ca. aller 200m angebrachten kleinen Schildern des Wanderwegs „Seenländer“ entlang. Eigentlich sofort hatte ich die Idee, aus dem Finden der Schildli eine Art Wettkampf zu machen. Wer eines sah, machte „Meep!“ und krichte nen Punkt und ich versuchte, die Punkte zu zählen.

Was soll ich sagen, Valentin ist ein ganz grosser Meeper, ich konnte gar nicht so schnell mitzählen und so schmissen wir die Punktewertung über Bord und meepten aber trotzdem weiter. Das machte Spass und zwang uns zum Suchen nach den teilweise nicht einfach zu findenden Aufklebern und Schildern.

Trotzdem verliefen wir uns ein paar Male, einmal wars besonders anstrengend weil in der Mittagssonne (ich war in meiner Thermowäsche am Schwitzen und dadurch recht k.o.) als wir einen Pfeil an einem der Schilder übersahen. Ein anderes Mal ca. 12:30 Uhr bei strömenden Regen und über 30 gelaufenen Kilometern in Laffenau. Seit einiger Zeit war kein Schild mehr gekommen, wir wussten, irgenwas stimmte nicht und stellten uns kurz unter das Vordach eines Einfamilienhauses, um im Trockenen die Lage zu peilen. Schwupps ging die Tür auf und eine freundliche Laffenauerin strahlte uns an und fragte fröhlich, ob wir nicht reinkommen und nen Kaffee mit ihr trinken wollten. Haben wir dankend abgelehnt, weil wir ja mitten im Wettkampf standen, aber wir waren geflasht von soviel spontaner Gastfreundschaft. Zusammen fanden wir aber den Fehler in unserer Route, wir hatten einen Abzweig nach links im Dorf verpasst.

Der Regen am Mittag tat ehrlich gut. Vorher war es oft viel wärmer und sonniger gewesen, als erwartet. Ab 10 Uhr und nach ca. 20 gelaufenen Kilometern fühlte ich mich immer wieder überhitzt und das genau in der Phase des Laufes (20-35 km), in der ich am meisten zu kämpfen habe. Ich musste das Tempo stark drosseln, damit mir nicht schlecht wurde und Valentin (der mit kurzen Laufhosen und viel leichterer Bekleidung fröhlich vorneweg lief) immer wieder sagen, dass ich nicht so schnell könne wie er.

Dazu kamen ab km 20 dann noch Schmerzen an der Oberseite vom rechten Fuss. Die gewohnten Fersenschmerzen traten dagegen völlig in den Hintergrund. Durch diese Beschwerden war jedes Marschieren sehr schmerzhaft. Langsames Joggen war ok, nur nicht zu schnell, dann wurd mir ja wieder übel.

Momentaufnachme nach 43 km am Gasthof Fuchsmühle um 13:20 Uhr: Valentin hatte zwar schwere Beine, war aber insgesamt gut zwäg und hatte noch viel Energie, ich bekam (es war wieder warm!) eine richtig heftige Übelkeitskrise. So heftig, dass nichts mehr ging.

Beim Pfäffikersee Ultra Run hab ich im Januar nach 44 km und 5 Runden um den See genauso erschöpft auf dem Parkplatz gesessen und dachte, das wars, die letzte Runde schaffst Du nicht mehr. Was in der Situation wirklich geholfen hatte, war Coffein in Form von einem Redbull. Das hat dem Kreislauf gut getan und mich direkt in ein Hoch karapultiert.

Der Gasthof Fuchsmühle hatte aber leider keine Energydrinks im Angebot. Was mich dann rettete, war eines meiner Gele, Geschmacksrichtung Mojito mit Coffein. Die Übelkeit wurde praktisch sofort besser und es ging die 5 km bis zum Checkpoint 4 konstant weiter. Die Pause dort baute mich wieder auf. Ich nahm ein weiteres Gel, trank Cola und ass eine Banane. Ausserdem entdeckte ich die Tüte Studentenfutter in meinem Proviant. Mein Körper weiss eigentlich immer recht gut, was er braucht und beim Anblick von Rosinen und Nüssli hatte ich ein gutes Gefühl während ich die hartgekochten Eier beim Verpflegungsposten nur anschauen musste und mir wurde wieder übel.

Das alles machte, dass es mir die nächsten ca. 5km richtig gut ging. Es tat nichts weh, die Temperaturen waren angenehm und ich war im Laufflow. Wir machten bei km 51 an einer grossen Schleuse halt und winkten den hunderten Passagieren eines grossen Ausflugsdampfers zu, liefen ein Stück den Rothsee entlang und waren dann bis km 54.5 auf gerader Strecke am Main-Donau-Kanal unterwegs. Mir gings super und ich hatte ein ausgeprägtes Hoch. Wir kamen wieder zum Ortseingang von Eckersmühlen (Checkpoint 4 und 5 wurden vom gleichen Posten betreut, als Läufer rannte man einfach eine 10 km Runde und kam wieder nach Eckersmühlen zurück) und ich freute mich zu früh, denn der Checkpoint kam und kam nicht. Der Weg zog sich obwohl wir ja schon im Ort waren noch ca. 4 km in die Länge. Mir wurde wieder zunehmend schlecht, ca. 1km vom Checkpoint gings mir so dreckig, dass ich wieder ein Gel brauchte, es war schlimm… So brauchten wir für die 10 km-Runde ganze 90min und erreichten den Checkpoint 5 ca. 15:45 Uhr (spät aber rechtzeitig vor der Deadline um 17 Uhr).

Ich ass Studentenfutter, trank Cola und ass eine Banane und mein Zustand besserte sich. Wir waren 59 km gelaufen und parat für die nächsten 12 km bis zum Checkpoint 6 bei 71 km.

Es ging jetzt vor allem durch wunderschöne Wälder und ich kam schon bald nach dem Verlassen von Eckersmühlen in ein wunderbares Hoch. Ja man kann sogar sagen, ich war einfach nur im Flow und high vom Laufen. Jenseits der 60 km vergass ich plötzlich, dass das Ganze ein Wettbewerb war. Nein, wir waren in Michis wunderschönem Ultra-Garten und durften darin herumtoben soviel wir wollten! Ich hatte Spass und fühlte mich leicht und frei. Das Rennen ging von alleine und nichts tat weh. Valentin gings nicht ganz so gut. Er hatte Beschwerden im rechten Knie und konnte öfters nur marschieren. Er wirkte niedergeschlagen und erschöpft. Als die Kraft nicht mehr zum Meepen (unser Spiel mit den Schildli des Seenländers) reichte, wusste ich: es war höchste Zeit für meine Geheimwaffe: die Crazy-Runners-Playlist. Ich hatte extra dafür ja einen Bluetooth Lautsprecher im Rennerrucksack.

Die Musik brachte die nötige Ablenkung und wir waren zwar langsam aber guter Dinge, es mit der Kombination Marschieren/ langsamem Joggen noch weit zu bringen.

So erreichten wir ca. 18 Uhr den Checkpoint 6 bei km 71, tankten dort auf und joggten genauso positiv eingestellt und mit Musik weiter. Das Wetter hielt und ich war immernoch im Laufflow. Die nächsten 6 km gings durch den Wald, gegen 18:45 Uhr kam oben in den Baumwipfeln ein Sturm auf und kurze Zeit später hat es einfach nurnoch geschüttet. Valentin und ich trugen Windjacken und wurden klatschnass. Ich hatte eigentlich noch eine wasserfeste Regenjacke dabei, liess sie aber zum Schutz der Elektronik (Handy, Powerbank) im Rucksack, da ich Angst vor einem erneuten Hitzestau durch die wasserdichte Jacke hatte. Für vorübergehende Schauer war die schnell trocknende Windjacke die bessere Wahl aber dieser starke Regen endete nicht und es wurde Abend und immer kälter. Wir beschlossen ca. bei km 76, beim nächsten Checkpoint auszusteigen und trafen gleich darauf einen unserer Mitstreiter (einen Läufer in unserem Alter mit Stöckern, dessen Namen ich leider vergessen habe), der auch aussteigen wollte. So ging es gemeinsam weiter. Meine Hände waren eiskalt und so hielt ich bei km 77.5 auf einem Feldweg an, um meine Laufhandschuhe anzuziehen. Die Männer liefen langsam weiter, um in Bewegung zu bleiben. Ich weiss noch, dass ich sie fast nicht mehr sah, aber meine Fingerhandschuhe immernoch nicht anhatte. Meine Hände schmerzten vor Kälte und waren nass und ich bekam die Handschuhe nur mit viel Mühe irgendwie schief übergezogen. Da ich schon so lange stand, begann ich nun auch am ganzen restlichen Körper zu frieren. Ich kramte verzweifelt (immernoch ungeschützt im strömenden kalten Regen) meine Erste-Hilfe-Kälteschutzdecke aus dem Rucksack und wickelte sie mir um und joggte so ganz langsam den Männern (die umgekehrt waren, um nach mir zu schauen) entgegen und kämpfte dabei mit Übelkeit und Schwäche. Ich war mental irgendwie beim Anziehen der Handschuhe zusammengebrochen.

Wir schleppten uns den Kilometer bis zum nächsten Ort (Oberbreitenlohe). Dort trennte sich die Dreiergruppe auf. Valentin und ich stellten uns kurz unter, damit ich das letzte Coffeingel zu mir nehmen konnte um die Übelkeit zu besiegen und starteten dann in Richtung Checkpoint 7. Es waren noch 5 km. Nach dem Gel ging es mir leicht besser aber im nächsten Ort (Unterbreitenlohe) wurde mir bewusst, dass es in dem langsamen Tempo noch 40 min dauern würde, bis wir den Checkpoint erreichen. 40 min durch den Wald im starken Regen und es wurde immer kälter. Ich überredete Valentin, einen Notruf abzusetzen und hier in Unerbreitenlohe auf Hilfe zu warten.

Zuerst stellten wir uns in einem Schopf unter. Valentin war stark unterkühlt und zitterte am ganzen Körper während er seine Rettungsdecke ausbreitete. Wir froren beide stark und beschlossen, im erstbesten Haus nachzufragen, ob wir uns einfach in den Flur setzen dürfen.

Der Hausherr muss sich nichts Gutes gedacht haben, als er die beiden goldigen Gestalten (wir hatten die Rettungsdecken um) vor seiner Haustür erblickte. Zögerlich öffnete er einen Spalt und meinte: „Wir kaufen nichts.“

Wir konnten ihn dann aber davon überzeugen, dass wir nichts Böses wollten und wirklich Hilfe brauchten und kurze Zeit später wurden wir von der im Erdgeschoss wohnenden Oma, dem etwas hilflos wirkenden Mann, der uns hereingelassen hatte, und seiner tatkräftigen Frau mit Hilfeleistungen überschüttet. Die Oma bestand zum Beispiel darauf, dass wir nicht auf der kalten Treppe sitzen durften und legte uns persönlich Arbeitsjacken unter. Uns wurden Decken umgehängt, Tee gekocht und sogar Wärmflaschen gereicht. Eine wahnsinnig nette Familie!

Nach ca. 30min holte uns Michi Snehotta der Organisator des Seenländers Ultras persönlich mit dem Auto ab und brachte uns zum Hotel zurück. Wir bekamen dort heisse Brühe und durften uns im Wirlpool im Wellnessbereich des Hotels aufwärmen. So kamen wir bald wieder etwas zu Kräften und waren mit dabei, als die ersten Finisher das Ziel erreichten.

Es gibt vieles, was mir an diesem Lauf gefallen hat. Ich war zum Beispiel absolut fasziniert von den wunderschönen Landschaftsbildern. Grossartig fand ich auch alles, was den Läufern von der Seite des Seehotels Langlau geboten wurde (Frühstücksbuffet, kostenlose Parkplätze, Verpflegung im Finisherbereich, Zugang zum Wellnessbereich nach dem Lauf). Der familiäre Rahmen (unter 40 Teilnehmer) der SUT-Premiere war schön und dass wir ja jetzt sozusagen SUT-Teilnehmer der ersten Stunde sind und auch die Ausstattung und nette Betreuung der Checkpoints (es gab schon ab km 36 Cola, Riegel, Bananen, u.v.m.). Der Einsatz, den das ganze OK-Team des Laufs am Wettkampftag zeigte, war der Wahnsinn.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich beim Seenländer Ultra Trail 3 grosse Probleme hatte:

  1. Schmerzen am rechten Fussgelenk. Die Sehne hatte sich entzündet, der Fuss ist heute 3 Tage nach dem Lauf schon wieder recht beweglich aber immernoch geschwollen.
  2. Übelkeit. Wahrscheinlich wegen Überhitzung durch die Thermowäsche
  3. Schwierigkeiten bei der Orientierung. Man folgt während der ganzen Strecke kleinen Schildern und Aufklebern im Abstand von 100 -200m

Ich habe mich heute für den SUT 2020 angemeldet und will diese 3 Probleme bis dahin in den Griff bekommen und den nächsten Seenländer Ultra Trail auf jeden Fall finishen.

77.77 km

Schon vor einem Jahr hatten Valentin und ich die Idee, als Ultra-Training einmal gemeinsam von Auenstein nach Rikon zu laufen, also von West nach Ost ca. 70 km quer durch die Deutschschweiz. Eine Strecke, für die man mit dem Auto gut 1h unterwegs ist.

Die Herausforderung war so geil, dass ich sie dann gestern alleine anging. Valentin fühlte sich noch nicht fit genug für die Distanz und wollte mich aber die letzten 10 km bis Rikon begleiten.

So fuhr ich früh 7 Uhr mit dem Zug nach Aarau (ich wollte von dort starten, um auf mindestens 75 km zu kommen) und 7:30 Uhr lief ich dick eingemummelt und ziemlich müde bei nur 1 Grad los. Ich war den Vorabend länger im Ausgang gewesen und hatte dann nur 4h geschlafen. Sollte man nicht so machen. Aber wenigstens hatte ich am Abend gut und reichlich gegessen. Im Nachhinein muss ich sagen, diese Tatsache hat mich gestern dann wohl gerettet, sonst wär ich zwangsläufig vor Schwäche zusammengeklappt.

Recht flott und motiviert bin ich dann jedenfalls auf sehr bekannten Wegen aufgebrochen, liess Auenstein hinter mir und steuerte nach 11 km den ersten planmässigen Verpflegungsposten an: den Bahnhof Wildegg. Dort gabs eine Energy-Milch aus dem Kiosk, noch kurz aufs Klo und weiter gings immer der Bünz entlang durch eine Landschaft mit duftenden Feldern und Wiesen, wunderschön.

Zu diesem Zeitpunkt spürte ich deutlich (erträgliche) Schmerzen in der rechten Ferse. Sie kamen nicht überraschend, die Ferse macht mir schon seit ein paar Wochen Beschwerden, das Problem hatte ich aber monatelang auf der anderen Seite und kann es mittlerweile ganz gut einschätzen. Lange, langsame Laufeinheiten scheinen es nicht schlimmer zu machen. Es ist einfach etwas unangenehm, aber ich dachte mir so: Hallo Schmerz, schön dass Du auch mitrennst. Bin ich nicht ganz so alleine. Das war die richtige innere Einstellung.

Ich war jedenfalls guten Mutes und steuerte den Bahnhof Othmarsingen an. Dort (nach 16 km Lauf) hab ich mich dann 10min auf einen Stein gesetzt und die mitgenommenen Mandarinli-Schnitze gegessen. Lecker!

Das nächste Ziel war der Denner in Mellingen (22 km, es war ca. 10:30 Uhr). Da meine Getränkevorräte aber noch fast voll waren, hab ich mich dort nur in die Sonne auf eine Bank gesetzt und Wasser getrunken und ein paar Datteln gegessen sowie eine Packung Darvida Choco (normales Darvida ist mir zu trocken…).

An diesem Punkt des Laufes spürte ich schon stark die schweren Beine und das sollte die nächsten 10 km eher schlimmer werden. Da alles vom Bauch abwärts weg tat, fielen aber wenigstens meine Schmerzen in der rechten Ferse nicht mehr auf.

Trotz Muskelschmerzen und mittlerweile in der prallen Mittagssonne gings jedenfalls weiter durch Felder, Dörfer und einen Wald. Die Orientierung fiel mir nicht leicht, ein paar Mal bog ich falsch ab und hab die ausgedruckten Karten nur begrenzt nutzen können. Zum Glück war die Route auf Runtastic hinterlegt.

11 Uhr kurz vor Niederrohrdorf hab ichs in der Thermowäsche nicht mehr ausgehalten und mich an einem Waldstück umgezogen. Neue Kleidung: Leibli, T-Shirt und kurze Laufhose. Es war höchste Zeit.

Trotzdem gings mir nicht gut. Die Sonne strengte an, mir war übel. Vorgezogene Mittagspause nach 27 km vorm Denner in Oberrohrdorf. Mir war nur nach Flüssignahrung: ich trank 1x 250ml Redbull, 1x 500ml Süssmolke und etwas Wasser und musste mich echt zwingen, das gekaufte Milchbrötchen zu essen.

Weiter gings ca. 12 Uhr aus Oberrohrdorf heraus den Berg hinauf. Was für eine Durststrecke! Mir wars schlecht und alles tat weh und ich hatte doch noch 46 km vor mir… in dieser Krise hat mich Valentin dann via Whatsapp echt aufgemuntert. Da kam nicht nur allerhand Gehupe (Runtastic machts möglich) sondern auch Infos zu Brunnen und Geocaches in der Nähe. Einen hab ich mir dann sogar geholt.

Der Wald am Heitersberg war schön schattig. Ich liess mir Zeit. Allmählich überwand ich die Krise.

Bergab gelangte ich dann direkt nach Killwangen, am Bahnhof (km 31) gabs noch einen Redbull.

Ca. 13 Uhr nach 32 km erreichte ich die Limmat, die Freude war gross.

Ab jetzt war zumindest das Finden des richtigen Weges kein Problem mehr. Der Weg war gut und das Redbull wirkte. Mir gings besser, Krise überwunden. Ich kam an vielen Grillstellen vorbei, und war an der Limmat bei dem schönen Wetter nicht alleine unterwegs. Überall Erholungssuchende, Hundehalter, Jogger, ein buntes Treiben.

Bei 41 km dann Ankunft in Schlieren, ich musste an den Neujahrsmarathon denken. Im Lidl dort kaufte ich mir einen leider eklig schmeckenden Proteinriegel, 2 kleine Packungen Haribo-Tropifrutti (entpuppte sich als super Rennernahrung!) Und 750ml Eistee zum Auffüllen meiner Getränkevorräte.

Mein Zustand zu dem Zeitpunkt: Es tat nicht mehr so schlimm weh beim Laufen aber mir war immer mal wieder übel. Ich musste das Lauftempo deswegen öfters bewusst zurückschrauben. Irgendwann an der Limmat (es muss kurz nach dem Lidl so bei km 42 gewesen sein, fiel mir dann auf, dass ich mich in einem Trancezustand befand. Wohl der Zusstand der oft als „Autopilot“ bezeichnet wird. Alle Schmerzen waren weg. Das Laufen funktionierte von alleine. Mein Geist war fixiert auf den Untergrund vor mir, um nicht zu stürzen und damit war er voll ausgelastet, ich war nicht fähig etwas anderes zu denken. Ich verlor das Gefühl für die Zeit, es war als hätt ich ewig so weiterrennen können.

In diesem eigenartigen Delirium ganz ohne Schmerzen und Übelkeit aber mit Tunnelblick blieb ich fast 2 Stunden.

Irgendwo in Zürich wurd ich dann wieder wach und sofort wurds mir wieder schlecht, weils bergauf ging und ich musste wieder über den richtigen Weg nachdenken. Auch die schweren Beine kamen in abgeschwächter Version zurück. Keine Fersenschmerzen. Bei ca. Km 56 schaute ich von oben auf Zürich herunter, ich fühlte mich schlapp aber war optimistisch. Wenn die verdammte Übelkeit nicht schlimmer werden würde, würd ichs schaffen. Zu dem Zeitpunkt (es war kurz vor 17 Uhr) war klar, dass ich es nicht vor 18 Uhr bis nach Illnau schaffen würde (dort wollte Valentin dazustossen). Zum Glück hatte ich meine Stirnlampe eingepackt.

Als ich nordöstlich Zürich verliess, kam ich noch direkt beim Bahnhof Stettbach vorbei und kaufte mir den dritten und letzten Energydrink des Tages. Das Zeug half einfach sensationell gegen die Übelkeit, wenn auch nicht besonders lange.

Am Chrisibach bei Wangen hatte ich dank Ok Mango jedenfalls wieder ein Hoch und konnte wieder in den Autopilot-Modus wechseln. Es macht es so viel einfacher, wenn man nach ca. 58 km nicht mehr über den Weg nachdenken muss!

Die letzten 3 km vor Illnau (mittlerweile wars 18 Uhr) hab ich mich dann mächtig gequält. 500 m vorm Dorf wars so schlimm, dass ich mich neben die Strasse gelegt hab. Mir war einfach nur speiübel. Die Sonne war dabei unterzugehen. Nach kurzem Herumliegen hab ich dann auch noch gezittert. Zum Glück hatte ich ja noch die Jacke vom Morgen dabei, ich zog sogar die Kapuze hoch. Mir war übel und kalt.

In diesem desolaten Zustand, nach gut 10 Stunden Schweigen und Kampf mit mir selbst, traf ich auf den noch frischen, sportlich rumspringenden (es war frisch) Valentin und alles wurde besser. Erstmal hat er festgestellt, dass ich wohl zu wenig gegessen hätte und mir nen (leckeren) Proteinriegel verfüttert. Dann gings gemeinsam los. Letzte Etappe. Nur noch 3 Dörfer bis Rikon.

Es war dann doch noch recht beschwerlich, ab 19:30 Uhr waren wir froh über das Licht meiner Stirnlampe. Es ging noch einige Höhenmeter nach oben und zum Schluss (aua aua aua!!!) eine nicht enden wollende Treppe bergab. Wir haben beide gefroren.

Kurz vor Valentins Haustür erreichte das Tracking dann die unglaubliche Schnapszahl 77.77 km und ich hab es feierlich gestoppt. Mission completed 🙂.

26.01.2019- 6x um den Pfäffikersee (der erste Ultra des Jahres)

Mit diesem von Valentin und mir organisierten Lauf konnte ich am Ende der ersten von 13 Trainingswochen letztendlich nochmal richtig Kilometer machen. Die Runden 1 und 2 vergingen sehr kurzweilig. Ich hatte nette Begleitung von Andreas und Marcel, 2 aktiven Läufern aus Zürich, die sich dann aber nach 18 km verabschiedeten (sie hatten vorm Start schon eine Runde vorgelegt). Während Runde 3 merkte ich dann auf halber Strecke, dass mir die Pace der Gruppe (ca. 6:10 min/km) zu schnell war. 23 km gerannt und ich war erschöpft, machte ein paar Pausen und liess mich zurückfallen. Nach einem Gel und ein paar Datteln gings besser. Mit ca. 6:30 min Pace lief ich mit schweren Beinen weiter. Nach Runde 4 (35 km) war ich dann voll im Tief und nach einer WC-Pause wurds mir auch noch speiübel. Die magischen 34 km (an der Stelle hab ich ja in den letzten 2 Monaten 2x aus Erschöpfung abgebrochen)… Mein Kopf sagte, es muss jetzt einfach weitergehen, jede Faser meines Körpers wollte nicht mehr und wie gesagt, mir war schlecht.

Valentin, gewissenhaft seinen Verpflegungsstand betreibend (krankheitsbedingt konnte er nicht mitrennen), hat mich dann aber mit Redbull und ein paar flotten Sprüchen wieder hochgepäpelt und weiter gings. Alles tat weh aber scheissegal. Runde 5 und jeder Schritt in dem Glauben: bald geschafft, irgendwie noch diese Runde und es ist ein Marathon. Ein Marathon ist doch gar nicht schlecht. Damit kann man doch zufrieden sein. Ausserdem wärs ja blöd, wenn ich als Einzige die 6 Runden laufe und Valentin extra wegen mir noch 1 Stunde warten muss. Während ich so dachte, gleich ists vorbei, gings mir zunehmend besser. Bei km 39 fast keine Schmerzen mehr und positive Gedanken. Hmmm ich könnte eigentlich schon 6 Runden laufen aber nein, dann muss Valentin ja warten. Muss ja nicht sein. Reicht ja schon, wenn man weiss, man hätts gekonnt. Wenns sein müsste. Muss aber ja nicht sein. Yeah Marathon geschafft, nur noch 2km und Schluss für heute.

An der Stelle kamen mir Zyntia und Barbara entgegen, die den See ab Runde 4 in anderer Richtung umrundeten und riefen ausgelassen: auf zur letzten Runde!

Oh Gott, die warn ja drauf. Mist. Das brachte meinen geplanten Feierabend ziemlich durcheinander. Wenn die 6 Runden liefen, sollte ich nicht auch? Da kam schon der Parkplatz und ich versackte erstmal auf dem Klappstuhl. Alles unterhalb Bauchnabel tat weh. Oje, Schluss machen und ausruhen (sehr verlockend) oder zu Ende bringen. Ich rannte wieder los.

Zwar sehr sehr erschöpft aber irgendwie fröhlich. Kein Gedanke ans Aufgeben mehr, ich hatte noch Kraft. Schön, diese Erfahrung: nach dem schrecklichen Tief gehts wieder bergauf, man muss es nur überwinden und weiterlaufen.

Blick von Pfäffikon auf den See

Meine Wahrnehmung in Runde 6 war deutlich anders als die 5 Runden davor: ich hatte keinen Nerv für den ganzen Raum um mich und biss mich an Details fest, die mir vorher kaum aufgefallen waren. Und hatte komische Assoziationen. Ein abgestorbener Baum wurde zum Ritter in brauner Rüstung, das Schilf rechts neben mir kam mir vor wie eine Armee, die vor mir salutierte. Ich fand das sehr witzig und musste kichern. Ich war irgendwie vom Rennen high geworden 😂. Jedenfalls war ich guter Dinge als ich gegen 16:30 Uhr wieder am Parkplatz ankam. Erst dann spürte ich wieder die schweren Beine und die grosse Erschöpfung. Aber alles egal, ich hatte 52 km geschafft, die erste Ultradistanz nach Biel. Was für ein toller Abschluss der ersten Trainingswoche für den 146 km Seenländer Ultra 🙃

146 sind die neuen 100!

Gerade für das Wochenende, für das Valentin und ich schon länger nach einer Herausforderung suchten (als Ersatz für den wegen Unterkunft und Anfahrt zu kostenintensiven Hamburgmarathon), wurden gestern die letzten 2 Plätze für den 146km Seenländer Ultra Trail vergeben und in einem Anfall von Abenteuerlust haben wir uns diese Startplätze jetzt geschnappt.

Das Vorhaben ist verrückt aber machbar. Wir haben ab jetzt genau 13 Wochen, um die nötige Kondition aufzubauen und die erforderliche Ausstattung zu beschaffen.

Folgende Ausrüstung wird vom Veranstalter verlangt:

  • Rucksack
  • 2 Trinkflaschen mit mind. 1 Liter Volumen
  • Stirnlampe mit Ersatzbatterien
  • Regenschutz und Kälteschutz, Witterungsangepasste Laufbekleidung
  • Notfallset Erste Hilfe
  • Trailrunning – Schuhe mit Profilsohle
  • Verpflegung min. 1200 kcal
  • Mobiltelefon mit eingespeicherter Notfall-Nummer

Ab morgen starte ich mit diesem 13-Wochen Aufbautraining und werde wöchentlich über den Trainingsverlauf berichten:

Dietiker Neujahrslauf 2019

Nach dem Neujahrsmarathon, bei dem ich durch die fehlende Vorbereitung „im roten Bereich“ unterwegs gewesen bin und nach 34 km wegen Kreislaufproblemen und Übelkeit abbrechen musste, hab ich noch ca. 1 Woche lang schwere Beine gehabt und an schnellere Laufeinheiten war erstmal nicht zu denken. Aber ich wollte den Dietiker Neujahrslauf unbedingt mal kennenlernen. Soviele Laufveranstaltungen gibts ja im Winter nicht und der nächste offizielle Lauf ist dann ja erst wieder der Kerzerslauf im März.

Die Tage vorm Wettkampf gings mir eigentlich ganz gut und ich versuchte, lauftechnisch in Form zu bleiben und ausreichend zu essen.

Montag bin ich langsam 9 km an der Aare langgejoggt, hab Dienstag eine 1h-Einheit auf dem Crosstrainer absolviert (draussen war das Wetter zu grusig zum Rennen) und Donnerstag gabs nochmal einen etwas längeren lockeren Lauf (17 km). Alles in regenerativem Tempo, weil ich so kurz vorm Lauf nicht wieder schwere Beine riskieren wollte. So war ich am Sa am Start in Dietikon zwar etwas müde aber gut trainiert und in super Verfassung.

Der Lauf war dann trotzdem viel Kopfarbeit, längere Zeit schnell zu sein ist halt auch echt anstrengend. Am Anfang war es durch die Enge des Massenstarts schwierig, Gas zu geben und ich konnt mich auch noch nicht so recht dazu motivieren. Die Motivation nahm während des Laufes eigentlich aber dann immer mehr zu, nach dem Hügel kommen 3 leichtere km flach oder bergab und es gibt schon Kraft, wenn man nach der halben Strecke weiss, das meiste hat man geschafft. Mir ist noch so aufgefallen, dass ich die Steigung zweimal nahezu problemlos hochkam, während andere bei der zweiten Runde am Anschlag waren. Weil ich Angst vor Überlastung und Übelkeit (hab da jetzt ja schon einige Male Bekanntschaft mit gemacht) hatte, teilte ich mir meine Kräfte ein und lief 9 km weniger schnell als möglich (Ausnahme: km 5 mit Pace 4:27 min). Ja und die letzten 3 km hab ich dann einen Endspurt hingelegt, auf den ich stolz bin: Pace 4.42min, 4:38min, 4:38min 🙃

Mit meiner Zeit (60:53 min, Pace 5:02) bin ich jedenfalls mehr als zufrieden. Das war mein zweitschnellster Lauf überhaupt (beim 10km Walliseller Lauf 2018 erreichte ich eine Pace von 5:00 min) und mein schnellster Lauf über 12km.

Eine neue Challenge für 2019

Die Uphill-Challenge 2018 hat gezeigt, eine Wette gibt schon krass Motivation beim Laufen. Deshalb haben Valentin und ich beschlossen, auch im Jahr 2019 wieder gegeneinander anzutreten. Und diesmal reichen Hügelläufe allein nicht zum Sieg, es zählt die Quantität gleich dreier gut messbarer Laufsport-Parameter und der Sieger muss mindestens 2 davon für sich entscheiden:

  • Höhenmeter
  • Distanz
  • Dauer

Als Wetteinsatz muss der Verlierer den Gewinner zu einer Laufsportveranstaltung (die der Verlierer auswählt) einladen inklusive Carbo-Loading-Abendessen am Tag zuvor.

Top, die Wette gilt!